Weekly

Rettet die Schreibmaschine unsere Privatsphäre?

Von Hitzestau - 12.07.2013

Teil einer Serie

Inhaltsverzeichnis

Autor: Archangel

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nein, die Schreibmaschine wird unsere Privatsphäre kaum retten können, dafür ist unsere Kommunikation zu vernetzt und zu digital. Und wenn man heute über Privatsphäre spricht, geht ja eh nicht nur um die Daten, die man via Computer-Tastatur eintippt. Im Alltag hinterlassen wir einen ganzen Strom von Daten, dazu gehören unter anderem das Einkaufen mit der Kundenkarte oder das Betreten eines Gebäudes mit Überwachungskameras um nur zwei offensichtliche Beispiele zu nennen. Aber die Geschichte hat trotzdem ihren Charme, darum will ich sie Euch nicht vorenthalten:

Wie Mashable berichtet, hat der russische Federal Protective Service – unter anderem zuständig für die Sicherheit des Präsidenten und wichtiger staatlicher Institutionen – rund 20 neue Schreibmaschinen des Typs Triumph Adler TWEN 180 bestellt.

Quelle: stock.xchng

Viel interessanter sei aber noch, dass laut der Tageszeitung "Izvestiya" unter anderem das Verteidigungsministerium zu übergegangen ist, gewisse Dokumente auf nicht-elektronischen Datenträgern zu erstellen. Auch Präsident Putin selber erhalte einen Teil seiner Korrespondenz auf diesem Weg. Nach der Veröffentlichung von Geheimdokumenten durch Wikileaks und den Enthüllungen von Edward Snowden sei man dazu übergegangen, wieder vermehrt Dokumente auf Papier zu erstellen.

Das Papier war also nie wirklich tot – und wohl schon gar nicht im Umfeld von Geheimdiensten und auf Regierungsebene. Was aber für die Grossen und Mächtigen der Welt eine Sicherheitsmassnahme sein kann, ist für unseren privaten Alltag kein adäquates Mittel mehr – wie soll beispielsweise dieser Blogbeitrag seine Leser finden, wenn ich ihn auf der Schreibmaschine tippe? Oder soll ich alle täglichen E-Mails als Briefe versenden? Hier passt wohl wirklich nur noch der Spruch, dass man den Geist nicht mehr zurück in die Flasche stecken kann. Leider gilt dies nicht nur für die digitale Kommunikation, sondern auch für deren Überwachung.

Da fällt mir ein: Wann habe ich eigentlich das letzte Mal ein Buch – so richtig schön aus Papier – in den Händen gehalten und gelesen? So richtig offline? – Dumm nur, dass ich es sehr wahrscheinlich online bestellt habe...

Quelle: stock.xchng