Review

Review zur Xbox One

Von Hitzestau - 06.11.2014

Inhaltsverzeichnis

Wie "Next Gen" ist die Xbox One nun wirklich? Wir nutzen sie seit ein paar Wochen bei uns als Spielkonsole und Media Center im Alltag und stehen nun vor der Aufgabe ein Fazit zu schreiben. Ehrlich gesagt, so schwer wie bei der Xbox One ist es uns noch selten gefallen.

Woran liegt das? Einerseits haben wir mit der Xbox One sehr viel Spass – das Schöne an ihr ist ihre Vielseitigkeit vom Gamen bis zum Schauen von TV-Serien und Spielfilmen. Anderseits wurden für die Xbox One von den Entwicklern ein paar technische Designentscheidungen getroffen, die wir nicht ganz nachvollziehen können.

Im Gegensatz zur Vorgängerin Xbox 360 ist die Xbox One kein "Technologie-Pusher":

  • Kleine interne HDD
  • Blu-Ray als Trägermedium für Spiele
  • Maximale HD-Auflösung mit 1080p
  • Beschneidungen beim Umgang mit Tonformaten

Was im Vergleich zur Xbox 360 auch auffällt ist, dass verschiedene Funktionen bei der Xbox One nicht mehr vorhanden sind oder erst mit Updates wieder eingeführt wurden. Dazu zählen zum Beispiel das Musik Hören im Hintergrund (geht bei der Xbox One nicht) oder der Zugriff auf DLNA-kompatible Geräte (erst mit Update bei der Xbox One eingeführt).

Natürlich wäre es auch nicht seriös, eine absolute High-End Konsole zu erwarten, die nur mit der aktuellsten und leistungsfähigsten Hardware vollgestopft ist. Bei der Entwicklung einer Konsole wird genau durchgerechnet, wieviel welches Bauteil kosten darf. Eine Konsole – und das gilt natürlich nicht nur für die Xbox One – ist immer ein Kompromiss zwischen finanziellen und technischen Aspekten. Sie muss schlussendlich in einem gewissen Kostenrahmen für den Massenmarkt herstellbar sein.

Nun aber mal zu den einzelnen Punkten:

Festplatte

Mit der internen 500 GB Festplatte kommt man schnell an die Kapazitätsgrenzen, wenn man bedenkt, dass ein durchschnittliches Spiel rund 45 GB gross ist. Und bei vielen Spielen kommen oft noch grosse Updates hinzu. Die enorme Dateigrösse der Spiele liegt einerseits an den detaillierten und grösseren Texturen. Zudem sind bei den Spielen für die Xbox One neu mehrere Sprachversionen integriert. Die Xbox One unterstützt zwar externe USB-Laufwerke, aber es ist nicht jedermanns Geschmack, im Wohnzimmer neben der Konsole noch eine Batterie externer Laufwerke aufzustapeln. Eine Unterstützung für NAS-Laufwerke wäre eine moderne Lösung gewesen, denn NAS-Systeme werden auch im Heimbereich immer öfter für eine zentrale Datenspeicherung eingesetzt. Interessanterweise gibt es aktuell ein Special-Bundle mit dem Spiel "Call of Duty" und einer Festplatte, die 1 TB gross ist. Auch passt eine kleine Festplatte nicht unbedingt zum reinen Download als Vertriebsweg. Es wirkt schon etwas befremdlich, eine 500GB Platte zu verbauen, wo doch schon ein durchschnittlicher PC mit einer grösseren Festplatte und eventuell einer SSD daherkommt.

Die interne Festplatte der Xbox One. Quelle: ifixit.com

Eine Festplatte ist ein langsames Speichermedium und wird heute eher für Daten-Storage eingesetzt als für Anwendungen, die eine gewisse Performance erfordern. Nur schon mit einer Kombination aus SSD und HDD hätte man Laden und Installieren von Spielen beschleunigen sowie die Ladezyklen innerhalb eines Spiels verkürzen können. Im Umgang mit der Xbox One braucht man immer wieder viel Geduld. Zum Hochfahren brauchst sie einiges länger als ein moderner PC mit Windows 8 und für Spiel-Installationen muss man wie gesagt auch gut Zeit einplanen.

Blu-Ray als Trägermedium für Spiele

Eine interne SSD wäre sicher schon eine Verbesserung. Wirklich zukunftsweisend wäre es gewesen, neben dem Download aus dem Store die Spiele gleich auf entsprechenden Flash-Speicherkarten zu verkaufen. Die Spiele wären dann beim Einstecken der Karte gleich spielbar und man hätte die Xbox One mit mehreren Slots ausstatten können, um schnell zwischen Spielen zu wechseln. Jetzt muss zum Spielen die Disc immer eingelegt sein und entsprechend gewechselt werden, wenn man ein anderes Spiel spielen will. Das wirkt sehr antiquiert und bremst die Spontanität. Warum nicht bei der Installation das Spiel einmal an den Account binden und dann wäre es immer spielbereit? – Das wäre doch viel näher am ursprünglichen Gedanken einer Konsole!

Auch eine Flash-Karte könnte mit einem proprietärem Fileformat ausgestattet sein, um dem Bedürfnis der Industrie nach dem Schutz vor Raubkopien entgegenzukommen. Zudem wäre sie kostengünstig herstellbar. Die Speicherkapazität sowie die Schreib- und Lesegeschwindigkeit der Karten wären problemlos an die Anforderungen der Spiele anpassbar. Denn die "Halo: The Master Chief Collection" bringt die Blu-Ray an ihre Kapazitätsgrenze: Der gesamte Multiplayer-Teil fehlt aus Platzgründen auf der Disc und wird nur als Download verfügbar sein.

Quelle: Microsoft

Generell müssten Konsolenhersteller sich Gedanken über die Vetriebswege der Spiele machen. Download via Internet ist auch nicht immer die Lösung, da nicht überall gleich gute Bandbreiten zur Verfügung stehen, Provider über Beschränkungen der Marke "Drosselcom" nachdenken oder sogar Geld für verursachten Traffic verlangt wird. Und gerade bei einer kleinen Festplatte in der Konsole kann es sein, dass man ein Spiel mehr als einmal herunterladen muss, wenn man es zu einem späteren Zeitpunkt nochmals spielen will und es aber unterdessen aus Platzmangel auf der Festplatte gelöscht hatte.

Geschwindigkeit beim Lesen oder Schreiben von Daten ist weder die Stärke von Festplatten noch von Blu-Ray Discs. Deshalb muss man sich auch nicht wundern, wenn der Kopier- und Installationsvorgang bei einem Spiel einfach zu lange dauert. Ich will doch nur Spielen!

Maximale HD-Auflösung mit 1080p

In Foren ist viel um die Auflösung der Xbox One diskutiert worden. Diese liegt bei maximal HD 1080p, manche Spiele laufen auch mit einer geringeren Auflösung und skalieren hoch. Die Unterhaltungsindustrie ist in einem ständigem Umbruch, die nächste Generation TV-Geräte mit 4K-Auflösung steht schon vor der Tür. Auch wenn diese Geräte aktuell noch eine relativ geringe Verbreitung haben, ist die Frage schon, wie es mit 4K in paar Jahren aussieht. Man darf nicht vergessen, dass Microsoft eine Lebensdauer von rund 10 Jahren für die Xbox One plant.

Für die Entwickler gilt es immer die Balance zwischen Anzahl Frames und Auflösung zu finden. Für ein flüssiges Gameplay liefert die Xbox One 60 Frames. Im Vergleich dazu ist ein PC einiges flexibler: Neuere Generationen von Grafikkarten schieben die Grenzen von Auflösung und Anzahl Frames ständig nach oben.

Beschneidungen beim Tonformat

Als Media Center ist die Xbox One grundsätzlich recht vielseitig. Im vorangegangenen Beitrag haben wir einige Apps vorgestellt. Mit dem eingebauten Blu-Ray-Laufwerk lassen sich natürlich auch Filme und TV-Serien direkt ab Disc abspielen. Nur darf man dann nicht erschrecken, dass man den Ton nicht in der Qualität bekommt, wie man es erwartet. Die Xbox One kodiert den Ton immer, es besteht keine Möglichkeit, dass sie den Ton als Passthrough unverändert an einen Receiver weitergibt, und dass dieser die Kodierung übernimmt, was ja eigentlich zu seinen Aufgaben gehört. Das heisst, auch wenn der Ton auf einer Disc oder in einem File als Dolby TrueHD oder DTS-HD Master Audio vorliegt, gibt sie nur ein Dolby Digital- oder DTS-Signal an den Receiver weiter. Somit kann sie einen eigenständigen Blu-Ray Player, der Bitstream-Passthrough beherrscht, nicht ersetzen. Als unkomprimiertes Format kann sie nur PCM ausgeben, wobei der Ton dann sehr flach klingen kann, da im Gegensatz zu den Originalformaten wie Dolby TrueHD oder DTS-HD Master Audio beim Receiver keine Soundprogramme zum Einsatz kommen oder die Einmessung nicht funktioniert.

Bei Spielen sind diese Probleme mit den Tonformaten weniger relevant, bei TV-Serien oder Filmen von einer Blu-Ray oder Netflix – oder irgendeiner anderen App – wünscht man sich jedoch mehr. Sogar beim Durchschlaufen des Tons von einer Set-Top Box greift die Xbox One in den Ton ein. Eine gute Zusammenstellung aller Aspekte zum Thema findet Ihr auch bei insidexbox.de.

Fazit

Ja, und trotz all diesen technischen Überlegungen bleiben wir bei unserer Aussage, dass wir mit der Xbox One als Konsole viel Spass haben. Die Punkte, die wir oben angeschnitten haben, verstehen wir nicht nur als reine Kritik, sondern auch ganz einfach als Überlegungen und Anregungen. Bei einem Text über einen Mitbewerber zur Xbox One hätten wir sicher ähnliche Punkte vorgebracht.

Quelle: Xbox Wire

Es ist schlussendlich jedem Einzelnen überlassen, wie stark er die von uns aufgezählten Punkte für sich gewichtet und als wie "Next Gen" er die Xbox One einstuft. Einige Dinge wie etwa die Frage der Tonformate lassen sich hoffentlich mit einem Softwareupdate nachreichen. Die Harddisk als internes Speichermedium wird hingegen sicher bleiben, da bei einer Konsole die Hardware nicht grundlegend verändert werden darf.

Beim Abschnitt zum Thema Auflösung hatten wir die Frage nach der Lebensdauer der Xbox One schon kurz angeschnitten. Im vergangene Herbst – also noch vor dem Verkaufsstart in den USA – hatte Microsoft angekündigt, man plane die Xbox One 10 Jahre am Markt zu halten. Um dies zu erreichen, setzt man bei Microsoft unter anderem auf den vermehrten Einsatz von Cloud-Funktionen, um auf diesem Weg mehr externe Rechenleistung nutzen zu können. Aus unserer Sicht ist jedoch fraglich, ob sich die Xbox One in der aktuellen Hardware-Konfiguration wirklich so lange am Markt halten kann.

Auch wenn es verlockend ist, eine Konsole mit einem leistungsstarken PC zu vergleichen, sollte man nicht vergessen, dass eine Spielkonsole auch Vorteile bietet, die vielleicht nicht nur mit der reinen Performance zu tun haben, sondern mit der Grundidee einer Spielkonsole an sich: Man hat immer die Gewährleistung, dass ein Spiel, welches man für sie kauft, auf ihr auch läuft: Im Gegensatz zu PC-Spielen sind die Hardwareanforderungen immer gleich und es gibt auch nicht Dutzende von Grafikeinstellungen, mit den man herumspielen muss, um die optimale Performance zu erreichen. Auch im Multiplayer-Modus sind alle Spieler gleich, da sich keiner einen Vorteil rausholen kann, weil er einen stärkere Komponenten hat. Jeder spielt mit derselben Leistung. Auch wenn Microsoft die Hardware der Xbox One über die Jahre hinweg optimieren wird, muss der Output an Leistung immer gleich bleiben. Auch darf es zu keiner Fragmentierung der Hardware kommen, so dass auf einmal älteren Konsole Spiele nicht mehr laufen oder Entwickler für verschiedene Hardware-Varianten der Xbox One – zum Beispiel mit mehr Speicher oder einem leistungsstärkeren Chip – programmieren müssen.

Das Schöne an der Xbox One ist und bleibt ihre Vielseitigkeit vom Gamen bis zum Schauen von TV-Serien und Spielfilmen, auch wenn man dabei mit Abstrichen und Kompromissen leben muss. Darum ist es eigentlich schade, dass die Xbox One einen etwas schwierigen Start hingelegt hat. Schon vor der Verkaufsstart im November 2013 gab es viele negative Emotionen, was Microsoft dazu veranlasste, einiges am Konzept der Xbox One zu ändern. Gerade die verschiedenen Media Center-Apps sind von sehr unterschiedlicher Qualität: Insbesondere Zattoo ist im Funktionsumfang extrem beschnitten. Die Verarbeitung von Konsole, Controller und Kinect-Sensor hingegen ist absolut top.

Den Controller nehmen wir immer wieder gerne zur Hand, sei es zum Netflix schauen oder eine Rennen bei Forza Horizon 2, unserem aktuellen Lieblingsspiel, zu fahren. Was uns auch gut gefällt ist, das Microsoft jeden Monat Updates mit Verbesserungen und neuen Funktionen bereitstellt und auch Anregungen der Nutzer miteinbezieht. Das zeigt, dass die Konsole laufend weiterentwickelt wird.