Review

Review zur Xbox One

Von Hitzestau - 06.11.2014

Inhaltsverzeichnis

Von der Vorgeschichte und dem Launch in der Schweiz geht nun direkt weiter mit ein paar Überlegungen zur Hardware-Ausstattung und wie wir die Konsole bisher erlebt haben.

Die Xbox One Hardware

Über die Hardware der Xbox One ist schon viel geschrieben worden, bis hin zu welchem Prozessor und wieviel Speicher Microsoft verbaut hat. Schliesslich ist die Xbox One ja global gesehen auch schon fast ein Jahr auf Markt. Wer ganz genau wissen will was Microsoft da verbaut hat, dem empfehlen wir das "Xbox One Teardown" von ifixit.com.

Die Xbox One zerlegt. Quelle: ifixit.com

Konsole

Bleiben wir im Folgenden bei den Äusserlichkeiten. Wenn man die Konsole auspackt, fällt einem sofort die schiere Grösse auf, man fühlt sich ein bisschen an einen VHS-Rekorder aus den 1980er Jahren erinnert. Die Xbox One bringt es auf stolze 33,3 cm x 27,4 cm x 7,9 cm (Länge x Breite x Höhe). Die Stromversorgung erfolgt wie bei der Vorgängerin Xbox 360 über ein externes Netzteil mit einem eigenen kleine Lüfter.

Quelle: Xbox Wire
Bei dieser Gehäuse-Grösse ist sicher noch Potential für die eine oder andere spätere Slim Edition drin.
Monk-Trader von hitzestau.com

Als Laufwerk verfügt sie über ein eingebautes Blu-ray-Laufwerk (Slot-in). Auf der internen 500GB grossen Festplatte können Spiele installiert werden. Via den USB 3.0-Anschluss können zusätzliche externe Platten angehängt werden.

Hier eine Übersicht aller Anschlüsse, welche die Xbox One auf der Rückseite bietet:

Quelle: 3D Warehouse
  • HDMI In
  • HDMI Out
  • TOS-Link (spdif)
  • 2 x USB 3.0 / dritter USB 3.0-Abschluss auf der linken Seite
  • Anschluss für Kinect
  • Infrarot-Sensor Erweiterung
  • LAN

Die Xbox One kann ein HDMI-Signal durchschleifen, zum Beispiel von einer Set-Top-Box weiter zum Fernseher. Das funktioniert auch, wenn die Konsole ausgeschaltet ist. Zudem verfügt sie über ein integriertes WLAN-Modul.

Controller

Das wichtigste Zubehör zu einer Konsole ist natürlich der Controller. Schon bei der Xbox 360 war der Controller sehr gut – wie kann man also so etwas nochmals verbessern? Diesen Druck haben laut Medienberichten auch die Entwickler bei Microsoft gespürt, insgesamt sollen mehrere hundert Millionen Dollar in das Design des neuen Controllers geflossen sein.

Quelle: Xbox Wire

Ob man das in der Hand spürt, muss jeder selber entscheiden. Wir finden, der Controller liegt noch besser in der Hand, was sich gerade bei längeren Spielsessions deutlich bemerkbar macht. Zur Stromversorgung hat der Controller zwei AA-Batterien (Walkman-Batterien) integriert, wobei sein Stromhunger im Vergleich zum Vorgänger nicht gerade klein. Am besten, man besorgt sich wiederaufladbare AA-Akkus oder den aufladbaren Akku, der als Zubehör zur Xbox One erhältlich ist. Der Akku wird im Controller via USB-Kabel aufgeladen. Der Controller dient dem Kinect-Sensor auch dazu, die genaue Position eines Spielers im Raum zu erkennen und diese voneinander zu unterscheiden. Auch diese Verbindung kostet Strom.

Der Controller ist per WLAN mit der Xbox One verbunden und nutzt dazu ein speziell implementiertes WLAN-Protokoll. Via Kabel kann man ihn sogar an den PC anschliessen, die offiziellen Treiber dazu sind vorhanden, wobei die WLAN-Verbindung der Xbox One vorbehalten bleibt. Beim Controller der Xbox 360 war das genauso, nur basierte damals alles auf Bluetooth. Der neue Controller ist so modern, dass er eine eigene Firmware besitzt. Aktualisieren lässt sich der Controller via USB-Kabel, was auch empfehlenswert ist, da Updates auch Energiesparmodi betreffen können.

Der Controller ist aber auch einiges präziser geworden, beispielsweise das Feedback bei Rennspielen ist deutlich verbessert worden. Es vibriert nicht mehr einfach der Kontroller als Ganzes.

Jetzt spürt man in den Brems- und Gas-Schaltern direkt, wie man bremst oder beschleunigt. Generell sind die Wege auf dem Kontroller schneller und feinfühliger geworden. Aber hören wir auf zu philosophieren: probiert es am besten selber aus :)
Monk-Trader von hitzestau.com

Kinect

Die Kinect kennt man auch schon von der Xbox 360. Auch hier präsentiert Microsoft eine Weiterentwicklung des Sensors, der zur Gesten- und Sprachsteuerung der Xbox One dient. Generell macht das jede Menge Spass, aber die Xbox One gehorcht nicht auf jeden Wink und jeden Befehl gleich gut. So leicht und flink wie es in "Minority Report" aussah, läuft es aber noch lange nicht.

Wenn man das ganze Tutorial durchgemacht und mehrere Minuten die Hand hoch gehalten hat und mit den Faust immer wieder versucht hat, eine App zu packen, spürt man auch, was man getan hat.
Archangel von hitzestau.com

Um die Kinect optimal aufzustellen, damit auch die Gestensteuerung gut funktioniert, braucht man recht viel Raum. Zur Einrichtung des so genannten "Spielfeld für die Kinect" empfiehlt Microsoft einen Abstand von 1,4 Metern, und für zwei Spieler sogar 1,8 Meter. Zudem braucht es auch Abstand zum Hintergrund, vor dem man steht. Wir konnten den Kinect-Sensor nicht optimal einrichten, weil es bei uns etwas eng ist und die Kinect direkt auf einen PC-Monitor und den Benchtable schaut. Das kann den Sensor ziemlich irritieren. Die Kinect braucht eher grosszügige Räume, um gut zu funktionieren. Für Single-Haushalte mit engen Wohnungen oder in Kinderzimmern dürfte das nicht immer so ohne weiteres möglich sein.

Hören kann die Kinect dafür überraschend gut. Mit der Sprachsteuerung kann man einige Kommandos geben, welche die Xbox One sehr gut versteht. Auch wenn man oft mit der Konsole spricht, jeder Befehl muss immer mit "Xbox..." beginnen. Sonst reagiert sie nicht. Zu viele Geräusche aus der Umgebung, wie ein Ventilator oder eine Baustelle vor dem Fenster können sie aber irritieren. Dasselbe gilt auch für zu laute Musik oder der Sound von der Xbox One selber, also von einem laufenden Spiel oder Film.

Im Handel wird die Xbox One als zwei verschiedene Sets mit oder ohne Kinect verkauft, wobei die Kinect auch separat erworben werden kann. Die Bundles mit einem Spiel werden immer ohne Kinect angeboten.

Nutzungserlebnis

Das Dashboard ist die Schaltzentrale der Xbox One, von wo aus man Spiele und Apps starten kann. Die Bedienung ist zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Xbox One als Spielkonsole

Kommen wir zuerst zum Gamen... Geduld haben, ist hier im Umgang mit der Xbox One eine wichtige Tugend. Beim ersten Aufstellen und Einrichten der Konsole muss man erst sich erst durch alle Updates durchkämpfen. Je nach Downloadgeschwindigkeit kann das schon eine rechte Zeit gehen. Und bei der Installation des ersten Spiels braucht es nochmals Geduld, bis man dann endlich losgehen kann. Aber auch während des Spielens muss man je nach Spiel immer wieder Nachlade-Pausen hinnehmen.

Vom Auspacken und Aufstellen der Konsole bis zum effektiven Spielen ging es bei uns eine gefühlte Ewigkeit.
Archangel von hitzestau.com

Microsoft hat uns ein paar Titel mitgegeben, darunter "Ryse: Son of Rome", "Dead Rising", "Forza 5" und "Forza Horizon 2", zudem wir auch noch ein Review veröffentlichen werden. "Destiny" haben wir uns selber zugelegt. Und da kommt es halt sehr auf das jeweilige Spiel an. Eine gute Konsole kann aus einem langweiligen Spiel keinen Knüller machen.

Für die Xbox One kommen jeden Monat neue Spiele auf den Markt. Für Enthusiasten reicht unter Umständen schon ein Exklusivtitel, um sich für ein Konsolen-Universum zu entscheiden. Bei der Xbox One ist dies für viele sicher die Halo-Reihe, die wie kaum ein anderes Franchise mit dem Xbox-Universum verbunden ist. Für 2015 ist "Halo 5: Guardians" angekündigt. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, erscheint am 11. November die "Halo: The Master Chief Collection", in der alle Missionen des Master Chief für die Xbox One neu aufgelegt sind. Eine grossartige Gelegenheit für Fans und Neueinsteiger gleichermassen, sich auf den Launch von Halo 5 einzustimmen.

Die Xbox One als Media Center

Die Bedienung fällt sehr leicht, da alles grundsätzlich auf die Steuerung per Controller ausgelegt ist. Mit der SmartGlass App werden Mobilgeräte zu generellen Fernbedienungen für die Xbox One. Man kann SmartGlass als Steuerung beim Schauen von Filmen und Serien verwenden, aber auch als Tastatur zum Surfen im Web oder zum Aufrufen von Informationen zu Sendungen oder Spielen. Die SmartGlass App gibt es für alle Mobilgeräte und als Kachel für Windows 8.1.

Sie kann den Ton in verschiedenen Kodierungen an einen Receiver weitergeben:

  • Unkomprimiert (PCM) als Stereo, 5.1 oder 7.1.
  • Dolby Digital (Bitstream)
  • DTS (Bitstream)

In den Einstellungen kann man das gewünschte Ausgabeformat festlegen. Beim Abspielen kodiert die Xbox One den Original-Ton immer in Echtzeit in das gewählte Format, dass heisst sie beherrscht kein Bitstream-Passthrough. Auch beim Schauen von Filmen oder TV-Serien von einer Blu-Ray Discs gibt die Xbox One den Ton als Dolby Digital oder DTS aus, Formate wie Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio beherrscht sie nicht.

Schauen wir uns im Folgenden die wichtigsten Apps an:

Zattoo
Der Streaming-Dienst Zattoo ist unsere erste Wahl zum Fernsehen schauen, da wir schon seit Jahren keine Set-Top Box mehr besitzen. An der browserbasierten Desktop-Version schätzen wir insbesondere den Programm-Guide und die Recall-Funktion um Sendungen zeitversetzt zu sehen. Gegenüber der Browser-App vom PC ist die Zattoo-App auf der Xbox One aber extrem beschnitten und in der aktuellen Version eine echte Enttäuschung. Der Recall beschränkt sich gerade mal auf den aktuellen Tag, eine Suche nach einer bestimmten Sendung über alle Sender hinweg funktioniert nicht. Einen Programm-Guide über alle Sender hinweg gibt es auch nicht. Beim zeitversetzten Ansehen von Sendungen gibt es keinen Übergang, so muss man nicht erschrecken, wenn die App mitten in einer Sendung abbricht und das Bild wie eingefroren stehen bleibt. Dann muss man erneut den Sender und dann die nachfolgende Sendung auswählen um den Rest zu sehen.

Auf keiner anderen Plattform kommt Zattoo in so einer Schmalspurvariante daher. Auch für zahlende Zattoo-Kunden gibt es keine bessere Lösung, was schon ziemlich frech ist. Die App reicht zu knapp, um täglich die Tagessschau zu sehen, für mehr ist die definitiv nicht geeignet.
Monk-Trader von hitzestau.com

Ein Ausweichen auf den Internet Explorer ist nicht möglich, obwohl es Zattoo ja auch als Browser-Variante gibt. Diese setzt jedoch zwingend Adobe Flash voraus, und das ist auf der Xbox One nicht vorhanden. Dasselbe gilt natürlich auch für die Webkonsolen von Spotify oder Google Play Music.

Live-TV

Ausser Zattoo bietet die Xbox One auch andere Möglichkeiten zum Fernsehen schauen, wobei wir diese nicht selber ausprobiert habe. Grundsätzlich kann die Xbox One Live-TV empfangen, einen Programmguide anzeigen und sogar eine Set-Top Box von einem Kabelanbieter steuern. Inwieweit dies mit den Schweizer Anbietern funktioniert, konnten wir wie gesagt nicht selber prüfen. Für den Empfang ohne Set-Top Box braucht man einen externen Tuner, der via USB angeschlossen wird. Dieser ist für Länder wie Deutschland oder Frankreich verfügbar.

Netflix
Kurz nach Verkaufsstart der Konsole ging auch Netflix in der Schweiz an den Start. Den Streaming-Anbieter haben wir ja schon vorgestellt. Das gute an der Netflix-App ist, dass die Benutzeroberfläche auf den Plattformen wie PC, iPad oder jetzt neu der Xbox immer etwas gleich ist, so dass man sich schnell zurecht findet.

Plex
Vor dem Start von Netflix in der Schweiz war Plex auf dem Desktop-Rechner unsere wichtigste Media Center-App. Die Plex-App ist erst seit kurzem für die Xbox One verfügbar und rundet die Media Center-Funktion auf der Konsole sehr schön ab.

Quelle: plex.tv

Aktuelle bietet die App nur den Zugriff auf die eigenen Media Library mit TV und Filmen, aber wir gehen davon aus, dass die App weiterentwickelt wird und die Funktionen wie Channels dazukommen werden.

YouTube
Der Zugang zu YouTube ist auf der Xbox One sehr gut gelöst. Man kommt komplett ohne Maus und Tastatur aus, wenn man ein Video suchen will, da man ein Smartphone oder Tablet ganz einfach mit der App verbinden kann. Dann kann man auf dem Mobilgerät auf YouTube herumstöbern und das gewünschte Video dann via Xbox One auf dem Fernseher abspielen. Einfacher und bequemer geht’s kaum! Die YouTube-App zeigt, wie einfach heute die Vernetzung zwischen verschiedenen Devices möglich ist.

Twitch
Als Live-Streaming Portal zur Übertragung vom Gameplay aus einem Spiel darf Twitch natürlich nicht fehlen. Im Gegensatz zum PC braucht man auf der Xbox One keine weitere Software, um ein Spiel via Twitch zu übertragen. Zur Übertragung von eigenen Streams haben wir selber Twitch bis jetzt nicht genutzt. Aber es ist auch sehr nützlich, wenn man in ein Spiel mal reinschnuppern will um sich einen Eindruck aus erster Hand zu machen ob einem das Gameplay liegt oder nicht.

Da der Demo-Bereich der Xbox One mit knapp 10 Titeln sehr spartanisch wirkt, ist Twitch umso wichtiger, um einen Eindruck von einem Spiel zu bekommen.
Monk-Trader von hitzestau.com

Media Player

Mit dem Oktober-Update ist die Media Player-App zu einem beinahe universellen Abspielort für heruntergeladene TV-Serien und Spielfilme geworden. Neu werden Dateien im MKV-Format unterstützt. Dabei müssen die Dateien nicht einmal auf der Xbox One selber gespeichert sein. Dank dem Update kann die Xbox One auf alle Inhalte zugreifen, die auf einem DLNA-kompatiblen Geräte wie etwa einem Media Server gespeichert sind.

Weitere Apps
Zur Abrundung vermissen wir eigentlich nur den Musikstreaming-Dienst Spotify, den wir schon via Desktop und Smartphone sehr intensiv nutzen.

Der Microsoft-eigene Dienst Xbox Video ist natürlich auch als App vorhanden, wobei hier die gleichen Probleme vorhanden, sind wie auf anderen Plattformen auch. Der Dienst ist sehr lieblos gemacht und grade bei der Auswahl von Spielfilmen, ist unklar, um welche Sprachversion es sich handelt. Microsoft schafft es nicht, für die mehrsprachige Schweiz einen klar strukturierten Store zu pflegen.

Was leider nicht so geglückt ist, ist eine Verbindung von Spielen und Media Center: Die Xbox One bietet grundsätzlich die Möglichkeit, Apps "anzudocken". Eine App "andocken" bedeutet, sie auf eine Seite des Bildschirms zu verschieben, wo diese weiter ausgeführt wird, während man den grösseren Teil des Bildschirms für eine andere App zu Verfügung hat. So kann man beispielsweise ein Spiel spielen und eine App wie Xbox Music andocken, um andere Musik zu hören, wenn man den Sound vom Spiel nicht mehr hören mag. Wechselt man dann aber beim Spiel wieder in die Vollbild-Ansicht, bricht der Musik-Stream ab. Die Xbox One beherrscht also im Vollbild-Modus kein Multitasking.