Review

Review zur Xbox One

Von Hitzestau - 06.11.2014

Inhaltsverzeichnis

Jubel, Begeisterung und Glücksgefühl lassen den Puls eines Spielers höher schlagen. So sollte es erst recht sein, wenn einer der grossen Player eine neue Konsole auf den Markt bringt. Die Xbox One steht seit einigen Wochen auch in den Schweizer Regalen. Nur ihr Weg dorthin war kein Triumphzug, sondern von vielen Störgeräuschen und nachträglichen Anpassungen überschattet.

Gehen wir im Folgenden nochmal zurück auf Level 1, beziehungsweise ins Frühjahr 2013, als die Xbox One zum ersten Mal einem breiten Publikum vorgestellt wurde und schauen uns gemeinsam an, durch welche Missionen sie sich durchkämpfen musste um zu dem zu werden, was sie heute ist.

XBox One Vorstellung

Ihren ersten Auftritt erlebte sie an einer Medienkonferenz im am 21. Mai 2013. Ein paar Wochen später wurde sie am 10. Juni auch auf der E3 präsentiert.

Weg zur Medienkonferenz am 21. Mai 2013.
Quelle: Xbox Wire
Die "neue" steht im Mittelpunkt.
Quelle: Xbox Wire
E3 am 10. Juni 2013.
Quelle: Xbox Wire

"One" steht für Unterhaltung

Obwohl die Xbox One nach der Xbox 360 und der ersten Xbox eigentlich die dritte Konsole aus dem Hause Microsoft ist, trägt sie die Bezeichnung "One". Das mag etwas verwirrend sein, bringt aber die Idee der Entwickler sozusagen in einem Wort auf den Punkt. Die Xbox One ist nicht einfach eine neue Spielkonsole, sie soll die "erste" Konsole im Wohnzimmer überhaupt sein. Sie vereinigt alles, was man zu Hause an digitaler Unterhaltung haben kann: Fernsehen schauen, Kinofilme- und TV-Serien abspielen, Musik hören und eben Gamen.

Wer als Unternehmen Unterhaltung verkaufen will, braucht auch die passenden Inhalte. Damit sind nicht nur die grossen Blockbuster gemeint, sondern am besten auch eigene Produktionen. Dies hatte Microsoft auch erkannt und schon ein Jahr vor der Präsentation der Xbox One die "Xbox Entertainment Studios" gegründet. Potential für spannende Stories sind im Xbox-Universum zweifelsohne vorhanden. Die Mini-Serie "Halo 4: Forward Unto Dawn" über eine Gruppe von Kadetten wurde im 2012 extra zur Veröffentlichung von "Halo 4" produziert.

Szene aus "Halo 4: Forward Unto Dawn".
Quelle: Xbox Wire

Die Bühne für die Xbox One war also bereit...

Gegenwind

...nur blies ihr von Anfang an ein brutaler Gegenwind ins Gesicht. Der Produktelaunch wurde zur PR-Krise für Microsoft und die Marke Xbox. Dabei ging es weniger um technische Details, sondern es waren Pläne zur Unterbindung vom Verkauf von Gebrauchtspielen, ein genereller Online-Zwang und die fixe Integration der Kinect ins Konzept der Xbox One. Die Leute befürchteten sich einen Spion ins Wohnzimmer zu holen. Man darf nicht vergessen, 2013 war das Jahr von Edward Snowden und den raffinierten NSA-Methoden, vor denen kein Computersystem sicher schien. Wer wollte sich da noch eine Kamera und ein Mikrofon ins Wohnzimmer stellen?

Microsoft hatte es tatsächlich geschafft, einen grossen Teil der Gamer-Community, der Medien und potentiellen Kaufinteressenten gegen sich aufzubringen. Immerhin reagierte der Konzern relativ schnell und verkündete bereits ein paar Wochen später, die Pläne zu den Gebrauchtspielen und dem permanenten Online-Zwang würden fallen gelassen. Auch zur Kinect musste Microsoft die Gemüter beruhigen und erklären, das System liesse sich ausschalten, die Privatsphäre der User sei nicht in Gefahr.

Dies bedeutete jedoch einen tiefen Eingriff ins Konzept der Xbox One, wie der Auszug aus diesem Artikel von golem.de gut verdeutlicht: Die Konsole sei von Grund auf als vernetztes System entwickelt worden und unterstütze einige Funktionen, die nur dadurch möglich seien. Da jeder Besitzer einer Xbox One über einen breitbandigen Internetzugang verfüge, könnten Spieleentwickler riesige Onlinewelten erschaffen, die in der Cloud liefen und sich daher auch weiterentwickeln, wenn der Nutzer seine Konsole ausschaltet. Da die Xbox One immer in einem stromsparenden, aber mit dem Netz verbundenen Modus arbeite, könnten System, Spiele und Apps jederzeit aktuell gehalten werden, ohne dass Spieler auf Updates warten müssten. Das soll auch dafür sorgen, dass Freunde öfter online miteinander spielen. Darüber hinaus haben Spieler über die Internetverbindung immer Zugriff auf ihre gesamte Spielesammlung. Die Spiele liegen sowohl als lokale Kopie auf der Konsole als auch in der Cloud vor. So kann ein Nutzer seine eigenen Spiele auch an einer anderen Xbox One verwenden... Die mit Kinect ausgestattete Xbox One erkennt den Spieler und lässt sich auch durch Sprachkommandos aktivieren. Dazu müssen Konsole und Kinect aber ständig zumindest in einem Stromsparmodus laufen. So manch einer befürchtet, Microsoft könne dadurch Nutzer in seiner Wohnung ausspionieren, schließlich hört und beobachtet die Konsole ständig. Microsoft versucht nun, diese Befürchtungen einzudämmen: Jeder Nutzer soll die Beobachtungsfunktionen der Konsole abschalten können. Dann ist aber nur noch eine manuelle Anmeldung an der Konsole möglich.

Launch am 22. November 2013

Nachdem die Xbox One also schon vor dem Verkaufsstart einiges an Änderungen hatte über sich ergehen lassen müssen, gelangte sie am 22. November 2013 zum ersten Mal in den offiziellen Handel, unter anderem in den USA und einigen europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich, Frankreich, Grossbritannien, Irland, Italien und Spanien. Die Schweiz blieb ein weisser Fleck auf der Xbox One-Landkarte.

Verkaufsstart in den USA.
Quelle: Xbox Wire

Veränderungen bei Microsoft

Neben den Anpassungen am Konzept der Konsole, gab es aber für die Xbox One auch zu Hause einige Veränderungen: Mit dem Amtsantritt von Satya Nadella im Februar 2014 als Geschäftsführer von Microsoft und Nachfolger von Steve Ballmer machten Gerüchte die Runde, Microsoft könnte die gesamte Xbox-Sparte verkaufen oder einstellen. Nadella wollte weg vom "devices and services" der Generation Ballmer und stellte die Erfahrungen der Anwender ins Zentrum seiner Strategie für den Konzern: Die Cloud und die passende Infrastruktur für die User sind sein Fokus. Für ihn gehörte die Xbox nicht mehr zum Kerngeschäft des Konzerns, aber in veröffentlichten Statements anerkennt er Gaming generell und die Xbox-Marke als wichtige Zusatzgeschäfte für den Konzern an.

Aus den "Xbox Entertainment Studios" gab es hingegen weniger gute Neuigkeiten. Im Juli 2014 hab Microsoft die Schliessung bekannt. Die neue Life-Action Mini-Serie "Halo: Nightfall" soll aber trotzdem im November 2014 veröffentlicht werden. Produziert wurde sie unter anderem von Ridley Scott, ihre Handlung ist zeitlich vor "Halo 5: Guardians" angesiedelt, welches für 2015 angekündigt ist.

"Halo: Nightfall".
Quelle: Xbox Wire

Kinect wird optional

Eine andere grosse Veränderung im Xbox One-Universum zwischen der Markteinführung im November 2013 und dem Verkaufsstart in der Schweiz betrifft die Kinect. Diese wurde seit Beginn immer zusammen mit der Xbox One verkauft, ab Juni 2014 begann Microsoft, auch eine preisgünstigere Xbox One-Variante zu verkaufen, bei der die Kinect nicht mehr enthalten war. Bei der Produktvorstellung im vergangenen Jahr hatte Microsoft noch betont, Kinect sei ein integraler Bestandteil von Xbox One und Kern ihrer Medienstrategie, Fernseh-, Film-, Musik- und Spieleangebote mit einer gemeinsamen Gesten- und Sprachsteuerung auf der Xbox zu vereinen.

Zudem wollte Microsoft mit der günstigeren Xbox One auch die Verkaufszahlen gegenüber der Playstation 4 von Sony verbessern. Für die Entwickler von Spielen und Apps bedeutet dies aber auch, dass sie nicht mehr davon ausgehen können, dass bei jeder eine Xbox One eine Kinect mit dabei ist. Allerdings sind damit auch Ressourcen frei geworden, welche die Entwickler neu für Anderes nutzen können.

Zwischenbilanz für Start in der Schweiz

Nun nähern wir uns also dem offiziellen Verkaufsstart in der Schweiz. Die Xbox One wurde natürlich seit dem vergangenen November aus den umliegenden Ländern importiert und verkauft. Aber viel wichtiger ist: Die Xbox One ist seit ihrer ersten Vorstellung im Mai 2013 nicht mehr dieselbe Konsole. Microsoft hat nach Protesten von Usern einiges am Benutzererlebnis verändert – Onlinezwang und Kinect-Steuerung um nur nochmal zwei Stichworte zu nennen.

Dass aber die Xbox One bei uns in der Schweiz erst neun Monate später auf den Markt gekommen ist, muss man nicht unbedingt als Nachteil sehen. Seit dem Verkaufsstart ist die Software der Konsole mit vielen Updates und neuen Funktionen verbessert und weiterentwickelt worden. Auf der Support-Seite sind alle Updates protokolliert. So gesehen erhalten wir in der Schweiz gleich eine Konsole, die schon viele zusätzliche Features und Verbesserungen von Anfang an integriert hat. Das Benutzererlebnis fängt also für uns Schweizer Kunden sozusagen auf einem anderen Level an. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man Erfahrungsberichte auf deutschen oder amerikanischen Webseiten liest, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.

Markteinführung in der Schweiz

Warum hat es denn für die Schweiz so lange gedauert? Das war in den vergangenen Monaten eine oft gestellte Frage. In einem Statement vom November 2013 hat Microsoft Schweiz wie folgt dazu Stellung genommen: Vielerlei Faktoren haben Einfluss auf den Lancierungszeitpunkt der Xbox One in einem spezifischen Markt. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden bereits am ersten Tag das beste Xbox One Erlebnis haben. Das bedeutet für jeden einzelnen Markt, dass Lokalisierungen der Benutzeroberfläche vorgenommen, Inhalte und Steuerung auf die Landessprachen angepasst, Regulationen in den jeweiligen Märkten beachtet und Partnerschaften für Apps und relevante lokale Inhalte aufgebaut werden. In den kommenden Monaten werden wir weitere Informationen zur Verfügbarkeit der Xbox One in der Schweiz teilen können.

Das sind auch heute noch die offiziellen Gründe, wenn man mit Verantwortlichen von Microsoft spricht. Dahinter steht aber weit mehr, als die Menüführung auf die drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch zu übersetzen. Schliesslich ist die Xbox One in Deutschland, Frankreich und Italien seit November 2013 auf dem Markt. Die grösste und zeitraubende Arbeit liegt in der Lizenzierung von Inhalten für die Xbox One, die für jedes Land neu ausgehandelt werden muss, da es in jedem Land eigene Verwaltungsgesellschaften und Rechteinhaber gibt. So ist es nicht selbstverständlich, dass ein Film, der bei Xbox Video im Store angeboten wird, auch auf der Xbox one abgespielt werden darf. Das muss separat nachverhandelt und lizenziert werden. Dasselbe kann für Zusatzinformationen zu Sendungen und Filmen gelten, die man als User auf einem sogenannten Smartglass-Device (Smartphone oder Tablet) aufruft.

Das mag alles sehr trivial tönen, aber der Teufel steckt hier sicher im Detail. Zu den Partnerschaften für Apps mit lokalen Inhalten gehörten sicher auch Verhandlungen mit Zattoo, dem grössten Live-WebTV-Anbieter in Europa, der auch seit Jahren in der Schweiz präsent ist. Fast zeitgleich mit dem Verkaufsstart der Xbox One in der Schweiz, lancierte auch Streaming-Anbieter Netflix ein Schweizer Angebot und war mit einer App auf der Konsole mit dabei.

Ausblick

Bei uns steht seit ein paar Wochen ein Testgerät von Microsoft inklusive der Kinect. Wir sind Xbox-User seit der ersten Xbox-Konsole im Jahre 2002 und freuen uns, mit der Xbox One auch die dritte Konsolen-Generation zu erleben und darüber berichten zu können. Dies tun wir auch gleich auf den folgenden beiden Seiten, wenn wir auf die Hardware der Konsole und das Benutzererlebnis als Spielkonsole und Media-Center eingehen.