Review

Nokia 9 PureView im Test

Von Hitzestau - 22.08.2019

Inhaltsverzeichnis

Das Nokia 9 PureView will die Smartphone-Fotografie mit seinen fünf Kameras auf der Rückseihe auf einen neuen Level bringen. In diesem Review schauen wir uns an, ob dies gelungen ist.

Heute kommt kein Smartphones mehr auf den Markt, welches nicht über mehrere Kamera verfügt. Das Nokia 9 PureView bietet auf der Rückseite sogar ein System mit fünf Linsen. Grund genug für uns, unsere eigenen Erfahrungen damit zu machen. Wir konzentrieren uns in diesem Review deshalb auf unsere Erfahrungen mit der Kamera, gehen aber auch andere Aspekte des Geräts ein wie beispielsweise das Pure Android oder Haptik, Verarbeitung und Performance im Alltag.

Zu allererst wollen wir jedoch der Frage nachgehen was mit der Marke “Nokia” in den letzten Jahren alles geschehen ist und erklären, warum die Nokia-Smartphones von heute nicht mehr von demselben Unternehmen hergestellt werden wie damals.

Was geschah mit "Nokia"?

Nokia ist wieder da! Oder genauer gesagt: die Smartphones der Marke "Nokia". Das Nokia 9 PureView hat, genauso wie anderen neuen Modelle die kürzlich erschienen sind, jedoch nichts mehr mit den Nokia-Geräten der Vergangenheit zu tun.

Vor der Lancierung des iPhone durch Apple im Jahre 2007 war die Welt für Nokia in Ordnung gewesen. Längst hatte sich der Konzern vom Papier- und Gummi-Produzenten zu einem Technologie-Unternehmen gewandelt. Über ein Jahrzehnt hatte Nokia seine Stellung als weltgrösster Mobilfunk-Hersteller gehalten. Doch die Finnen verpassten den Wandel des Smartphones vom Nischenprodukt zum Massenmarkt. Ihr eigenes Betriebssystem Symbian liess sich nicht nach der Bedürfnissen der Smartphone-Benutzer weiterentwickeln.

Eine Allianz mit Microsoft sollte die Wende bringen. Nokia rüstete seine Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone aus. Das Lumia 800 war das erste Smartphone von Nokia mit Windows Phone, welches im Oktober 2011 vorgestellt wurde. Im November 2013 verkaufte Nokia seine gesamte Mobiltelefon-Sparte an Microsoft und konzentrierte sich selber auf Netzwerklösungen und Kartendienste. Microsoft gelang es jedoch nicht, rund um Windows Phone ein Öko-System mit Apps von Drittanbietern aufzubauen, wie man es von iOS oder Android her kannte. Die Marktanteile verharrten bei niedrigen einstelligen Prozent-Werten. Das allerletzte Lumia-Gerät, das "Microsoft Lumia 650" mit Windows 10 Mobile, kam im Februar 2016 in den Handel. Und noch im selben Jahr gab Microsoft bekannt, ab sofort keine eigenen Smartphones mehr zu produzieren.

Für den Namen "Nokia" ging es dann Schlag auf Schlag. Die Markenrechte für die Produktion von Mobilgeräten gingen an das neu gegründete Unternehmen HMD Global, welches ebenfalls in Finnland beheimatet ist und von ehemaligen Nokia-Managern gegründet worden war. HMD Global wählte für die Produktion, den Verkauf und den Vertrieb der neuen Nokia-Geräte das taiwanesische Unternehmen Foxconn als Auftragsfertiger. Nokia selbst konzentriert sich heute weiterhin auf sein Geschäft mit Netzwerk-Lösungen, der Ausflug in den Gesundheitssektor mit Produkten wie Blutdurchmessgeräten, Fitness-Trackern oder Körperfettwaagen war nur von kurzer Dauer.

Das erste "neue" Nokia-Telefon, das Nokia 150, war ein so genanntes Feature Phone und wurde im Dezember 2016 angekündigt. Im Januar 2017 folgte dann das erste Smartphone mit Android als Betriebssystem.

Nokia 9 PureView

Nun aber zurück in Gegenwart zum Nokia 9 PureView. Bevor wir vertieft auf das Thema Fotografieren zu sprechen kommen, wollen wir zunächst die Hardware des Gerät vorstellen.

Quelle: HMD Global

Gehäuse-Design

Beim Gehäuse setzt HMD Global auf ein klassisches Smartphone-Design: Das Display ist durchgängig flach und wird von klaren Gehäuse-Rändern umschlossen. Der Rahmen, der rund um das Gerät herum verläuft, besteht aus Alu. Das Glas auf der Frontseite, welches das Display schützt, ist ein Corning Gorilla Glass.

Quelle: HMD Global

So etwas wie eine Notch oder eine sichtbar ins Display integrierte Front-Kamera kennt das Nokia 9 nicht. Der obere Rand ist breit genug gestaltet, um alle Komponenten aufnehmen zu können. Die Rückseite ist an den Rändern leicht gewölbt und ebenfalls durch ein Glas geschützt. Alle Übergänge zwischen Glas und Metall fühlen sich sehr abgerundet an, wirklich scharfe Kanten sucht man vergeblich. Die fünf Kamera-Linsen sowie der Blitz und der Infrarotsensor sind komplett ins Gehäuse integriert und stehen nicht hervor. Die Linsen werden vom bekannten Hersteller Zeiss geliefert.

Quelle: HMD Global

Alle für die Bedienung notwendigen Knöpfe sind im rechten Rahmen untergebracht: die Lautstärke-Wippe sowie der Ein- Ausschalt-Kopf. Der Fingerprint-Scanner ist direkt ins Display integriert. Der USB-C Anschluss ist wie üblich unten angebracht, auf einen 3.5mm-Kopfhöreranschluss hat HMD Global verzichtet. Im Lieferumfang befindet sich ein entsprechender Adapter um 3.5mm-Kopfhörer anzuschliessen.

Quelle: HMD Global

Display

Das Nokia 9 PureView verfügt über ein 6-Zoll Display mit einer Auflösung von 2880 x 1440 Pixel. Das Seitenverhältnis beträgt somit 18:9, die Pixeldichte liegt bei 536 ppi. Es unterstützt HDR10. Als Technologie kommt P-OLED zum Einsatz. Es handelt sich um die von vielen Smartphone-Herstellern verbaute OLED-Technik. Das "P" in der Abkürzung steht dafür, dass manche Bauteile des Displays aus Kunststoff und nicht aus Glas gefertigt sind.

Technische Spezifikationen

Die Rechenleistung des Nokia 9 kommt von einem Snapdragon 845-Prozessor mit acht Kernen. Ihm stehen 6 GB Arbeitsspeicher zur Seite. Der interne Gerätespeicher umfasst 128 GB und kann nicht mit einer microSD-Karte erweitert werden.

  • Grösse: 155 x 75 x 8 mm mm
  • Gewicht: 172 g
  • Display: 6.0 Zoll P-OLED / 2880x1440 / Pixeldichte 536 ppi
  • Prozessor: Qualcomm SDM845 Snapdragon 845 Octa Core
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 128 GB
  • Akku: 3320 mAh / Lithium-Ionen
  • Anschlüsse: USB-C / NFC / Bluetooth 5.0
  • Netz: 2G / 3G / 4G (LTE)
  • WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac (2,4G+5GHz)
  • Hauptkamera: 12 MP, f/1.8, 28mm, 5 Linsen
  • Video (Hauptkamera): max. 4K 3840x2160 / 30fps
  • Frontkamera: 20 MP
  • SIM-Karte: Nano-SIM
  • Betriebssystem: Android 9 Pie

Alltagserlebnis

Bevor wir im nächsten Kapitel auf das Kamera-System und das Fotografieren damit eingehen, wollen wir hier unsere Erfahrungen mit dem Nokia 9 im Alltag vorstellen. Dass heisst, es geht um Aspekte von Bedienung und Interaktion, das Betriebssystem, den Akku und abschliessend um Klangqualität und Multimedia-Features.

Bedienung und Interaktion

Wenn man das Smartphone hochhebt, reagiert das Display und zeigt die Uhrzeit sowie den Fingerprint an um es zu entsperren.

Bleiben wir gerade noch beim Thema Entsperren: Hier bietet das Nokia 9 verschiedene Varianten. Neben der PIN-Eingabe stehen eine Gesichtserkennung und ein Fingerprint zur Verfügung. Der Fingerprint-Sensor ist direkt ins Display integriert. Wenn man den gespeicherten Finger auf die markierte Stelle auf dem Display legt, reagiert der Sensor manchmal sehr schnell, oft kam es bei unserem Test jedoch zu Fehlinterpretationen und Fehlermeldungen wie "stärker drücken" oder "Finger zu schnell bewegt". Auch die Gesichtserkennung hat sich bei uns nicht als sehr zuverlässig erwiesen. Beide biometrischen Systeme machen beim Nokia 9 das Entsperren nicht zügig und einfach, sondern haben sich im Alltag als Bremsen und somit als nicht alltagstauglich herausgestellt. Es gibt für die Interaktion mit einem Smartphone nichts frustrierendes, als wenn nur schon das Entsperren nicht sauber klappt.

Die äussere Verarbeitung des Nokia 9 ist hingegen tadellos. Es ist gemäss Zertifikat IP67 gegen Wasser und Staub geschützt - wobei wir das in der Praxis nicht getestet haben.

Die Rückseite fühlt sich etwas plastifiziert an und ist ein Anziehungspunkt für Fingerabdrücke. Wenn man das Gerät in den Händen hält, bietet es gesamthaft gesehen eine sehr angenehme Haptik. Auch zum Fotografieren, wenn man es hauptsächlich mit den Fingerspitzen am Rahmen festhält, hat man nicht den Eindruck, es würde gleich herunterfallen.

Mit den üblichen Apps bietet das Nokia 9 ein sehr flüssiges Erlebnis, beim Surfen laden die Webseiten sehr schnell, wobei das natürlich immer auch abhängig von der Mobilfunkverbindung oder dem WLAN ist.

Farbe, Kontrast und Helligkeit des Display lassen sich zwar mit den vier in den Geräteeinstellungen vordefinierten Settings (Dynamisch, Vivid, Kino, Basic) anpassen, aber grundsätzlich hat das Display des Nokia 9 einen Hang hin zu einer kühlen Farbdarstellung die auch schnell mal blaustichig wirken kann.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass man die Helligkeit sehr hoch einstellen muss, um genügend Kontrast zu erzielen. Zum Lesen von Texten kann das dann schon in eine unangenehme Helligkeit kippen. Mit rund 536ppi ist die Darstellung von Texten aber auch sehr scharf.

Pure Android "Android One"

Ausgeliefert wird das Nokia 9 PureView mit Android 9 "Pie" als Betriebssystem. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern von Android-Geräten verzichtet HMD Global auf eine eigene Benutzeroberfläche oder eigene Erweiterungen zur Android-Software. Das Nokia 9 gehört zur Reihe der "Android One"-Geräte. Sie verwenden genau die Android-Version, wie sie von Google herausgegeben wird.

Im Alltag bringt das einige Vorteile: So sind nur die Google-eigenen Apps vorinstalliert und keine Bloatware oder Testversionen von Apps, die man eigentlich gar nicht haben möchte. Zudem erhält man zwei Jahre lang Updates auf die aktuelle Version des Betriebssystems und monatliche Sicherheitsupdates für mindestens drei Jahre. Zudem ist der digitale Google-Assistent "Ok Google" Teil des Benutzererlebnisses.

Wer bisher Android-Geräte benutzt hat, deren Hersteller eine eigene Benutzer-Oberfläche installiert haben, müssen sich etwas umgewöhnen, sollten aber relativ schnell zurecht kommen.

Akku und Laden

Der Akku verfügt über eine Kapazität von 3320 mAh. Nach unserer Erfahrung baut er recht gut ab über den Tag hinweg, vor allem wenn man das Display auf eine Helligkeit von rund 80 % eingestellt hat. Es ist aber auch sehr komfortabel, das Nokia 9 wieder nachzuladen: Es unterstützt sowohl Schnellladen via Netzteil und Ladekabel sowie auch kabellos.

Das Betriebssystem unterstützt den Benutzer beim Energiesparen im Alltag, indem es die Hintergrund-Aktivitäten der wichtigsten Apps überwacht und gegebenenfalls reguliert.

Sound

Für die Tonwiedergabe steht dem Nokia 9 nur ein Lautsprecher am unteren Rand zur Verfügung. Dieser hat die Tendenz etwas dumpf zu tönen. Einen erheblich besseren Klang liefert bereits das Headset, welches im Lieferumfang mit dabei ist, ein passender Adapter für den USB-C-Anschluss liegt ebenfalls bei. Wer mit dem Nokia 9 Musik hören oder Videos schauen will, dem empfehlen wir ein kabelloses Bluetooth-Headset zu verwenden.

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