Review - Erfahrungsbericht mit dem Samsung Galaxy S8+

Review

Erfahrungsbericht mit dem Samsung Galaxy S8+

Von Hitzestau - 15.06.2017

Bei seinem neusten Wurf – dem Galaxy S8 und S8+ – setzt Samsung auf zwei neue Design-Elemente: das Display ist nahezu randlos und der Home-Button ist direkt ins Display integriert. Mit diesen beiden Aspekten und allen anderen Neuerungen wollen wir uns in unserem Testbericht näher auseinandersetzen – unser Testgerät ist ein Galaxy S8+.

Samsung Galaxy S8+.
Quelle: Samsung

Gerät und Haptik

Die neue Formensprache von Samsung nennt sich "Infinity Display". Links und rechts hat das Display keinen Rand, es wölbt sich nach unten und geht dort fliessend in den Metallrahmen über, der das Gerät umgibt. Oben und unten sind die Ränder extrem schmal gehalten. Samsung verzichtet auf der Frontseite sogar auf den eigenen Schriftzug.

Ecken und Kanten sucht man beim S8+ vergeblich: Die Frontseite besteht aus einer durchgehenden Glasfläche, auch die Rückseite ist aus Glas. Ein schmaler Metallrand verläuft rund um das ganze Gerät, die Übergänge sind mit dem Finger kaum spürbar, explizite Kanten sind kaum auszumachen. Das gesamte Gerät wirkt wie aus einem Guss und ist sehr sauber verarbeitet. Selbst die Ecken des Displays sind abgerundet und der Gehäuseform angepasst. Im Metallrahmen sind rechts der Powerknopf und links die Lautstärkeregelung sowie die Taste für den Assistenten Bixby untergebracht. Die Knöpfe sind sehr schmal und knackig zum Drücken.

Mit dem Design beim S8+ macht Samsung aber nicht jeden neuen Trend der Premium-Smartphones mit: Auf der Rückseite kommt wie bisher nur eine Kamera zum Einsatz, andere Hersteller haben verschiedene Konzepte entwickelt, welche mit zwei parallelen Linsen arbeiten. Auch beim Kopfhöreranschluss macht Samsung keine Experimente und hat im Rahmen an der unteren Seite einen guten alten 3,5mm Klinkenstecker verbaut.

Im Weiteren wird der Rahmen an der unteren Schmalseite durch den USB-C-Anschluss sowie die Öffnung für den Lautsprecher unterbrochen. Auf der Fronseite sind alle drei Knöpfe, inklusive der Home-Taste, ins Display gewandert und werden bei Bedarf angezeigt. Einen physikalischen Homebutton zum Drücken gibt es nicht mehr. Den Fingerprint-Scanner hat Samsung auf die Rückseite verlegt, er sitzt rechts von der Kameralinse.

Samsung Galaxy S8+.
Quelle: Samsung

Die Rückseite ist flach, die drei Elemente auf der Rückseite – also Blitz, Kamera und Fingerprint – sind nur von einem flachen Rand umgeben und stehen nicht hervor.

Auf den ersten Blick ist das randlose Design etwas ungewohnt – da aber beinahe die gesamte Frontseite für das Display genutzt werden kann, entsteht eine extrem grosse Fläche für das Anzeigen aller Inhalte.
Monk-Trader von hitzestau.com
Samsung Galaxy S8+.
Quelle: Samsung

Mit der Grösse des Displays stösst Samsung in neue Dimensionen vor: Beim S8+ misst die Diagonale 6,2 Zoll. Trotzdem wirkt das Gerät aber nicht wirklich riesig oder klobig und fühlt sich in der Hand noch relativ schlank an. Das liegt an zwei Gründen: Das Gehäuse hat, wie oben bereits erwähnt, so gut wie keinen Rand. Zudem ist das Seitenverhältnis nicht das marktübliche 16:9-Format, sondern das Display ist länglicher (18,5:9 Seitenverhältnis). Dadurch ist das Gerät kaum grösser als das iPhone 7 Plus (5,5 Zoll Display / 158,2 x 77,9). Die beiden Geräte sind fast gleich lang, aber das S8+ ist schmäler (6,2 Zoll Display / 159,5 x 73,4).

Samsung Galaxy S8+.
Quelle: Samsung

Die Oberfläche des S8+ ist zwar recht glatt, trotzdem ist das Gerät nicht rutschig, wenn man es in der Hand hält. Für die Bedienung benutzt man besten beide Hände. Hält man das Gerät in einer Hand, lassen sich mit dem Daumen unmöglich alle Bereiche des Displays erreichen. Die längliche Form des Geräts führt zudem zu einer Art "Hebelwirkung", wenn man es mit einer Hand im unteren Drittel festhält – wenn man nicht aufpasst, kann es einem aus der Hand fallen.

Als sehr ungünstig erweist sich die Positionierung des Fingerprintscanners auf der Rückseite. Der Scanner selbst erkennt den Fingerabdruck sehr schnell – das Problem ist nur, in so einfach zu treffen, wie man es vom Homebutton auf der Fronseite gewohnt war. Wenn man beispielsweise den Zeigefinger hinterlegt hat, muss man das Gerät zum Entsperren so in die Hand nehmen, wie man es zum Benutzen niemals halten würde. Das macht das Handling mit dem S8+ sehr mühsam.

Ein Fingerprintscanner sollte eigentlich den Umgang mit dem Gerät einfacher und bequemer machen. Beim Galaxy S8+ ist genau das Gegenteil der Fall. Ich habe deshalb wieder die PIN benutzt, um das Gerät zu entsperren, was weniger komfortabel ist.
Archangel von hitzestau.com

Technik

Technisch ist das Galaxy S8+ auf dem neusten Stand: Samsung verbaut seinen eigenen Exynos 8895 Octa-Prozessor mit einer schnelleren Grafikeinheit. Zudem verfügt das Gerät über 4 GB Arbeitsspeicher. Beim internen Speicher gibt es mit 64 GB bei uns in Europa nur eine Grösse, bei Bedarf kann dieser mit einer microSD-Karte erweitert werden.

Beide S8-Modelle verfügen über ein IP68-Zertifikat und sind somit wasserdicht.

Die Gesprächsqualität beim Telefonieren ist gut, der Klang ist wirklich sehr klar. Das mitgelieferte AKG-Headset geht in der Klangqualität über normalerweise beigelegtes Zubehör hinaus, man kann es gut zum Telefonieren oder Musikhören verwenden. Gerade bei Musik oder Videos bietet es einen recht kräftigen Sound. Man muss allerdings aufpassen, dass die Hörer richtig gut in der Ohrmuschel sitzen.

Zum Entsperren bzw. zur Authentifizierung verfügt das S8+ ausser dem Fingerprintscanner über weitere biometrische Technologien: einen Irisscanner und eine Gesichtserkennung. Ergänzt werden diese mit den bekannten Möglichkeiten wie PIN, Passwort oder Streichmuster.

Displayqualität

Das Super AMOLED-Display stellt Text gestochen scharf dar, die Farben sind kräftig, aber immer noch natürlich. Zudem ist es HDR-tauglich. Das Display des S8+ ist ein Spitzendisplay, dennoch gibt es ein paar Aspekte, die bei den früheren Smartphone-Modellen von Samsung nicht so augenfällig waren. Entlang der gebogenen Ränder erkennt man einen leichten Farbverlauf. Am oberen und unteren Rand fällt zudem eine leichte Vignettierung auf, aber wirklich erkennen tut man dies nur wenn das Display eine zusammenhängende weisse Fläche anzeigt. Neigt man das Gerät hin und her, merkt man, dass sich die Farben relativ schnell verändern. Das Display besitzt eine sehr hoch maximale Leuchtkraft, diese ist aber auch nötig, um die Spiegelungen zu überspielen. Beim Vergleich im direkten Sonnenlicht schneidet das Display des Vorgängermodell S7 jedoch etwas besser ab.

Wenn das S8+ gesperrt ist, aktiviert sich das Always on Display (AoD) und zeigt Informationen wie Benachrichtigungen, Uhrzeit, Akkustand und Datum an. Die Anzeige kann in den Einstellungen angepasst werden. Der Homebutton wird beim AoD als kleines Quadrat angezeigt. Auf eine einfache Berührung reagiert er nicht, man muss auf die Stelle etwas Druck ausüben, um alle Benachrichtigungen anzuzeigen. Entsperrt ist das S8+ dann aber noch nicht.

Akku / Aufladen

Die Akkukapazität hat Samsung gegenüber dem Vorgänger kaum verändert, im S8+ steckt eine 3500 mAh-Batterie. Die Schnellladefunktion funktioniert auch, wenn man das Gerät via Induktion kabellos auflädt (Qi). Der Schnelladestandard, der vom S8 und S8+ unterstützt wird, ist QC 2.0. Es dauert rund anderthalb Stunden, bis der Akku komplett geladen ist.

Bei uns hat der Akku immer einen ganzen Tag durchgehalten, wenn man sehr viel fotografiert und das Display ständig auf volle Leistung eingestellt hat, geht die verbleibende Akkuladung schon sehr schnell nach unten. In der Gerätewartung kann man zwei verschiedene Energiesparmodi auswählen sowie Akkulaufzeit und andere Einstellungen auf verschiedene Anwendungsszenarien wie zum Beispiel Spielen anpassen.

Technische Spezifikationen

Spezifikationen Samsung Galaxy S8+

  • Grösse: 159.5 x 73.4 x 8.1 mm
  • Gewicht: 173 Gramm
  • Akku: 3500 mAh
  • Display: 6.2 Zoll Quad HD+ Super AMOLED / 2960 x 1440 / Pixeldichte 529 ppi

Spezifikationen Samsung Galaxy S8

  • Grösse: 148.9 x 68.1 x 8.0 mm
  • Gewicht: 155 Gramm
  • Akku: 3000 mAh
  • Display: 5.8 Zoll Quad HD+ Super AMOLED / 2960 x 1440 / Pixeldichte 570 ppi

Spezifikationen Samsung Galaxy S8 / S8+

  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Datenspeicher: 64 GB
  • Prozessor: Exynos 8895 Octa-Prozessor (2,3 GHz Quad + 1,7 GHz Quad) / 64 Bit
  • Hauptkamera: Dual Pixel 12 MP / f/1.7
  • Vordere Kamera: 8 MP / f/1.7
  • Netz: 4G / LTE
  • WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac 2.4G+5GHz, MIMO
  • Anschlüsse: 3,5-mm-Stereo-Audio/ NFC / Bluetooth 5.0 / USB-C
  • Betriebssystem: Android 7.0 "Nougat"
  • SIM-Karte: Nano-SIM

Neue BenutzeroberfIäche

Mit Android 7 hat sich Samsung von der bisherigen TouchWiz-Oberfläche verabschiedet und die gesamte Benutzeroberfläche grafisch überarbeitet. Sie orientiert sich jetzt mehr am Stock Android. Zudem wurden ein paar neue Wischgesten eingeführt, wie zum Beispiel das einfach nach oben- oder unten-Wischen auf dem Startscreen, um alle installierten Apps anzuzeigen. Die gesamte Bedienung ist sehr flüssig und intuitiv.

Quelle: Samsung

Bei den neuen Icons der einzelnen Anwendungen erkennt man schnell, für was sie stehen.

Quelle: Samsung

Alle Menüs wirken sehr gut strukturiert und aufgeräumt, das gilt auch für das Einstellungsmenü, welches auch im Querformat angezeigt werden kann.

"Edge" - Display

Auch wenn es kein explizites "Edge"-Modell mehr gibt, sind die zusätzlichen Displayfunktionen wie sie beim S6 egde und beim S7 edge eingeführt worden sind, erhalten geblieben bzw. weiterentwickelt worden. Die so genannten "Seitenpaneele" lassen via den schmalen grauen Balken, der entweder am rechten oder linken Displayrand angezeigt wird, aufrufen. Als Paneele lassen sich zum Beispiel oft verwendete Apps oder VIP-Kontakte einrichten. Ein schneller Zugriff auf die Gerätewartung oder das Ausschneiden von Screenshots in verschiedenen Formaten ist ebenfalls möglich. Beim Einrichten der VIP-Kontakte werden bevorzugt die als Favoriten markierten Kontakte angezeigt, aber man kann schlussendlich aus der gesamten Kontakte-Liste seine persönlichen VIP’s auswählen.

Diese Bildmontage zeigt alle möglichen Seitenpaneele, die man in den Einstellungen konfigurieren kann.

Montage: hitzestau.com Quelle:

Hey, Bixby!

Bixby ist der Name des digitalen Assistenten, den Samsung mit den S8-Modellen neu lanciert hat. Die untenstehende Grafik gibt einen Überblick, was Bixby alles können sollte. Bei uns in Europa funktioniert jedoch nur ein Teil der Features.

Quelle: Samsung

Wenn man auf dem Startscreen vom linken Rand nach rechts rüber wischt, gelangt man zu Bixby Home, eine praktische Art sich schnell einen Überblick über eigene aktuelle Benachrichtigungen, Erinnerungen und News zu verschaffen. Zudem gibt es den Button direkt unterhalb der Lautstärkereglers am linken Gehäuserand, mit dem man Bixby direkt aktivieren kann. Auf die Funktionen von Bixby Vision gehen wir weiter unten im Kapitel Galerie nochmals ein.

Früher konnte man mit der Wischgeste den Flipboard-Feed erreichen, dieser wurde jedoch komplett von Bixby abgelöst. Zudem kommt bei Bixby mit Upday eine neue Newsquelle zum Einsatz, Flipboard selber kann man immer noch als eigenständige App herunterladen und installieren.

Kamera

Wie das Vorgängermodell Galaxy S7, verfügen auch die S8-Modelle über eine ausgezeichnete Kamera. Mit dem grossen Display steht einem sogar noch mehr Fläche als Sucher und für die Bedienungselemente zur Verfügung.

Bild-Format

Mit dem neuen Display-Format von 18,5:9 hat Samsung auch ein neues Bildformat eingeführt. Der Kamera-Chip bietet im 4:3 Format die maximale Auflösung von 12 Megapixel (4032 x 3024). Schaut man sich die Bilder auf dem Display an, machen sich gefühlt riesige schwarze Balken rechts und links breit. Das 16:9-Format passt dann schon etwas besser zu den Seitenverhältnissen des Displays. Zudem bietet die Kamera-App an, genau im Format des Displays zu fotografieren (18,5:9, 4032 x 1960). Damit erhält man Aufnahmen, welche das gesamte Display füllen. Betrachtet man die Bilder dann auf einem anderen Smartphone mit einem 16:9-Display, werden oben und unten natürlich wieder schwarze Balken eingeblendet.

Video-Aufnahmen bietet die Kamera keine im 18,5:9-Format an, hier bietet Samsung hauptsächlich verschiedene Auflösungen im 16:9-Seitenverhälttnis an, wie die folgende Übersicht aus den Kameraeinstellungen zeigt.

Kamera-App

Die verschiedenen Bildformate beim Fotografieren haben auch Auswirkungen auf das Interface der Kamera. Im 18,5:9-Modus gibt es links und rechts keine schwarzen Balken, nur die drei Buttons werden fix eingeblendet. Sie verdecken damit bei der Aufnahme den rechten Bildrand, so dass man streng genommen keine 100-prozentige Vorschau der Aufnahme hat.

Im 4:3 oder 16:9-Modus werden dann entsprechend breitere Balken eingeblendet.

Die von Samsung vorinstallierte Kamera-App bietet umfangreiche Funktionen. Das Hauptmenü der Kamera erreicht man, indem man auf dem Display mit einem Finger nach rechts wischt. Hier hat man dann Zugriff auf die verschiedenen Funktionen wie Auto, Pro oder Panorama.

Im Pro-Modus kann man viele Einstellungen wie Weissabgleich oder Blende manuell einstellen. Die Helligkeit bzw. Belichtungskorrektur lässt sich mit einem sehr präzisen Slider regeln. Zudem bietet der Pro-Modus die Option, die Aufnahmen zusätzlich im RAW-Format abzuspeichern. Die Kamera macht dabei eine Aufnahme und speichert sie intern in zwei verschiedenen Dateiformaten ab (.jpg und .dng).

Testaufnahmen

Kommen wir nun zu unseren Testaufnahmen. Schaut man sich die allgemeinen technischen Spezifikationen an (12 MP, Blende f1.7, optischer Bildstabilisator) scheint wenig Neues in der Kamera zu stecken. Samsung hat jedoch beim Sensor und der internen Bildnachbearbeitung einige technische Neuerungen eingearbeitet und verspricht bessere Aufnahmen bei wenig Licht. Die Front-Kamera für Selfies kann neu mit 8 MP aufwarten.

Die Kamera vom S8+ gefällt mir sehr gut. Sie liefert tolle Farben und hat einen schnellen Autofokus und Auslöser.
Archangel von hitzestau.com

Wir haben unsere Testaufnahmen mit der vollen Auflösung von 12 MP im 4:3 Format gemacht, auch wenn dies zugegebenermassen nicht das idealste Format ist, wenn man die Aufnahmen hauptsächlich auf dem Smartphone anschaut.

Bei Tageslicht und Sonnenschein liefert das S8+ sehr schöne Ergebnisse, die Aufnahmen haben wir alle mit der Auto-Funktion gemacht und keine zusätzlichen Filter aktiviert. Autofokus und Auslöser reagieren bei guten Lichtverhältnissen sehr schnell.

Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+

Auch im Nahbereich macht das S8+ tadellose Aufnahmen, bei solchen Motiven muss man einfach eine ruhige Hand haben, das Scharfstellen und Auslösen kann etwas länger gehen als gewohnt.

Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+

Die Panorama-Funktion ist in der Handhabung wie üblich bei Samsung ein Kinderspiel. Die fertige Aufnahme sieht gut aus, auch wenn man immer noch erkennen kann, dass das Bild aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist. Wichtig beim Aufnehmen von Panoramas ist es, eine ruhige Hand zu haben. Das S8+ verfügt zwar über ein grosses Display, aber solche Aufnahmen kommen erst auf einem grösseren Bildschirm voll zur Geltung. Unsere beiden Testaufnahmen zeigen, dass es nicht immer nur Landschaften sein müssen, die sich für ein Panorama eignen.

Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+

Die Testaufnahmen bei Dämmerung und Dunkelheit haben uns ebenfalls sehr überzeugt. Natürlich sind sie bei näherer Betrachtung auf einem grossen Bildschirm grobkörniger, aber dem Display des S8+ selbst sehen sie sehr schön aus. Die Lichtstimmung wird sehr schön eingefangen, wobei die Kamera die Tendenz hat, die Farben von Kunstlichtquellen wie das in der Unterführung um einiges kräftig wiederzugeben, als sie in Echt sind. Zudem kann es bei Lichtquellen wie Strassenlaternen zu einem sternförmigen Strahlen kommen.

Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+

Die beiden folgenden Bilder sind ein direkter Vergleich zwischen RAW- und jpg-Aufnahme. Hier kann man erkennen, wie die Software des S8+ die Bildern intern verarbeitet. Das jpg (rechts) ist im gesamten eindruck intensiver (bezüglich Farbe, Kontrast, Schärfe). Es wirkt ein bisschen wie eine HDR-Aufnahme, obwohl man dies im Pro-Modus überhaupt nicht einstellen kann.

Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+ RAW
Testbild Kamera Samsung Galaxy S8+ JPG

Kamera-Handling

Der Rahmen des Galaxy S8+ ist ja wirklich nur sehr schmal, trotzdem lässt sich das Gerät zum Fotografieren im Querformat sehr gut und sicher halten, was uns im Vergleich zu den Edge-Modellen bei den Vorgängern S6 und S7 positiv überrascht hat. Aktivieren lässt sich die Kamera bei gesperrten Gerät direkt vom Sperrbildschirm via das Icon oder einen Doppelklick auf den Powerbutton. Dieser ersetzt das von früher bekannte Doppelklicken auf den Homebutton, wie man es vom S7 her kannte. Ein wenig problematisch kann das randlose und gebogene Display dann aber doch werden. Wenn man das Gerät quer hält und mit dem rechten Zeigefinger die Helligkeit nachregeln will, kann es mit den Fingern der linken Hand zu ungewollten Fehleingaben kommen.

Galerie

Auf dem grossen Display des S8+ kommen die gemachten Bilder sehr schön zur Geltung. Als Teil des Assistenten Bixby hat Samsung in die Bilder-Galerie ein paar neue Funktionen eingebaut, welche zusätzliche Informationen zu den Bildern liefern. Diese werden von Samsung unter dem Begriff "Bixby Vision" zusammengefasst. So kann man unter anderem aus Bildern Texte extrahieren, übersetzen lassen oder nach ähnlichen Motiven suchen. In anderen Ländern gibt es auch Funktionen wie direkte Links zu Online-Shops. wo man fotografierte Produkte kaufen kann.

Bei Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten oder Landschaften kann man auf Grund der GPS-Daten zusätzliche Informationen zum Standort abrufen und Tipps für Restaurants in der Umgebung bekommen.

Samsung DeX

Mit DeX präsentiert Samsung im Zusammenhang mit den S8-Modellen eine Lösung, um das Smartphone wie einen PC nutzen zu können. Mit der speziellen Dockingstation lassen sich ein externer Bildschirm, Tastatur und Maus sowie LAN und weitere Peripherie-Geräte via USB anschliessen. Damit hat man alle Eingabegeräte zur Hand, wie man es von der Interaktion mit einem Computer her kennt. Die Dockingstation besitzt einen integrierten Lüfter, welcher die Rückseite des Smartphones kühlt, wenn es eingesteckt ist.

Dockingstation für DeX.
Quelle: Samsung

Aktiviert wird DeX einfach durch das Einsetzen des Geräts in die Dockingstation. Gleichzeitig werden der Akku geladen und das Smartphone-Display ausgeschaltet. Auf dem externen Bildschirm wird dann eine angepasste Benutzeroberfläche angezeigt, die sich vom Aufbau her an einem Desktop-Betriebssystem mit Startbutton orientiert.

Man kann mehrere Apps gleichzeitig im Fenstermodus laufen lassen.

Im Zusammenspiel mit unserem Testmonitor war das Schriftbild eher unsauber und ausgefranst. Je nach Monitor lässt sich das jedoch mit der Regelung der Schärfe am Monitor selbst noch verbessern. Anpassen via die Einstellungen des Smartphones kann man das nicht, genauso wenig wie die Auflösung (max. 1920 x 1080).

Manche Apps wie beispielsweise der Chrome Browser oder Microsoft Word lassen sich auch im Vollbildmodus darstellen. Bei Webseiten wird grundsätzlich die Mobile-Version angezeigt, man kann dies in den Einstellungen von Chrome anpassen (Desktopversion anfordern) oder auf der jeweiligen Webseite die gewünschte Ansichtsform auswählen.

Andere Apps lassen sich nur so darstellen, wie man sie auch auf dem Smartphone-Display sieht. Manche Apps unterstützen dabei Hoch- und Querformat. In der Top-Leiste gibt es einen Rotations-Button, um zwischen beiden Ansichten hin- und herzuwechseln. Andere Apps können nur im Hochformat angezeigt werden. Es gibt aber auch Anwendungen wie zum Beispiel Spotify, die sich unter DeX gar nicht auf dem externen Monitor öffnen lassen.

Rein punkto Performance haben wir mit DeX keine schlechten Erfahrungen gemacht. Aber auch wenn sich das Smartphone dann sozusagen wie ein PC bedienen lässt, ist und bleibt es immer ein Smartphone mit einem Betriebssystem für mobile Geräte.

Das betrifft zum Beispiel den ganzen Umgang mit Dateien und den Zugriff auf externe Laufwerke. Es besteht ein bisschen die Gefahr, dass DeX Erwartungen weckt, welche die Plattform nicht erfüllen kann.
Monk-Trader von hitzestau.com

DeX wird automatisch beendet, wenn man das Smartphone wieder aus dem Dock herauszieht. Anwendungen werden automatisch geschlossen, Dokumente sollte man vor dem Herausziehen sichern, damit sie nicht verloren gehen. Etwas mühsam ist es beim Surfen, weil Chrome nicht erkennt, dass er jetzt für alle Webseiten wieder die Mobil-Version anzeigen sollte. So muss man dies meist Webseite für Webseite wieder umstellen.

Verfügbare Modelle / Farben

Beide S8-Modelle sind in der Schweiz in den drei Farben Midnight Black, Orchid Gray und Arctic Silver erhältlich (UVP für S8: CHF 799.00 / für S8+: CHF 899.00). Für die DeX-Dockingstation liegt die UVP bei CHF 162.00. Zudem gibt eine breite Auswahl an Covers und Hüllen, die auch mit dem Always-on-Display zusammmen funktionieren.

Samsung Galaxy S8+ Midnight Black
Samsung Galaxy S8+ Orchid Gray
Samsung Galaxy S8+ Arctic Silver

Fazit

Beim Samsung Galaxy S8+ steht das Design über der Alltags-tauglichen Funktionalität. Das liegt hauptsächlich an der Position des Fingerprintscanners. Diese kann man nur als Fehlentscheidung bezeichnen. Aber auch die Grösse oder vielmehr die Proportionen des Gehäuses spielen eine Rolle: Es fühlt sich zwar in der Hand noch relativ schlank an, aber das längliche Format des Gehäuses ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil es auch Auswirkungen auf das Handling des gesamten Geräts hat. Dazu gehört die von uns beschriebene "Hebelwirkung", wenn man das S8+ nur im unteren Drittel festhält.

Rein subjektiv gefühlt hat Samsung bei seinen Smartphones schon bessere Displays geliefert: Es ist zwar gestochen scharf, aber es hat Vignettierungen an allen vier Rändern und es ist nicht sehr blickwinkelstabil, d.h. die Farben verändern sich sehr schnell, wenn man das Gerät hin und her bewegt.

Gut gefallen haben uns die Gestaltung des Gehäuses mit dem randlosen Display, die Verarbeitungsqualität und die Performance. Auch die neue und entschlackte Benutzeroberfläche weiss zu gefallen.

Die Docking-Station DeX ist ein interessantes Zubehör, Verbesserungen braucht es aber noch bei der Monitor-Unterstützung sowie der Kompatibilität von Apps.

Beim S8+ verschwimmen von der Grösse her die Grenzen zu E-Readern oder so genannten "Phablets", einer Mischung aus Smartphone und Tablet. Auch macht Samsung nicht jeden Trend mit: Mit dem Infinitiy-Display setzt Samsung zwar auf ein randloses Design, verbaut aber auf der Rückseite nur eine Kamera, obwohl andere Hersteller in ihren Premium-Modellen bereits Zwei-Kamera-Systeme einsetzen. Hoch anrechnen kann man Samsung allerdings, dass beide S8-Modelle, also S8 und S8+ über die diesselben Features verfügen und Samsung hier keine künstliche Differenzierung versucht.