Die mobile Apple-Erlebniswelt

Revolution per Fingerzeig

Von Hitzestau - 18.07.2014

Teil einer Serie

Inhaltsverzeichnis

Am Anfang war der Finger

Zur Erschaffung der Welt brauchte es mehr als eine simple Berührung oder eine Geste mit zwei Fingern. Trotzdem sind es diese simplen Gesten, die seit 2007 die Welt verändern. Die Apple-Entwickler haben mit dem iPhone und dem iPad zwei Werkzeuge erschaffen, mit denen Millionen von Menschen miteinander kommunizieren, kreativ sind und viele andere Dinge tun.

Die Hand Gottes (Michelangelo, Sixtinischen Kapelle) Quelle: Wikipedia

Und sie tun dies ganz einfach mit ihren Fingern. Was gibt es natürlicheres, als die Dinge mit den Fingern zu berühren, um etwas zu erschaffen, bearbeiten oder anderen zu zeigen? Das Pinchen – also das vergrössern mit zwei Fingern – ist heute für viele Menschen selbstverständlich. Gepinched wird überall, um etwas auf einer Anzeige zu vergrössern. Auch wenn es manchmal gar nicht funktioniert – die Geste wird schon fast automatisch gemacht.

Anlässlich der Präsentation des ersten iPhone im Januar 2007 erntete Steve Jobs viel Gelächter im Saal, als er ein Bild von einem iPhone mit einem Stift zeigte. Er erklärte dann, für das iPhone brauche man nur "the best pointing device in the world" – das beste Zeigegerät der Welt, den Finger.

Die Finger sind das natürliche Werkzeug des Menschen. Quelle: stock.xchng

iPhone und iPad wurden im Abstand von drei Jahren vorgestellt, das iPhone wie schon erwähnt im 2007, das iPad im 2010. Die Vielseitigkeit , die wir heute an beiden Geräten schätzen, hatte Steve Jobs schon 2007 dem iPhone in die Wiege gelegt, als er ankündigte, drei Produkte vorzustellen: einen Musikplayer, ein Telefon und ein Internet-Gerät. Damals hiess es, das Telefon neu zu erfinden, und die Menschen trauten Apple dies zu (Komplette Keynote als Podcast bei iTunes anschauen: Link).

Ich kann mich heute noch an diese Keynote erinnern. Es war eine der ersten, die ich per Video gesehen habe und ich war begeistert.
Monk-Trader von hitzestau.com

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Keynote vom 09.01.2007 an der Macworld in San Francisco. Quelle: Apple

Das World Wide Web hatte eine gewisse Verbreitung und Akzeptanz erreicht und mit dem iPod hatte Apple seit 2001 bewiesen, dass sie in der Lage waren, Mobilgeräte zu bauen und mit einem eigenen Ökosystem zu vermarkten.

Mit den Apple-Geräten ist die Touchscreen-Bedienung mit dem Finger massentauglich geworden, weil sie so einfach und natürlich ist. Wer gerne mit einem Stift arbeitet, kann zu Produkten von Drittherstellern greifen. Verschiedene Anbieter haben Lösungen entwickelt, die dem gewohnten Schreiben oder Zeichnen auf Papier nahekommen.

Aus heutiger Sicht mag die Bedienung per Finger völlig normal erscheinen. Damals war die Entscheidung mutig.
Archangel von hitzestau.com

Die technischen Grundlagen für die Multi-Touch Bedienung, also mit mehreren Fingern gleichzeitig, wurden schon in den 1980er Jahren entwickelt. Auch Apple-intern wurde schon ab dem Jahre 2000 an einem Multi-Touch Gerät experimentiert, aus dem heraus dann zuerst das iPhone marktreif entwickelt wurde. Ein anderes bekanntes Gerät mit einem Multi-Touch Display war das 2005 erschienene Multimedia-Kontrollgerät Lemur des französischen Herstellers Jazzmutant zum Steuern von Mischpulten im professionellen Audio- und Videobereich.

Quelle: JazzMutant

Der Lemur wird heute nicht mehr hergestellt, die Technologie existiert jedoch weiter als App.

Von der Revolution zur Evolution

Seit der Vorstellung des ersten iPhone sind sieben Jahre vergangen – iPhone und iPad sind heute im Alltag angekommen und werden wie selbstverständlich benutzt. Es werden Debatten geführt, ob sie für Kinder gut oder schlecht seien, ob es ein Fortschritt sei, wenn jeder im Tram oder Bus auf sein Smartphone starrt oder ob Tablets den Desktop-Rechner ersetzen können. Unabhängig davon wie man dazu steht, unberührt lassen die Geräte kaum jemanden. Dies gilt natürlich auch für die Mitbewerber von Apple. Bei den Smartphones gibt es heute kein Modell, dass nicht über einen grossen Bildschirm und wenig Tasten verfügt. Hier hat Apple Standards für die ganze Industrie gesetzt.

Bis wir nach der oben zitierten Keynote selber unser erstes iPhone in den Händen hielten, sollten noch rund zwei Jahre vergehen. Das allererste iPhone-Modell wurde ja nicht offiziell in der Schweiz verkauft. Das iPhone 3G haben wir natürlich in den Läden angeschaut. Mit der Lancierung des 3GS sind wir dann selber stolze iPhone-Besitzer geworden.

Damals bildeten sich noch lange Schlangen vor den Shops, um eines der begehrten Geräte zu ergattern. Als wir unser 3GS gekauft haben, sind wir am Tag der Markeinführung einfach früh morgens in die Mobilezone-Filiale in der Innerstadt marschiert und sie hatten noch zwei iPhone, die nicht reserviert waren... und vor dem Swisscom-Shop warteten viele Leute vergeblich.
Archangel von hitzestau.com

Im Schnitt bringt Apple jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt. Logisch freuen wir uns über technische Weiterentwicklungen wie leistungsfähigere Prozessoren, ein Retina-Display oder verbesserte Apps. Aber gerade weil die Geräte heute zum normalen Alltag gehören, ist auch ein Stück der Magie verschwunden, die früher noch Vorstellung und Markteinführung neuer Modelle umgab.

Was hingegeben geblieben ist, sind die Spekulationen und Erwartungen rund um neue Modelle, die von Medien und Apple-Fans kultiviert werden. Die Geheimniskrämerei von Apple was neue Produkte angeht, befeuert dies natürlich. Wie sehr dieses Marketing von Apple gesteuert wird oder nicht, spielt dabei gar keine Rolle. Entscheidend ist die Wirkung. Auf jeden Fall gehört die Berichterstattung über mögliche neue Features zu den Ritualen im Vorfeld einer offiziellen Apple-Keynote oder Präsentation.

Exklusive Store-Locations erzeugen immer noch Magie...
Quelle: Apple

Aus der Technik-Revolution ist eine Evolution, eine kontinuierliche Weiterentwicklung auf hohem Niveau geworden. Auch die besten Ingenieure und Entwickler können nicht jedes Jahr revolutionäre neue Technologien aus ihrer Trickkiste hervorzaubern.

Wenn man sich heute für ein neues iPhone oder iPad entscheidet, weiss man auf Grund der mehrjährigen Kontinuität, dass es ein solides Gerät ist. Oder anders gesagt: Man weiss, was man hat.
Monk-Trader von hitzestau.com

Soweit zum Einstieg die "Geschichte mit dem Finger". Von ihr kann man lernen, wie schnell sich eine neue Technologie durchsetzt und verbreitet. Da kann schon fast in Vergessenheit geraten, wie alles angefangen hat.

Die mobile Erlebniswelt von Apple beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Touchbedienung. Sie spielt sich ganz konkret auf Geräten wie der iPhone- und der iPad-Familie ab, die mit dem iOS als Betriebssystem ausgestattet sind. Schauen wir uns Hard- und Software im nächsten Beitrag genauer an.