Review

Zwei Fliegen mit einer Klappe?

Von Hitzestau - 19.12.2018

Inhaltsverzeichnis

Beim letzten Update des MacBook Pro im Juli dieses Jahres wurde auch eine externe Grafikkarte (eGPU) vorgestellt, die Hersteller Blackmagic Design zusammen mit Apple entwickelt hatte. Wir haben dies zum willkommen Anlass genommen nicht einfach ein weiteres Review zum MacBook Pro zu schreiben, sondern das noch relativ neue Konzept mit einer externen Grafikkatze bei uns im Alltag zu testen.

Wir haben dafür einen "Pro"-Arbeitsplatz zusammengestellt, bestehend aus einem MacBook Pro, der eGPU und zwei 4K-Monitoren von LG. Alle Geräte wurden uns für einen Testzeitraum von zwei Monaten zur Verfügung gestellt. Für den "Pro"-Arbeitsplatz hat uns dieses Foto inspiriert, welches Apple vor längerer Zeit an einer Keynote gezeigt hatte:

Quelle: Apple

Arbeitsplätze mit zwei oder noch mehr Monitoren sind ja heutzutage grundsätzlich nichts mehr aussergewöhnliches. In der Werbung zeigt Apple immer wieder schön eingerichtete Arbeitsplätze, uns ging es jetzt darum, selber damit praktische Erfahrung zu machen. Das besondere darin ist die Kombination eines Desktop-Arbeitsplatzes und mobilem Arbeiten auf Basis von einem Notebook – in unserem Fall der 15-Zoll MacBook Pro.

Die eGPU fungierte bei uns als Bindeglied zwischen Notebook und den Monitoren. Auch wenn der 15-Zoll MacBook Pro selber bis zu zwei Displays mit 5K (5120 x 2880) oder vier Displays mit 4K (4096 x 2304) ansteuern kann, bringt der Einsatz einer eGPU mehrere Vorteile, auf die wir in unserem Erfahrungsbericht näher eingehen werden. Unsere Berichterstattung beginnen wir hier mit der Vorstellung unserer Hardware-Basis:

  • Notebook: Apple MacBook Pro 15 Zoll (Mid 2018) mit macOS Mojave (10.14)
  • externe Grafikkarte: Blackmagic eGPU
  • Monitor: LG 27UK600-W (2 Stück)

Apple MacBook Pro 15 Zoll

Ein MacBook Pro braucht man eigentlich gar nicht vorzustellen... Ausführliche Reviews zu den 13- Zoll– und 15-Zoll-Modellen der vierten Generation des MacBook Pro haben wir früher schon publiziert.

Apple 15 Zoll MacBook Pro.
Quelle: Apple

Das Gehäuse-Design entspricht aktuell immer noch dem Modell, welches im Herbst 2016 mit der damals neu eingeführten Touch Bar vorgestellt wurde. Die letzte Aktualisierung im Juli 2018 (Mid 2018) brachte bei verschiedenen Aspekten einige Weiterentwicklungen:

Die Prozessoren gehören zur achten Generation von Intel ("Coffee Lake"), erstmals sind Intel Core i7 und i9-Prozessoren mit sechs Kernen verbaut. Der Arbeitsspeicher kann optional bis auf 32 GB aufgerüstet werden und der Speicher der dedizierten AMD Radeon Pro-Karten beträgt immer vier GB. Seit Ende November sind neu zudem die Radeon Pro Vega 16 / 20 optional auswählbar, ebenfalls mit 4 GB Speicher.

Beim Display sind Auflösung und ppi unverändert geblieben, es hat jedoch neu die True Tone-Technologie integriert. Die Tastatur hat Apple gegenüber den Vorgänger-Modellen ebenfalls verbessert. Die Mechanik der Tasten ist jetzt weniger anfällig gegen kleine Dreck-Partikel, die bei Benutzung unter die Tasten geraten können.

Apple 15 Zoll MacBook Pro.
Quelle: Apple

Ebenfalls neu im MacBook Pro ist der Apple T2 Chip, der im Herbst 2017 beim iMac Pro eingeführt wurde. Er sorgt für eine bessere Systemsicherheit mit Unterstützung für sicheres Booten und Speicherverschlüsselung.

Alle technischen Spezifikationen zum 15-Zoll MacBook Pro findet Ihr zusammengefasst am Ende des zweiten Artikels.

Blackmagic eGPU

Die externe Grafikkarte von Blackmagic wurde zeitgleich mit der letzten Aktualisierung der MacBook Pro-Reihe im Juli 2018 vorgestellt. Hersteller Blackmagic Design hat die eGPU zusammen mit Apple entwickelt.

eGPU von Blackmagic Design.
Quelle: Blackmagic Design

Das Gehäuse wirkt zwar auf den ersten Blick etwas eigenwillig, ist aber dennoch sehr ansprechend. Die warme Luft wird im Gehäuseinneren mit einem Lüfter nach oben abgeführt. Die Grundfläche von rund 18 x 18 cm ist möglich, weil im Inneren keine herkömmliche PC-Grafikkarte steckt, sondern eine massgeschneiderte Platine, auf der alle Komponenten untergebracht sind. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass sich die eGPU von Blackmagic nicht aufrüsten lässt.

Bei der Grafikkarte handelt es sich um eine AMD Radeon Pro 580. Sie verwendet den gleichen Chip mit der Polaris-Architektur, wie er auch auf der AMD Radeon RX 580 verbaut wird. Die RX 580 ist jedoch für den Einbau in PC-Gehäusen gedacht, dafür benötigt sie einen PCIe-Slot auf dem Mainboard. Die Pro 580 ist für Notebooks und flache All-In-One-Gehäuse konzipiert. Beide verfügen über 8 GB Speicher, nur die Leistungsdaten sind bei der Pro 580 im Vergleich zur RX 580 etwas reduziert.

Zur Verbindung mit dem Computer nutzt die eGPU die Thunderbolt 3-Schnittstelle. Auf der Rückseite verfügt sie über folgende Anschlüsse:

  • 2x Thunderbolt 3
  • 1x HDMI 2.0
  • 4x USB 3.1
eGPU von Blackmagic Design.
Quelle: Blackmagic Design

Über die Thunderbolt 3-Schnittstelle kann der Notebook auch mit 85 Watt Leistung aufgeladen werden. Dass die eGPU über zwei Thunderbolt 3-Schnittstellen verfügt, ist eine Besonderheit, auf deren Bedeutung wir weiter unten noch eingehen werden. Die meisten anderen eGPU-Gehäuse die aktuell im Handel angeboten werden, verfügen meistens nur über eine Thunderbolt 3-Schnittstelle.

Zum Lieferumfang neben dem Stromkabel ein 0,5 Meter langes Thunderbolt 3 Kabel um eGPU und Computer miteinander zu verbinden. Kabel um eGPU und Monitore miteinander zu verbinden, sind nicht im Lieferumfang enthalten.

Alle technischen Spezifikationen zur Blackmagic eGPU findet Ihr zusammengefasst am Ende des zweiten Artikels. Der Hersteller hat kürzlich noch eine zweite eGPU vorgestellt. Sie basiert auf der Radeon RX Vega 56-Grafikkarte von AMD und bietet auf der Rückseite zusätzlich einen DisplayPort-Anschluss (1.4).

LG 27UK600-W

Bei den Monitoren hatten wir uns für unseren Arbeitsplatz für zwei 27-Zöller mit 4K-Auflösung von LG entschieden. Das Display wird von einem sehr schmalen Rahmen umgeben, nur die untere Kante mit dem LG-Logo ist etwas breiter. Die Rückseite des Monitors ist weiss, hier befinden sich auch alle Anschlüsse und die VESA-Halterung. Das OSD (OnScreen Display) lässt sich sehr einfach über einen kleinen Joystick bedienen, der an der unteren Kante angebracht ist. Über den Stick wird der Monitor auch ein- und ausgeschaltet. Der Fuss ist leicht geschwungen und lässt sich nicht in der Höhe verstellen.

Monitor LG 27UK600-W.
Quelle: LG

Das 16:9-Display liefert ein gestochen scharfes Bild, das bei 60 Hz sehr ruhig ist. Die Farbkalibrierung ist ab Werk bereits sehr gut eingestellt. Das Display ist gleichmässig hell, Lichthöfe haben wir keine feststellen können. Dank der ISP-Technologie ist es sehr blickwinkelstabil. Es beherrscht die AMD FreeSync-Technologie und wird mit HDR-Unterstützung beworben, obwohl die maximale Helligkeit unter dem VESA-Standard für HDR-Displays bleibt.

Monitor LG 27UK600-W.
Quelle: LG

Für den Transport ist der Monitor sehr gut verpackt, wobei die Schachtel von aussen überrascht schmal ist. Der Fuss muss beim Aufstellen zuerst montiert werden, was sehr einfach zu bewerkstelligen ist. Alle notwendigen Schrauben sind dafür mitgeliefert, an Werkzeug wird nur ein Kreuzschlitz-Schraubenzieher benötigt. Der Fuss selber wirkt etwas filigran, der geschwungen geformte Teil muss komplett auf der Unterlage aufliegen, damit er dem Monitor genügend Standfestigkeit verleihen kann.

Monitor LG 27UK600-W.
Quelle: LG

Ebenfalls im Lieferumfang enthalten sind ein HDMI- und ein DisplayPort-Kabel.

Alle technischen Spezifikationen zum LG 27UK600-W findet Ihr zusammengefasst am Ende des zweiten Artikels.

macOS und eGPU

Die Unterstützung für externe Grafikkarten gehört zu den wichtigsten Neuerungen in macOS in den letzten Jahren. Um die Blackmagic eGPU in Verbindung mit einem Mac-Computer verwenden zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Betriebssystem macOS High Sierra 10.13.4 oder neuer / macOS Mojave 10.14
  • Thunderbolt 3-Schnittstelle am Mac

Wer die eGPU explizit für das interne Display verwenden will – also in Verbindung mit einem iMac, iMac Pro, Mac mini, MacBook Air, MacBook Pro – benötigt auf jeden Fall macOS Mojave.

Quelle: Apple

Wie angekündigt, werden wir im zweiten Teil ausführlich ausführlich auf unsere Erfahrungen mit unserem MacBook Pro-Arbeitsplatz eingehen. Generell gesagt bringt eine eGPU in Verbindung mit einem Mac folgende Vorteile:

  • Mehr Grafikleistung (Chip und Speicher), insbesondere für Modelle ohne dedizierte Grafikkarte
  • Verbindung zusätzlicher externer Monitore
  • Verwendung von VR-Headsets
  • Berechnungen (z.B. Transkodieren von Videos, maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz, wissenschaftliche Simulationen)

Gedanken zum Aufstellen

Wenn man einen solchen Arbeitsplatz einrichten will, gibt es ein paar Aspekte, die man vorher bedenken sollte oder über die man sich im Klaren sein muss.

Platzbedarf

Dazu gehört zu allererst die notwendige Tischfläche. Denn wenn man zwei Monitore, einen Notebook und eine eGPU auf einem Schreibtisch aufstellen will, braucht in erster Linie mal jede Menge Platz, in der Breite wie auch in der Tiefe der Tischplatte.

Platzbedarf eGPU

Das Gehäuse der eGPU von Blackmagic hat eine quadratische Grundfläche von rund 18 x 18 cm. Es ist damit im Vergleich zu anderen eGPU-Lösungen eher schlank und nimmt nicht viel Tischfläche in Anspruch. Viele Gehäuse, die für externe Grafikkarten angeboten werden, sind von der Form her eher länglich und verbrauchen daher mehr Platz.

Quelle: Blackmagic Design

Das liegt daran, dass in ihnen eine handelsübliche Grafikkarte verbaut ist, deren Platine eine Länge zwischen 25 bis 30 cm aufweist. Bei einer solchen Bauweise sollte man auch beachten, wie die warme Abluft aus dem Gehäuse abgeführt wird, denn man sollte keinen warmen Luftzug direkt in die Augen bekommen. Das Gehäuse der eGPU von Blackmagic ist so konzipiert, dass die warme Abluft nach oben abgeführt wird.

Als Vergleich haben wir hier Bilder von einem Gehäuse eines anderen Herstellers für eine externe Grafikkarte eingefügt. Die ASUS ROG XG Station 2 ist 45.6 cm lang und 15.8 cm breit, sie beansprucht also viel mehr Platz als die Lösung von Blackmagic. Im Bild ganz rechts sieht man wie im Gehäuse eine handelsübliche PC-Grafikkarte untergebracht ist. Im Gegensatz zum Konzept von Blackmagic ist man allerdings frei bei der Auswahl der Karte.

ASUS ROG XG Station 2

Eine Zusammenstellung von eGPU-Gehäusen von verschiedenen Herstellern findet Ihr auf egpu.io.

Schnittstelle USB-C / Thunderbolt

Ein zentrales Element bei einem System mit einer externen Grafikkarte ist Thunderbolt 3. Wir haben hier die offizielle Infografik von Intel eingebunden, sie fasst übersichtlich alle wissenswerten Informationen zum Thema Thunderbolt 3 zusammen.

Quelle: Intel

Etwas verwirrend kann es werden, wenn Begriffe wie "USB-C" und "Thunderbolt 3" miteinander vermischt werden, denn sie bedeuten nicht dasselbe. USB-C ist die Bezeichnung für den Stecker bzw. den Anschluss in einem Gerät. Über diesen können jedoch verschiedene Protokolle und Datentypen übertragen werden: Das Thunderbolt 3-Protokoll bündelt die Übertragung von Video- und Audiosignalen, sowie Strom und Daten und stellt vier PCI Express-Lanes (Gen 3) zur Verfügung.

Und um nochmal das Thema Platzbedarf aufzugreifen, bei Thunderbolt 3 muss man auch dem Thema Kabellänge Beachtung schenken. Ein längeres Kabel macht das Aufstellen unter Umständen flexibler, dabei kommt es aber auch darauf an, wo am Gehäuse der eGPU die Thunderbolt 3-Schnittstelle untergebracht ist.

Bei Thunderbolt 3 ist es so, dass bei Kabeln die länger als 50 cm sind, die Übertragungsrate auf die Hälfte, also auf 20 GB/s zusammenschrumpft. Vermeiden kann man dies, wenn man aktive Kabel verwendet, diese versprechen 40 GB/s bis auf eine Länge von zwei Metern. Bei aktiven Kabeln kann es dann aber wiederum sein, dass USB nur nach den 2.0-Spezifikationen übertragen wird.

Wie bereits erwähnt, verfügt die eGPU von Blackmagic über zwei Thunderbolt 3-Schnittstellen. Eine ist für die Verbindung zum Notebook gedacht, die andere bietet sich für eine so genannte "Daisy Chain"-Verkabelung an. Dabei wird das Signal von einem Monitor zum nächsten weitergeleitet, es setzt aber voraus, dass die Monitore über die entsprechenden USB-C-Schnittstellen (Ein- und Ausgang) verfügen. Über eine Daisy Chain lassen sich auch andere Geräte wie beispielsweise externe Laufwerke anschliessen, insgesamt sind bis zu sechs Geräte in einer Kette möglich.

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