Zeitmesser und ihre Geschichte

Gerätetypen und Erwartungshaltung

Von Hitzestau - 27.01.2016

Teil einer Serie

Inhaltsverzeichnis

"Wie smart soll mein Handgelenk sein?" war unsere zentrale Frage, als wir unsere ersten Smartwatch-Erfahrungen mit der Samsung Galaxy Gear gemacht haben.

Seitdem sind über zwei Jahre vergangen und der Markt mit Geräten fürs Handgelenk ist förmlich explodiert. Die Idee, Uhren mit zusätzlichen Funktionen auszustatten geht technologisch bis in die 1980er-Jahre zurück. In unserem historischen Rückblick haben wir die realen und fiktiven Vorbilder der heutigen Smartwatches und Fitness-Armbänder vorgestellt.

In diesem zweiteiligen Beitrag möchten wir zuerst ein paar grundsätzliche und produktübergreifende Überlegungen zusammenfassen, bevor wir im Blog auf einzelne Smartwatches eingehen. Dies soll kein Einkaufsguide in Bezug auf die aktuell verfügbaren Modelle sein, sondern eine grundsätzliche Orientierung für alle bieten, die mit einer Anschaffung einer Smartwatch und oder eines Fitness-Armbands liebäugeln oder sich für das Thema interessieren.

Im ersten Teil wollen wir ein paar grundlegende Begriffe erklären. Im zweiten Teil geht es dann um Fragen der Funktionalität, Alltagstauglichkeit und der Sicherheit sowie unser Fazit.

Begrifflichkeiten

Aus Sicht der Produktekategorie befinden wir uns hier im Bereich der so genannten "Wearables" für die es im Deutsch keinen passenden Begriff gibt. Neben Uhren, Fitnessarmbändern, VR-Brillen, Kopfhörern gehören auch Kleidungsstücke dazu – oder einfacher gesagt, alles was man am Körper tragen kann und sich mit computerähnlichen Funktionen ausstatten und mit anderen Geräten vernetzen lässt.

Wir setzen uns hier in den folgenden Artikeln mit Geräten fürs Handgelenk auseinander. Und da gibt es nicht nur eine riesige Menge an Modellen, sondern auch ein ziemliches Wirrwarr, was die Begriffe angeht. Bezeichnungen wie Smartwatch, Fitness-Armband, Fitness-Tracker oder Connected Watch sind nicht eindeutig definiert. Und nicht alle auf dem Markt befindlichen Modelle lassen sich eindeutig einem Typ zuordnen.

Wir wollen im Folgenden versuchen, etwas Ordnung in das Durcheinander der Begriffe zu bringen.

Smartwatch

Smartwatches sind Armbanduhren, welche über eine computerähnliche Funktionalität verfügen und sich drahtlos mit anderen Geräten verbinden können. Sie können ausser der Uhrzeit weitere Informationen darstellen und lassen sich über zusätzliche Apps vom Anwender individuell mit weiteren Funktionen ausrüsten. Smartwatches verfügen über kein fixes analoges Zifferblatt oder Digitalanzeige, sondern ähnlich wie bei einem Smartphone besteht die gesamte Oberseite aus einem Display, welches Zifferblätter und alle anderen Informationen anzeigt.

Mittels eingebauter Aktuatoren ist eine Smartwatch in der Lage zu vibrieren und so dem Träger ein haptisches Feedback zu geben oder ihn auf eine Benachrichtigung aufmerksam zu machen. Sensoren messen und speichern laufend verschiedene Körperwerte des Trägers. Je nach Modell und Hersteller findet man unterschiedliche Sensoren in den Modellen. Aktuell üblich sind Sensoren zur Messung der Herzfrequenz (Pulsmesser), sowie ein Beschleunigungsmesser und ein Gyroscope (Lagesensor).

Ähnlich wie man es von den Smartphones her kennt, arbeiten Smartwatches mit einem eigenen Betriebssystem. Smartwatches werden in der Regel mit einem Smartphone gekoppelt. Wir werden im zweiten Teil näher darauf eingehen.

  • Vielseitige Funktionen dank Betriebssystem und Apps
  • Display für Anzeige aller Informationen
  • Touch-Display, Lünette und Knöpfe zur Bedienung
  • Sensoren zur Messung von Körper-Aktivitäten
  • Kopplung mit einem Smartphone

Die Form der Gehäuse orientiert sich an den klassischen Armbanduhren. Die iWatch von Apple setzt auf ein viereckiges Design:

Quelle: Apple

Die Moto 360 von Motorola präsentiert sich mit einem klassisch runden Uhrengehäuse:

Quelle: Motorola

Fitness-Armband

Die Grenzen zwischen Smartwatch und Fitness-Armband sind fliessend. Bezeichnungen wie Fitness-Tracker oder Activity-Tracker sind ebenfalls gebräuchlich. Es gibt Armbänder, welche die Zeit anzeigen oder Benachrichtigungen von einem Smartphone erhalten können. Generell kann man sagen, dass ein Fitness-Tracker ein Gerät ist, das die Bewegungen des Users anhand eingebauter Sensoren wahrnimmt und aufzeichnet. Mit einem Fitness-Tracker lassen sich z.B. Aktivitäts- und Schlafphasen aufzeichnen, Schritte zählen, die Pulsfrequenz messen oder GPS-Daten einer Joggingstrecke speichern. Die gespeicherten Daten der meisten Modelle lassen sich auf den Computer oder in eine Smartphone-App übertragen, wo weitere Anzeige- und Auswertungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Fitness-Armbänder haben meistens einen vordefinierten Funktionsumfang. Die Möglichkeit, neue Apps auf dem Gerät zu installieren ist etwas, was aktuell den Smartwatches vorbehalten ist. Auf dem Smartphone, mit dem das Armband verbunden ist, lassen sich jedoch verschiedene Apps zur Auswertung installieren.

  • Sensoren zur Messung von Körper-Aktivitäten
  • Kopplung mit einem Smartphone
  • Keine Installation von Apps möglich

Vom Design her ähneln viele einem Armband, es gibt aber auch Geräte, die eher wie eine Uhr aussehen.

Microsoft Band.
Quelle: Microsoft
FitBit Blaze. Quelle: FitBit

Connected Watch

Für Uhren, welche zwar über eingebaute Sensoren verfügen, aber dennoch ein traditionelles Zifferblatt und Zeiger haben, wird oft der Begriff "Connected Watch" verwendet. Je nach Hersteller können sie Display-Elemente im Zifferblatt integriert haben. Auch sie sind mit einem Smartphone verbunden, welches benutzt wird, um zusätzliche Informationen anzuzeigen. Auch eine Connected Watch kann Benachrichtigungen, die vom Smartphone gesendet werden, empfangen. Connected Watches sehen äusserlich wie eine traditionelle Uhr aus, sie sind die Antwort der etablierten Uhrenmarken auf das Thema Smartwatch.

  • Analoges Zifferblatt wie bei einer klassischen Uhr
  • Sensoren zur Messung von Körper-Aktivitäten
  • Kopplung mit einem Smartphone
Breitling Exospace B55. Quelle: Breitling

Was bedeutet "smart" in diesem Zusammenhang?

Das Wort "smart" taucht in immer mehr technologischen Begriffen auf. Zuerst wurde das Telefon smart – das Smartphone kennt heute jeder und fasst alle haben eins. Es gibt verschiedene Begriffe, in denen das Wort "smart" ebenfalls verwendet wird. Neben Smartwatch und Smartphone, redet man unter anderem auch vom Smarthome.

Das englische Wort "smart" bedeutet im Deutsche "klug". Ist eine Smartwatch also eine "kluge Uhr"? – Nicht wenn es nach dem Duden geht, denn dort steht klug für so viel wie "intelligent" oder "mit logischem Denkvermögen begabt". Niemand würde aber soweit gehen und einer Uhr Intelligenz oder Logik zuschreiben. Der Begriff "smart" steht im Zusammenhang mit Technologie für eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften:

  • computerähnliche Funktionalität
  • Display für Anzeige und Bedienung
  • Erweiterbarkeit mit Apps
  • Vernetzung mit anderen Geräten
  • eingebaute Sensoren zur Erfassung von Messdaten
  • Auswertung anhand von Algorithmen

An Sensoren und die Auswertung durch ausgeklügelte Algorithmen werden hohe Anforderungen gestellt, damit die Geräte einen echten Mehrwert bieten können. Sie müssen beispielsweise zuverlässig erkennen, was der Träger gerade tut und unterscheiden können, ob er schläft oder nur in Ruhe ein Buch liest oder ob er joggt oder Fahrrad fährt.

Das Wort "watch" steht im Englischen für Uhr, aber auch für Wache. Wenn man die ganzen Sensoren in den Uhren bedenkt und die Daten, die damit erhoben werden, passt die Doppelbedeutung ganz gut.

Markt in Bewegung

Der Kampf ums Handgelenk ist im vollen Gange, wie die verschiedenen Messen zeigen, an denen jeweils neue Produkte vorgestellt werden.

Ausgestellte Smartwaches an der CES 2016. Quelle: cesweb.org

In den Markt mit Smartwatches und Fitness-Armbändern drängen Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Richtungen: Dazu gehören so gut wie alle grossen Tech-Firmen, die auch Smartphones im Angebot haben. Aber auch die traditionellen Uhrenhersteller wie der Schweizer Hersteller Swatch mit der Touch Zero One sind auf den Trend aufgesprungen. Und auch bei den so genannten Luxus-Uhren halten Sensoren und Apps Einzug: Von Breitling gibt es die B55 Connected, bei Frédérique Constant die "Horologial Smartwatch". Pioniere wie Pebbles sind als Start-Up in den Markt eingestiegen und haben dazu beitragen den Smartwatches den Weg zu ebnen. FitBit wurde 2007 als Hersteller von Fitness-Armbändern gegründet. Und das Schweizer Unternehmen Garmin begann als Produzent von GPS-Geräten und verfügt heute über eine breite Palette an Wearables für Sport und Outdoor.

Für den Wearables-Markt im gesamten werden Wachstumszahlen vorausgesagt, wie sie die Industrie für den Smartphone- oder Tabletmarkt schmerzlich vermisst. Auch werden weitere Gerätetypen auf den Markt kommen. Smartwatches werden laut Analysten auch weiterhin zu den beliebtesten Wearables gehören. Eine der entschiedensten zukünftigen Entwicklungen bei den Smartwatches wird die Fähigkeit sein, unabhängig von einem Smartphone eine Netzverbindung aufzubauen. Ähnlich wie bei den Smartphones wird auch bei den Smartwatches die Verfügbarkeit und Vielfalt von Apps von Seiten Dritthersteller über Erfolg und Akzeptanz der konkurrenzierenden Plattformen mitentscheiden.

Erwartungshaltung

Während Fitness-Armbänder vom Zweck her klar definiert sind, ist die Erwartungshaltung der potentiellen Käufer bei den Smartwatches einiges vielschichtiger. Laut einer Umfrage von Bitkom Research werden an eine Smartwatch die unterschiedlichsten Erwartungen geknüpft. Wir haben hier die wichtigsten zusammengefasst.

  • Eingehende Nachrichten (E-Mails, SMS, WhatsApp, Facebook) lesen (68 %)
  • Informationen von Fitness-Apps angezeigt bekommen (55%)
  • Als Navigationsgerät benutzen (21 %)
  • Als "Fernsteuerung" beim Musikhören via Smartphone (19%)

Im Fazit des zweiten Teils werden wir nochmals drauf zurückkommen und schauen, wie Smartwatches unserer Meinung nach die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen.

Ausblick

Im zweiten Teil setzen wir uns mit Fragen der Alltagstauglichkeit und der Sicherheit auseinander.