Windows 10 und der anhaltende Shitstorm

Von Hitzestau - 29.01.2016

Inhaltsverzeichnis

Rund um Windows 10 will einfach keine Ruhe einkehren. Die Lancierung des aktuellen Betriebssystems von Microsoft ist schon eine Weile her – trotzdem provoziert jede Newsmeldung beissreflex-artig wieder neue kontroverse Diskussionen und Kommentare, wie nur schon ein Blick auf die gängigen Newsseiten und deren Kommentarfunktion zeigt.

Was da passiert, kann man nur als einen Shitstorm bezeichnen, der nicht aufhören will. Eine ablehnende Haltung ist schnell zum Ausdruck gebracht, aber uns hat interessiert, was auf einer tieferen Ebene dahintersteckt. Also haben wir uns auf die Suche nach den Gründen gemacht.

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In den vorangegangenen zwei Beiträgen in unserer Serie zu Windows 10 haben wir uns ja mit der Touch- und Tablet-Tauglichkeit beschäftigt. Dieser Artikel sollte eigentlich die wichtigsten Punkte der anhaltenden Kritik zusammenfassen. Doch bei unseren Diskussionen haben wir festgestellt, dass es um mehr geht als nur "Windows spioniert die User aus" oder ähnliche Schlagzeilen. Wir haben versucht, uns durch eine Masse von Artikeln, Posts und Kommentaren durchzugraben und sozusagen den Kern herauszukristallisieren – nämlich offen zu legen, wodurch der Shitstorm ausgelöst wurde und was ihn am Leben erhält. Es handelt sich dabei um eine vielschichtige Thematik und viele Zusammenhänge sind uns erst beim Schreiben dieses Artikels wirklich klargeworden. So ist schlussendlich ein ganz anderer Text entstanden, als ursprünglich mal angedacht.

Wir haben fünf Gründe für den Shitstorm ausgemacht, auf die wir im Folgenden näher eingehen wollen.

  • Paradigmenwechsel in der Softwarebranche
  • Diskussion um Überwachung und Sicherheit im Internet
  • Bandbreiten- und Trafficbeschränkungen der Internetzugangs-Provider
  • Art der Medienberichterstattung
  • Reaktionen der Anwender und Kommentatoren

Paradigmenwechsel in der Softwarebranche

In der Softwarebranche sind seit ein paar Jahren Veränderungen im Gange. Diese betreffen natürlich alle Grosskonzerne und nicht nur Microsoft. Daher wollen wir uns zuerst anschauen, worin diese Veränderungen im Allgemeinen bestehen, bevor wir uns damit beschäftigen, wie sich diese auf Windows 10 auswirken oder welche Rolle Microsoft selber spielt.

Worin besteht der Wechsel?

Ein Paradigma ist eine grundsätzliche Denkweise oder Überzeugung, die von Vielen anerkannt oder geteilt wird. Jahrelang galt der Grundsatz "mein Computer, meine Programme, meine Daten". Heute sind die Daten überall – also in der Cloud oder werden bei Bedarf aufs Gerät gestreamt. Und die Anzahl der Geräte mit denen man im Internet surfen, Mails schreiben oder Fotos anschauen kann, ist regelrecht explodiert. Software ist nicht mehr einfach ein Programm, das auf einem Gerät installiert ist. Heute wird Software als Dienstleistung verstanden. "Software as a Service" umfasst neben der Nutzung einzelner Programme auch die Vernetzung mit Diensten wie Speichern von Dateien oder Profil-Daten in der Cloud oder den Zugriff auf komplexe IT-Infrastrukturen, wie sie vor allem von Unternehmen benötigt werden.

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Dazu gehören auch Veränderungen wie wir als Anwender Software erwerben und nutzen. Immer mehr Anbieter bieten ihre Software nur noch als Download an und verknüpfen diese mit zusätzlichen Diensten. Als Anwender bezahlt man eine monatliche oder jährliche Nutzungsgebühr und hat dabei immer die aktuellste Version zur Verfügung. Dieses neue Vertriebsmodell ist eng verbunden mit einem Strategiewechsel was neue grosse Versionen einer Software betrifft. Die Software-Anbieter verabschieden sich immer mehr von einer Politik der grossen Versions-Updates, für die man als bestehender Kunde erneut bezahlen muss. Der Trend geht zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Software, welche im Abo-Modell über eine laufende Nutzungsgebühr abgegolten wird.

Aber auch die Art und Weise wie wir Geräte nutzen oder unsere Daten bearbeiten, verändert sich. Satya Nadella, der CEO von Microsoft, hat dies im Herbst 2015 an einer Keynote sehr gut auf den Punkt gebracht:

As devices come and go – you persist... The journey of personal computing has taught us this simple lesson: no single device will be the hub of activity forever. The hub is you.
Satya Nadella, CEO Microsoft

Nadella hat damit völlig recht. Leute kaufen sich abhängig von ihren Bedürfnissen ein neues Smartphone, ersetzen den PC mit einem Notebook oder Tablet oder schalten den "alten Rechner" nur noch gelegentlich ein. Die Konstante dabei ist immer der Mensch selber mit seinen persönlichen Daten – unabhängig davon, welches Gerät er gerade benutzt.

Die Diversifizierung der Hardware ist ebenfalls Teil des Paradigmenwechsels. Klar ist beispielsweise, dass der klassische PC-Markt rückläufig ist, während andere Gerätetypen zugelegt haben. Waren noch vor wenigen Jahren der Desktop-Rechner oder allenfalls ein Notebook der einzige Zugang zum Internet, sind es heute eine Vielzahl von Geräten. Im Fokus vieler Anwender stehen heute Geräte, die einfach zu bedienen sind und fixfertig eingerichtet aus der Verpackung genommen werden können.

Paradigmenwechsel in Bezug auf Windows 10

Mit dem Paradigmenwechsel und der von Satya Nadella angesprochenen veränderten Art und Weise, wie wir Geräte nutzen oder unsere Daten bearbeiten, hat sich für Windows als klassisches Desktop-OS das Umfeld stark verändert. Betriebssysteme für mobile Geräte wie iOS von Apple und Android von Google – und nicht zu vergessen die Spiele-Branche – haben den Weg für den oben beschriebenen Paradigmenwechsel geebnet. Vorgegebene Vertriebskanäle für Apps, Speicherung von Daten in der Cloud und Anbindung an Services des Herstellers des Betriebssystems sind heute etablierte Konzepte, wenn wir mit Smartphones und Tablets hantieren.

Mehr Druck spürt Microsoft aber auch von Seiten der Software-Entwickler. Mit ihren eigenen Innovationen tragen sie massgeblich zum Erfolg einer Plattform bei. Und sie müssen sich immer wieder Fragen, für welches Ökosystem sie entwickeln wollen – heute ist es nicht mehr automatisch der Windows Desktop.

Auf Grund dieser Entwicklungen und dem Bedürfnis der User nach einfach zu bedienenden Geräten war Microsoft mit Windows 10 gezwungen, neue Wege zu gehen, um schlicht den Anschluss nicht zu verlieren. Jahrelang lautete ein Vorwurf an Microsoft nicht innovativ zu sein – mit Windows 10 geht der Konzern innovative neue Wege. Windows 10 soll eine Plattform sein, welche auf die spezifischen Geräte-Eigenschaften vom Desktop-Rechner bis hin zum Smartphone eingeht. Sogar die Spielkonsole Xbox One und Internet-of-Things-taugliche Geräte sind Teil des Windows 10-Universums geworden.

Das Betriebssystem wird "smart", es verfügt beispielsweise über die Sprachassistentin Cortana, die man von den Smartphones schon länger kennt. Und auch in der Hardware geht Microsoft innovative Wege: Das Surface war 2012 der erste komplette PC von Microsoft. Die für Windows 10 konzipierte Hardware wie beispielsweise das Surface Book oder die neuen Lumia 950 / 950 XL-Geräte führen die Reihe von Microsoft-Geräten weiter. Unter Windows 10 verschwimmen auch die Grenzen zwischen den verschiedenen Geräte-Kategorien: Die Funktion "Continuum" erlaubt es, einen externen Monitor sowie Maus und Tastatur an ein Smartphone anzuschliessen und daran wie an einem Desktop-Arbeitsplatz zu arbeiten.

Neben dem Betriebssystem Windows 10 ist Office 365 ein gutes Beispiel, wie man Anwendungssoftware als Dienstleistung bereitstellen kann. Neben den bekannten Office-Anwendungen als Desktop- und Universal-App Variante stehen je nach gewähltem Abo-Modell Online-Speicher, Sharepoint-Dienste oder sogar ein Exchange-Server zur Verfügung. Zudem ist es auch möglich, projektbezogen und zeitlich begrenzt Applikationen wie Visio oder Project zu nutzen.

Überwachung und Sicherheit im Internet

Der Paradigmenwechsel steht auch für eine Vernetzung von Daten und Geräten, die via Internet in einem permanenten Austausch miteinander stehen. Dabei ist es natürlich für die Akzeptanz durch die breite Masse von Anwendern – von der Privatperson bis hin zum Unternehmen – natürlich alles andere als förderlich, wenn das Internet sozusagen als "unsicherer Ort" wahrgenommen wird. Unterm Strich geht es um zwei Fragen: Wie sicher sind meine Daten? Und wer darf unter welchen Umständen darauf zugreifen? – Denn dass viele darauf zugreifen wollen, ist klar.

Gefahr durch Hacker

Berichte über Hackerangriffe auf Portale und Online-Dienste, bei denen grosse Mengen persönlicher Daten von dort angemeldeten Usern gestohlen werden, liest man jede Woche in den Medien. Potentiell betroffen sein kann eigentlich jeder von uns, denn ohne sich anzumelden oder einen User-Account einzurichten lässt sich heute kaum mehr ein Schritt in der digitalen Welt tun. Das gilt für die Nutzung von reinen Dienstleistungen wie auch für die Benutzung von Geräten, da diese immer stärker mit Services vernetzt sind, welche wiederum einen User-Account voraussetzen. Weil an immer mehr Orten und bei immer mehr Dienstleistern unsere persönlichen Daten gespeichert sind, erhöht sich damit auch unsere potentielle Verwundbarkeit, wenn Daten in die falschen Hände geraten. Bei einem Datendiebstahl ist die Besorgnis der Kunden ist auf jeden Fall immer gross, denn mit persönlichen Daten lässt sich mit krimineller Energie viel Missbrauch betreiben.

Staatliche Überwachung

Hacker sind meistens getrieben von krimineller Energie mit dem Ziel finanziellen Profit zu machen oder sie sind durch eine bestimmte Ideologie oder Überzeugungen motiviert. Mit zum Teil ähnlichen Methoden, wenn auch mit einer ganz anderen Intention, ist es aber auch der Staat selber, der gerne mehr Zugriff auf die Daten seiner Bürger hätte. Die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden haben gezeigt, wie tiefgreifend Massenüberwachung der gesamten Online-Kommunikation heute durchgeführt wird.

Staaten nehmen sich aber auch auf dem gesetzgeberischen Weg immer stärkere Rechte heraus, um auf Daten zuzugreifen. So gibt etwa der amerikanische Patriot Act den Behörden weiträumige Rechte auf Daten und Server zuzugreifen. Gerade für Unternehmen, welche die gesetzlichen Bestimmungen ihres jeweiligen Landes einhalten müssen, ist dies ein Thema. Die Speicherung von Meta-Daten aus der Telekommunikation – in Deutschland unter dem Stichwort "Vorratsdatenspeicherung" bekannt – ist ebenfalls ein Ausdruck von einem generellen Misstrauen des Staates gegenüber der eigenen Bevölkerung.

Auf internationaler Ebene stehen aktuell zwei Punkte auf der Agenda: Im vergangenen Oktober hatte der Europäische Gerichtshof das so genannte Safe-Harbor-Abkommen zwischen der EU und den USA für ungültig erklärt. Es regelte den Austausch personenbezogener Daten zwischen Europa und Amerika und zwar in Übereinstimmung mit den europäischen Datenschutzrichtlinien. Eine neue Regelung steht nach wie vor aus. Der zweite Punkt sind die Rechte, welche die US-Behörden für sich im Ausland beanspruchen. Demnach müsste ein US-amerikanisches Unternehmen Zugriff auf Kundendaten – zum Beispiel gespeicherte E-Mails auf einem Mailserver – gewähren, auch wenn der Server im Ausland steht. Auch hierzu wird noch ein abschliessendes Urteil erwartet. Für alle US-Unternehmen, die im Ausland Dienste anbieten, steht das Vertrauen ihrer Kunden auf dem Spiel und somit auch ihr Geschäftsmodell.

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Der politische Überwachungswahn, der aktuell grassiert, zeigt aber auch tiefe Gräben zwischen Gesellschaft, Politik und den Unternehmen. Wenn die Polizei nach einer Demonstration auf Handyortung setzt, um Teilnehmer zu identifizieren ist das scheinbar in Ordnung, andererseits schreien Datenschützer schon auf, wenn eine IP-Adresse in die USA übermittelt wird. Für die Unternehmen, denen wir als Anwender immer mehr Daten anvertrauen, damit sie beispielweise auf allen unseren Geräten immer synchronisiert vorhanden sind, steht ebenfalls viel auf dem Spiel. Sie haben viel Geld in den Aufbau ihrer Ökosysteme investiert, und diese funktionieren nur, wenn sie Vertraulichkeit und Datensicherheit garantieren können. Gesetze, welche den Einbau von "Hintertüren" vorschreiben, sind für Unternehmen und Anwender gleichermassen eine Bedrohung. Und man darf nicht vergessen, dass solche Hintertüren auch von Kriminellen entdeckt und missbraucht werden können. Dies wird früher auch später auch geschehen, was soviel heisst wie, dass die "Hintertüren" sich dann erst recht gegen die Interessen der Anwender stellen.

Versagen der Politik

Es ist die Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens zu setzen. In Bezug auf das Thema unseres Artikels heisst das unter anderem: Sie muss einerseits Reglungen für die Verfolgung von Straftaten aufstellen und andererseits Vorschriften erlassen, welche den Umgang mit Kundendaten durch private Unternehmen betreffen.

Zentrale Drehscheibe dafür ist der Datenschutz. Und hierbei offenbart sich ein Konflikt, in dem Politik und Gesetzgeber stecken, der bis heute ungelöst ist. Ohne jetzt zu sehr auf die Tagespolitik in einzelnen Ländern einzugehen, kann man generell sagen: Der Staat nimmt sich selber immer mehr Rechte heraus, die er Privaten versagt, wenn es um den Datenschutz geht. Dieser auch via Medien ausgetragenen Konflikt führt schlussendlich bei uns allen – vom einfachen Smartphone-User bis hin zum Unternehmer, der einen der neuen Dienste nutzen will – zu einer tiefen Verunsicherung: Sind meine Daten und der Anbieter sicher? Was machen die Behörden mit den über mich gespeicherten Daten? Halte ich alle gesetzlichen Bestimmungen ein oder mache ich mich als Unternehmer oder Privatperson juristisch angreifbar?

Zum Versagen der Politik gehört auch, dass sie den technischen Entwicklungen in der Welt der digitalen Kommunikation massiv hinterherhinkt. Digitale Kommunikation wird in Verbindung mit den daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen primär als Bedrohung wahrgenommen. Anders lassen sich vor allem im deutschen Sprachraum die aktuellen Debatten um den Datenschutz, aber auch ums Urheberrecht nicht erklären. Hier wird Urheberrecht primär als ein Instrument verstanden, um die Interessen von Lobbygruppen durchzusetzen und auf alle digitalen Aktivitäten der Anwender Gebühren zu erheben. Da muss man sich auch nicht wundern, dass alle grossen Tech-Konzerne die auch bei uns in Europa den Markt dominieren, aus den USA oder Asien stammen. Gegensätzliche Gerichtsurteile oder geplante Gesetze zu Fragen von Datenschutz und Urheberrecht schaffen nicht nur für Unternehmen, sondern auch für den Privatanwender ein Gefühl von Unsicherheit, was man im Internet jetzt genau tut darf oder welche Konsequenzen es haben kann. Digitale Kommunikation spielt sich global ab nimmt keine Rücksicht auf nationale Grenzen. Globalisierung ist zwar ein Lieblingswort der Politik, die Konzepte von Datenschutz und Urheberrecht sind aber immer noch sehr stark national verankert. Auch hier hat es die Politik bisher verpasst, Rahmenbedingungen aufzustellen, welche es Anwendern und Anbietern gleichermassen erlauben sich zu entfalten.

Die Folge davon sind nicht nur immer länger werdende EULA-Verträge und Allgemeine Geschäftsbedingungen, mit denen sich Dienstleistungsanbieter versuchen abzusichern, da die juristische Lage so unübersichtlich ist. Die endlose Debatte und Regulierungswut sind auch Hemmer von Innovation und Fortschritt. Software ist eigentlich dazu da, uns alltägliche Dinge zu erleichtern. Aber wie wollen Programmierer oder Anbieter von SaaS-Diensten dieses Ziel noch umsetzen oder wie wollen kleine und innovative Unternehmen Erfolg haben, wenn sie bald über juristische Fragen besser Bescheid wissen müssen als über ihr eigentliches Fachgebiet? Es sind die Grossunternehmen, die der Politik voraus sind und mit ihrem Auftreten und ihren Diensten am Markt Tatsachen schaffen.

Bandbreiten- und Trafficbeschränkungen

Eine gute Internetanbindung ist Grundvoraussetzung um dabei zu sein. Auch Internetzugangsprovider tragen eine Mitverantwortung für die kritische Haltung gegenüber der neuen Welt der Softwarebranche, in dem sie Internetzugänge drosselt, wo doch gerade mit Cloud und Streaming ein ungehinderter Datenaustausch so wichtig wäre.

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Technisch gesehen ist bei den heutigen Internetzugängen vor allem der Upload der Flaschenhals, Zugänge mit grossem Download-Volumen werden ja von allen Providern angeboten und für reine Software-Downloads und Updates ist das auch gut so. Für mehr Interaktion zwischen PC und onlinebasierten Services ist aber wichtig, dass die Leitung in beide Richtungen gute Kapazitäten aufweist. Ein grosses Problem ist sicher nach wie vor, dass die Infrastruktur nicht überall gleich gut ausgebaut ist. Das gilt vor allem für ländlichere Gebiete, die drohen den Anschluss zu verlieren. In der Vergangenheit hat man dem Upload nicht einen so grossen Stellenwert zugemessen und die Infrastrukturen dementsprechend geplant und gebaut. Heute wird dies vermehrt zu einer Hypothek.

Auch die Politik hat sich beim Thema Bandbreite nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Das fängt schon beim Verständnis des Begriffs selber an: Gemäss dem Schweizer Fernmeldegesetz vom Januar 2015 muss ein solcher Anschluss in der so genannten Grundversorgung mindestens eine Übertragungsrate von 2000/200 kbit/s bieten, was für eine technisch einwandfreie Vernetzung mit Online-Diensten auf keinen Fall ausreichend ist. Flüssiges Video-Streaming dürfte hiermit problematisch sein, und der geringe Upload wird allein schon durch die technisch bedingte Kommunikation im Hintergrund komplett ausgefüllt. Und es ist auch nicht sinnvoll, solche Zahlen in einem Gesetz zu verankern, wo sie auf Jahre hinaus festgeschrieben sind. Die technische Entwicklung schreitet jedoch laufend voran.

Art der Medienberichterstattung

Schon vor seiner offiziellen Lancierung hat Windows 10 für viel Wirbel in Medien und Diskussionsforen gesorgt. Dank dem Windows Insider Programm war schon viel über das neue Betriebssystem bekannt geworden, wie noch bei keinem anderen Windows zuvor.

Als Konzern steht Microsoft "gefühlt" schon seit Ewigkeiten in der Kritik, da geht es ihnen nicht anders als vielen anderen Grossunternehmen. Auf Microsoft oder Windows medial einzuprügeln hat schon eine lange Tradition, die Einführung neuer Betriebssysteme war eigentlich immer mit Störgeräuschen begleitet.

Aber im Zusammenhang mit Windows 10 hat dies eine neue Dimension erreicht. Anstatt den Leser Zusammenhänge zu erklären, beschränken sich die Medien lieber auf das Windows-Bashing. Dabei wäre es die Aufgabe der Medien, sich mit den zu Grunde liegenden Veränderungen in der Softwarebranche auseinanderzusetzen. Aber es ist halt einfacher und kurzfristig gesehen profitabler, mit knackigen Schlagzeilen Klickraten zu haschen. So gab es konkrete Aufrufe, gewisse Einstellungen in Windows 10 zu deaktivieren und es wurden sogar Tools angeboten, um das Senden von Informationen an Microsoft zu unterbinden.

Screenshot. Quelle: tagesanzeiger.ch
Screenshot. Quelle: ktipp.ch

Reaktion der User

Medienberichterstattung und Kommentare von Anwendern oder (Nicht-)Anwendern stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Sie befeuern sich gegenseitig, populäre Themen und Fragestellungen aus Kommentaren werden von Journalisten gerne wieder für einen nächsten Artikel aufgegriffen. Mit den Kommentarfunktionen der Newsseiten, aber auch mit Foren und sozialen Netzwerken steht eine breite Palette an Möglichkeiten für jedermann zur Verfügung, sich gegenüber einem breiten Publikum zu äussern. Und mit Microsoft und Windows ist es so wie beim Fussball: Jeder ist Experte und nimmt sich das Recht, die rote Karte zu zeigen.

Auch wenn der Meinungsforscher Brandwatch mit einer Stimmungsanalyse festgestellt hat, dass in der ersten Woche nach dem Start die meisten online veröffentlichen Meinungen zu Windows 10 positiv waren, darf man die Reichweite oder Wirkung von negativen Äusserungen auf Andere Leser nicht unterschätzen. Die meisten Online-User lesen Kommentare nur und behalten ihre eigene Meinung für sich.

Anzahl negative vs. positive Äusserungen zu Windows 10. Quelle: Brandwatch

Wenn man immer wieder liest, dass etwas schlecht ist, prägen sich diese Informationen auch ins Gedächtnis ein und beeinflussen die eigene Meinungsbildung. Unterdessen sind wir schon so weit, dass eigentlich jede neue Meldung zum Thema Microsoft oder Windows 10 als Aufhänger für negative Kommentare genutzt wird. Positive Wortmeldungen werden durch die ausgesprägte Streitkultur im Netz schnell "niedergetrampelt".

Beharren auf Bewährtem

Da wir die genaue Methodik der Analyse von Brandwatch nicht kennen, lohnt es sich auch anderes Zahlenmaterial anzuschauen. Da es hier um nichts geringeres als die Einführung eines neuen Betriebssystems geht, ist die Frage wie viele Anwender es denn aktiv in Benutzung haben oder noch eine der alten Versionen benutzen, eine sehr relevante Information. Anfangs Jahr verkündete Microsoft, Windows 10 laufe unterdessen weltweit auf 200 Millionen Geräten.

Wie auch immer man die Stimmungsanalyse oder die 200 Millionen Geräte genau interpretieren will, man kann nicht wegdiskutieren, dass viele Windows-Anwender zögerlich sind ihr System upzudaten. Viele wollen lieber bei Windows 7 bleiben, auch wenn für den Vor-Vorgänger von Windows 10 nur noch der Extended Support von Microsoft gilt: Bis 2020 werden nur noch Sicherheitsupdates für Windows 7 veröffentlicht. Der Support für Windows XP wurde bereits im April 2014 eingestellt. Schaut man sich die aktuellen Marktanteile der verschiedenen Betriebssysteme an, sind die Grössenverhältnisse sehr klar verteilt.

Quelle: netmarketshare.com

Windows 7 beherrscht mit rund 56 % immer noch klar die Menge der installierten Systeme. Windows 10, von dem zwar alle reden, hat es bisher auf einen Marktanteil von nur gerade knapp 10 % geschafft. Windows 7 droht damit das "neue XP" zu werden, also ein überaltertes Betriebssystem welches von einer breiten Masse von Wechsel-unwilligen Anwendern weiter benutzt wird, bis es gar nicht mehr anders geht. Mangelnde Sicherheit wird hier scheinbar stillschweigend in Kauf genommen, was man allerdings nur als grob fahrlässig betrachten kann.

Die unter dem Begriff Paradigmenwechsel in der Softwarebrache beschriebenen Veränderungen lösen bei Vielen eine Abwehrhaltung aus. Die Kommentarspalten und Foren sind voll davon. Dort liest man Fragen und Aussagen wie "Brauch ich nicht, ging bisher auch ohne" oder "warum soll ich mit Windows 10 Daten an Microsoft übermitteln oder meine Fotos und Dokumente usw dort speichern?"

Von: Lisa A
Quelle: Shutterstock

"Wozu immer die neuste Word-Version haben, meine bisherige reicht völlig aus für das, was ich mache" ist auch eine beliebte Aussage. Hier wird deutlich, dass neben dem Upgrade auf ein neues Betriebssystem auch der Gedanke von "Software as a Service" nicht so leicht zu vermitteln ist. Immer die aktuellste Version einer Software zu haben, erscheint manchen als pure Zwängerei. Ähnliche Diskussionen gab es schon vor ein paar Jahren, als Google und Mozilla bei ihren Browsern Chrome und Firefox die Versionsnummern abschafften. Die Browser aktualisieren sich automatisch im Hintergrund, eine Nummerierung der Versionen war nicht mehr nötig. Es reicht zu wissen, dass die Software auf dem aktuellen Stand ist. Andere stören sich am Bezahlmodell, auch wenn die Abo-Modelle die Kosten eigentlich transparenter und besser kalkulierbar machen. Denn es besteht oft auch die Möglichkeit, eine Applikation auch nur für einen bestimmten Zeitraum zu bezahlen und zu nutzen. Software zu entwickeln und zu unterhalten sowie eine Infrastruktur bereitzustellen, damit die Kunden sie nutzen können, kostet sehr viele Ressourcen. Das ist vielen Leuten nicht bewusst, die weit verbreitete Gratis-Mentalität spielt dabei sicher auch eine Rolle.

Empfehlung von Alternativen

Wer sich nicht vorwärtsbewegen will, macht vielleicht lieber einen Schritt zu Seite. Damit sind wir bei der Frage nach alternativen Betriebssystemen angelangt. Kommentatoren wie auch Medien empfehlen gerne bei jeder beliebigen Windows 10- Newsmeldung Linux als Alternative. Apple und Mac OS X werden zwar auch genannt, aber doch weitaus seltener. Kein Wunder, bietet doch auch Apple mit der Vernetzung seiner Dienste und Geräte untereinander einiges an Angriffsfläche.

Aber Linux ist auch nicht das wundersame Allerheilmittel –sofern man so etwas überhaupt ernsthaft sucht. Denn auch die Linux-Welt hat ihre Herausforderungen: Man muss sich für eine der zahlreichen Linux-Distributionen entscheiden. Dann sind Installation und Betrieb eines Computers mit Linux nicht jedermanns Sache, da doch ein gewisses technisches Wissen und Flair dafür Voraussetzung sind. Denn wie bereits gesagt, die grosse Mehrheit der Anwendern wünscht Geräte, die einfach funktionieren und bei denen man sich nicht mit technischen Belangen auseinandersetzen muss. Zu Linux gibt es zwar grosse Communities im Netz, aber im privaten Umfeld jemanden zu finden, der einem Hilfe anbieten kann, dürfte eher schwierig sein. Als Anwender muss man bereit sein, in mehreren Bereichen Kompromisse einzugehen und auf gewisse Dinge auch zu verzichten. Grosse Programmpakete wie Microsoft Office oder die Creative Cloud von Adobe sind für Linux nicht erhältlich, es stehen nur Alternativen zur Verfügung. Auch im Bereich Treiber-Verfügbarkeit und Hardwareunterstützung gibt es nicht denselben Komfort wie unter Windows. Und wer gerne Computer-Spiele macht, ist mit einer Linux-Distribution ebenfalls im Hintertreffen.

Der Umgang mit User-Daten hat aber auch schon in der Linux-Welt zu reden gegeben. Als Ubuntu die Suche Amazon integrierte und dazu Daten über die eigenen Server an Amazon weiterleitete, war der Aufschrei in der Open Source-Community gross. Aber viel wichtiger ist jedoch, dass ein Umstieg auf Linux als Betriebssystem auch eine Umgewöhnung an andere Bedienungskonzepte erfordert. Wer Linux immer als die beste Lösung preist vergisst, dass nur weil es vielleicht für ihn persönlich eine reelle Alternative sein könnte, dies nicht für alle anderen auch gelten muss.

Konzerne erwarten viel, erklären wenig

Es ist nur menschlich, Dingen die man nicht versteht, erstmal mit Ablehnung zu begegnen. Die Konzerne, welche den Paradigmenwechsel vorantreiben, haben es bisher verpasst, den Anwendern die effektiven Vorteile zu erklären und ihre Vorbehalte zu zerstreuen. Es liegt den Unternehmen wie Microsoft und den anderen grossen Softwareanbietern selber, dass eine gewisse Masse an Leuten so kritisch eingestellt ist. Ihre Erklärungen, was die Vorteile von Cloud, der Vernetzung und SaaS sind, waren bisher ungenügend oder sind beim User nicht wirklich angekommen.Wo der konkrete alltagsrelevante Mehrwert oder Vorteil ist, wird nicht ausreichend oder einleuchtend beantwortet.

An den grossen Keynotes der Hersteller wird der ungebremste Austausch von Daten und die Verfügbarkeit auf allen Geräten als selbstverständlich und als "amazing" vorgeführt – und rein technisch klappt natürlich auch (fast) alles auf Anhieb. Und selbst wenn etwas auf der Bühne nicht sofort funktioniert, hat der gut trainierte Präsentator das Publikum trotzdem auf seiner Seite. Die Realität ist jedoch nicht auf Hochglanz poliert – hier kämpfen wir alle immer wieder mit nicht funktionierenden Diensten, nichtssagenden Fehlermeldungen von einem Server oder der Inkompatibilität verschiedener Dienste und Hersteller.

Aber man muss auch zugeben, dass Microsoft seinen Kunden heute besser zuhört als früher und auch offener geworden ist. Bester Beweis dafür ist das Windows Insider Programm, bei dem registrierte User auf Grund von Beta-Versionen den Entwickler von Microsoft ihr Feedback geben. Das Programm wurde rund zehn Monate vor dem offiziellen Start von Windows 10 lanciert und wird seitdem weitergeführt.

Stolpersteine Datenschutz und Update-Politik

Datenschutz und Update-Politik sind die beiden Themen, an denen sich am meisten Widerstand gegen Windows 10 entzündet hat. Hier entfaltete der Shitstorm seine volle Kraft. Hier kommen wirklich die Diskussionen um Datenschutz, Überwachung, Privatsphäre aber auch die Sorgen um die Sicherheit der persönlichen Daten zusammen. Und bei der Frage der Updates wird auch ein Recht auf Selbstbestimmung gefordert.

Von: solarseven
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Gerade Kommentatoren die besonders laut schreien, gehen immer von ihrer eigenen Position aus und schliessen von sich auf andere. Aber nur weil der Umgang mit persönlichen Daten oder der Update-Mechanismus von Windows 10 aus ihrer Sicht nicht gut gelöst sind, müssen nicht auch alle anderen derselben Meinung sein.

Windows 10-Anwender, Kritiker und auch Microsoft selber sind hier in einem Dilemma gefangen. Als Hersteller möchte Microsoft Innovationen vorantreiben, die aber von einem gewissen Teil der Konsumenten nicht akzeptiert werden, weil sie überzeugt sind, dass es auch ohne geht oder, weil sie die von Microsoft verlangten Daten für das Funktionieren des Dienstes nicht zur Verfügung stellen wollen. Hier offenbart sich für uns ein dysfunktionales Verhältnis zwischen Microsoft und seinen Kunden: Sie nutzen die Produkte von Microsoft und wünschen Weiterentwicklungen: Gleichzeitig üben sie aber auch fundamentale Kritik oder rufen zum Boykott des Betriebssystems oder einzelner Funktion auf. Wer so argumentiert vergisst, dass Programme so konzipiert werden, dass sie eine Vielzahl von Aufgaben erledigen können. Kein einzelner User benutzt alle Funktionen. Aber Computer zu nutzen heisst auch, immer wieder Weiterentwicklungen zu akzeptieren und bereit sein, Neues dazu zu lernen.

Um noch beim Thema Datenschutz zu bleiben: Mobilgeräte haben den Weg für den eingangs beschriebenen Paradigmenwechsel geebnet. Smartphones und Tablets sind permanent online und im Austausch mit Cloud-Diensten. Sprachassistenten wie Siri, Cortana oder Google Now sind Bestandteile des  jeweiligen Betriebssystems. Aber auf dem Desktop-Rechner scheint man all dies nicht zu wollen. Da wird die Privatsphäre höher gewichtet als die Einfachheit von Diensten – und in der Konsequenz bleibt der Desktop-Rechner sozusagen "unsmart". Dabei geht allerdings vergessen, dass Windows 10 kein explizites Desktop-Betriebssystem mehr ist, sondern auf allen Geräten das gleiche Benutzererlebnis bieten will. Dies scheint auch ein Schritt zu sein, den Viele im Kopf noch nicht gemacht haben. Für die Personalisierung von Diensten wie etwa Cortana sind gewisse Angaben erforderlich – und vieles mischt sich mit Paranoia und Horrorvorstellungen, dass jedem einzelnen persönlich nachspioniert werde. Die Telemetriedaten, welche im Hintergrund aufgezeichnet werden, dienen den Entwicklern auch dazu, ihre Software gezielt und anwenderorientiert zu verbessern. Auch dieser Aspekt wird von den Unternehmen meist zu wenig erklärt.

Von einem modernen Betriebssystem darf man auch erwarten, dass es einem das Leben einfacher macht und man sich nicht dauernd mit kryptischen Zwischenfragen herumquälen muss. So ist es auch bei den Mobilgeräten, was sicher ein Grund für deren grossen Popularität ist. Hier sind wir beim Thema Updates angelangt, wo es tatsächlich Windows-Anwender gibt, die für sich beanspruchen, bei jedem Update selber zu entscheiden ob sie es installieren wollen oder nicht. Dies ist ein Luxus, den man von iOS oder Android gar nicht erst kennt. Aber auch verschiedene Anwendersoftware setzt auf das Prinzip, dass man ohne ein Update nicht mehr weiterkommt: Dazu gehören zum Beispiel Online-Spiele oder eine weitere Nutzung eines Dienstes wird abhängig von gemacht von der Installation der aktuellsten Version und der Akzeptierung der angepassten Geschäftsbedingungen.

Aufrufe zur Updateverweigerung, sofern Windows dies denn überhaupt erlaubt, sind kontraproduktiv. Erstens entstehen so Systeme, die software- und sicherheitstechnisch nicht auf dem neusten Stand sind. Und zweitens bringt es schlussendlich nichts, weil die Patches dann bei einem späteren Update mit eingebettet sind und die gesamte Installation auf dem Rechner ersetzt wird.

Klar besteht theoretisch die Möglichkeit, dass ein PC nach einem Update nicht mehr läuft, aber als betroffener Anwender muss man sich dann schon fragen, ob es die Schuld von Microsoft ist oder das eigene Basteln an der Registry des Betriebssystems und Optimierungsversuche mit Tools von Drittanbietern. Auch OEM-Hersteller sollten aufhören, auf ihre Geräte alle Möglichen Modifikationen und Zusatztreiber zu packen, die dann nur schleppend oder gar nicht mehr aktualisiert werden.Denn auch hier liegen viele potentielle Quellen, dass ein Gerät nach einem Windows-Update nicht mehr so funktioniert, wie man es vorher gewohnt war.

Im Auge des Sturms

Soweit mal unsere ausführliche Auslegeordnung... eingestiegen in unsere Suche nach den Gründen für den massiven und anhaltenden Shitstorm gegen Windows 10 waren wir mit mehreren Gründen: Die Grundlage oder die Kulisse bilden der Paradigmenwechsel in der Softwarebranche, die Diskussionen um Überwachung und Sicherheit im Internet sowie Bandbreiten- und Trafficbeschränkungen der Internetzugangs-Provider. Die Art der Medienberichterstattung und die Reaktionen der Kommentatoren und Windows-Anwender befeuern sich gegenseitig und halten den Shitstorm am Leben. Die Frage ist nun: Wie passt das alles zusammen?

Von: Harvepino
Quelle: Shutterstock

Mal abgesehen von den überzeugten und unverbesserlichen Microsoft-Hassern ist deutlich, dass beim ganzen Shitstorm grundsätzlich unterschiedliche Philosophien aufeinanderprallen.

  • Viele Menschen verstehen die laufenden Veränderungen in der Softwarebranche nicht und wie man heute mit den eigenen Daten umgehen kann und soll. Windows 10 pusht jedoch den Anwender ganz klar in Richtung Cloud, Vernetzung, SaaS und Hardware-Unabhängigkeit. Wer mit diesen Konzepten Mühe hat, wird eher eine ablehnende Haltung einnehmen.
  • Wenn es um den Verlust von Kontrolle und Selbstbestimmung geht, wird es schnell emotional. Das Senden von bestimmten Informationen an Microsoft ist für gewisse Services und Personalisierung von Windows 10 notwendig. Zudem geschehen Software-Updates vermehrt automatisiert und ohne grosse Möglichkeiten der Einflussnahem des Anwenders. Manche sehen hier ihr Recht auf Kontrolle über "ihren PC und "ihr Betriebssystem" sich in Luft auflösen. Andere sind froh, ein möglichst einfaches Gerät zu haben, welches die technischen Belange im Hintergrund ohne ihr Zutun erledigt. Schlussendlich ist es eine Aufgabe der IT, die Handhabung von Geräten so einfach wie möglich zu gestalten.
  • Den Medien kommt in der ganzen Sache ebenfalls eine grosse Bedeutung zu. Mit ihrer Art der Berichterstattung bedienen sie die Klientel der Windows-Kritiker und Update-Verweigerer. Auch für technisch weniger Versierte oder Interessierte schaffen sie damit eine negative Grundstimmung, die sich in den Köpfen der Leute droht festzusetzen.
    Die politischen und gesellschaftlichen Debatten um Datenschutz, Massenüberwachung und "Hintertüren für Geheimdienste" tun ihr übriges zu einem negativen Klima, wenn es um technischen Fortschritt geht.

Jeder, der sich als Anwender oder Kommentator in irgendeiner Form negativ zu Windows 10 äussert, wird schlussendlich seine eigenen individuellen Gründe dafür haben. Wir sind sicher auch nicht mit allen Entscheidungen von Microsoft einverstanden. Aber was wir mit diesem Artikel versucht haben ist, Zusammenhänge aufzuzeigen, die über ein einzelnes Feature oder eine spezielle Systemeinstellung hinausgehen. Trotz der Länge des Artikels haben wir bei jedem Thema nur an der Oberfläche gekratzt. Dabei ist auch deutlich geworden, dass Vieles nicht nur mit Microsoft alleine zu tun hat, sondern mit politischen und gesellschaftlichen Debatten und Teil ist von grösseren Umwälzung in der Hard- und Softwarebranche. Allen Shitstorms zum Trotz werden sich diese Geister nicht mehr zurück in die Flasche stecken lassen.

Ausblick

Im nächsten Beitrag unserer Serie zu Windows 10 wollen wir nochmals aufs Betriebssystem selber eingehen und natürlich unser Fazit zur Touch- und Tablet-Tauglichkeit von Windows 10 ziehen.