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Lange leben die Dinosaurier!

Von Archangel - 03.12.2019

Teil einer Serie

Inhaltsverzeichnis

Ja, ich gebe es zu: Ich mag The Grand Tour und das Präsentatoren-Trio mit Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May. Nächste Woche startet die Show auf Amazon Prime in ihre vierte Staffel.

Das Trio bei Dreharbeiten zur 4. Staffel
Quelle: Amazon Prime

Eigentlich ein Grund zu Freude, doch aufgeschreckt hat mich ein Interview mit Jeremy Clarkson, das vor ein paar Tagen in The Sun erschienen ist. Dort behauptet Clarkson, der immer wieder mal gerne polarisiert "Greta Thunberg has killed the car show" (‘Greta hat die Auto-Show getötet.’). Das mag etwas überspitzt formuliert sein, aber trifft die Sache irgendwie schon auf den Kopf. Für Fernseh-Shows, die sich um Autos und insbesondere um die von "petrolheads" bevorzugten Verbrennungsmotoren drehen, werden die Strassen in Zukunft nicht nur holpriger, sie werden wohl früher oder später zur Sackgasse.

Für mich ist Clarkson’s Aussage die Schlussfolgerung aus einer allgemeinen Meinungs-Diktatur, in der das Auto schlecht geredet wird und es nicht mehr opportun ist, öffentlich dazu zu stehen, dass man Autos mag. Clarkson sieht es ähnlich: "They’re taught at school, before they say ‘Mummy and Daddy’, that cars are evil, and it’s in their heads." (‘Man bringt ihnen in der Schule bei, dass Autos böse sind noch bevor sie Mama und Papa sagen können. Und das steckt ihnen dann in den Köpfen fest’.)

Das Auto wird verteufelt und es wird ignoriert, dass Millionen Menschen darauf angewiesen sind. Ich denke, die Meisten fahren nicht Auto, weil sie es so speziell mögen, sondern einfach weil sie nicht anders können: für den Weg zur Arbeit oder um Waren zu transportieren auf die wir alle täglich angewiesen sind. Ich will gar nicht bestreiten, dass sich die eine oder andere Fahrt auch anders erledigen liesse. Aber nicht alles lässt sich per Cargo-Bike oder öffentlichen Verkehr bewältigen. Neben dem regionalen Verkehr sind auch nationale und internationale Transporte eine Realität, die unsere Strassen bewältigen müssen.

Abgesehen vom hochgerechneten CO2-Ausstoss werden von Klima-Aktivisten und grünen Politikern auch gerne tragische und traurige Unfälle zum Anlass genommen, um gegen Autos zu Felde zu ziehen. Besonders ins Visier geraten dabei ist der SUV, der in gewissen Kreisen unterdessen als unnötiger "Stadtpanzer" verschriehen ist, der gefälligst abgeschafft und verboten gehört. Aber auch Raser tragen ihren Teil dazu bei, dass die gesellschaftliche Akzeptanz des Autos im Sinkflug begriffen ist.

Clarkson testet den Lamborghini Urus
Quelle: Amazon Prime

Autofahrer und insbesondere Berufs-Pendler werden dazu gerne als dumm dargestellt - wer kann denn so blöd sein, und rund zwei Tonnen Blech benötigen um ein Gehirn zu transportieren, wird von Auto-Gegnern immer gefragt.

Autos werden heute nicht mehr als Fortbewegungsmittel wahrgenommen, sondern als Objekte die den öffentlichen Raum über jedes Mass hinaus überbeanspruchen und blockieren: Strassen könnten in Grün- und Begegnungszonen umgewandelt werden, und so mehr Lebensqualität für alle geschaffen werden. Auch bei dieser Zukunftsvision wird die Realität des täglichen Personen- und Warenverkehrs schlicht ignoriert. Reine Ideologie ist nun mal kein praxistaugliches Transport- und Fortbewegungsmittel.

Aber zurück zu Auto-Shows und The Grand Tour. Ich sage es nur ungern, aber hier schlummert ein Shitstorm-Risiko in mehrfacher Hinsicht. Als erstes wären die Show selbst und ihre Präsentatoren eine Zielscheibe, weil sie etwas zelebrieren, was in den Augen von Aktivisten nicht mehr sein darf: Freude am Fahren und Begeisterung für Fahrzeug und Technik. Aber auch für Amazon Prime als Streaming-Dienst könnte die Show zum Risiko-Faktor werden. Amazon ist als Online-Händler und grösster Cloud Computing-Anbieter den Aktivisten eh ein Dorn im Auge. Wer sagt nicht, dass The Grand Tour als Aufhänger benutzt wird, um eine Kampagne gegen Amazon zu lancieren? So nach dem Motto: Kauft nicht bei einem Unternehmen, was die Verbrennung von fossilen Brennstoffen als Spass und Freizeitgestaltung darstellt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich auf diese Weise einiges an Druck aufbauen liesse, womit wir wieder bei der eingangs erwähnten Meinungsdiktatur wären: Die Wort "Spass" und "Auto" dürfen ab sofort nicht mehr im gleichen Satz - oder noch besser nicht im gleichen Gedanken - vorkommen.

Ich wünsche den Machern von The Grand Tour noch viele erfolgreiche Sendungen. Aber die Zeiten als Clarkson das Autofahren noch als "the essence of freedom" bezeichnen konnte, scheinen unwiederbringbar überholt zu sein.

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