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Android 4.4 "KitKat"... alles Palmöl oder was?

Von Hitzestau - 05.09.2013

Teil einer Serie

Inhaltsverzeichnis

Autor: Archangel

Die kommende Version von Android trägt den Namen "KitKat". Google bleibt damit seiner Tradition treu, die Bezeichnungen von Süssigkeiten zu verwenden. Neu ist diesmal allerdings, dass es sich um einen konkreten Markennamen handelt. Das Ganze basiert auf einer Kooperation mit dem KitKat-Hersteller Nestlé und soll auch gemeinsame Marketing-Aktionen umfassen.

Geplante KitKat-Verpackungen. Quelle: cnet.de
_"Wenn man zwei Markennamen miteinander verbindet, kann der eine vom guten Ruf des andern profitieren. Hat einer Leichen im Keller, muss man auch mit dem Gegenteil klar kommen." _
Archangel von hitzestau

Die lustigen KitKat-Spots kennt jeder, "Have a break..." ist Kult. Die Werbspots kann man heute noch problemlos auf YouTube finden, hier ist gerade einer:

Auch die Meldung vom Namen der neusten Android-Inkarnation hat "Social Media-Potential": So machte sich Nokia via Twitter über die Assoziation lustig und knackte mal schnell ein Samsung-Handy:

"Have a break, have a Samsung Handy..." Quelle: Twitter

Da müssen Google und Samsung schon drüber stehen, als Grosskonzern kriegt man immer wieder Spott und Häme ab. Aber nicht alles, was aus dem Nestlé-Konzern kommt, schmeckt auch wirklich süss. Ich hoffe, dass den Marketing-Verantwortlichen bei Google die Schokoriegel nicht im Hals stecken bleiben. Nestlé wird immer wieder heftig von NGO’s und Medien für seine Geschäftspraktiken kritisiert, sei es beim Thema Trinkwasser oder Babynahrung. Gerade weil es bei Nestlé um Lebensmittel geht, wird die Kritik auch schnell emotional.

Aber auch der Markenname "KitKat" selber war schon die Zielscheibe einer genau durchgeplanten Empörungswelle. Die Greenpeace-Kampagne gegen Nestlé und KitKat im Jahre 2010 gehörte damals zu den grössten "Shitstorms" im Internet und wurde intensiv im Social Web diskutiert. Der Vorwurf von Greenpeace war, dass Nestlé für seine Produkte Palmöl verwendet, welches aus indonesischen Plantagen stammte, welche wiederum den Lebensraum des Orang-Utan zerstörten. Ein Schock-Video machte im Internet die Runde, das die Marke "KitKat" mit buchstäblich mit Blut besudelte.

Nestlé machte damals in der Kommunikation so ziemlich alles falsch, was man nur falsch machen konnte und verlieh der Greenpeace-Kampagne erst recht Aufrieb damit.

Das Ansehen von "KitKat" war dahin und viele Marketing-Experten prophezeiten damals dem Nestlé-Konzern – oder wenigstens seinem Schokoriegel – eine düstere Zukunft, wenn man die Kritik der Konsumenten, die sich online äusserten, nicht ernst nehmen würde. Doch es kam weder zu dauerhaften Einbrüchen des Börsenkurses von Nestlé noch verschwand KitKat als Pausensnack aus den Regalen. Und drei Jahre später sucht sogar Google die Zusammenarbeit mit Nestlé, um sein neustes Kind "KitKat" zu taufen.

Was kann man daraus lernen? Das Langzeitgedächnis ist nicht mehr in Mode, um es mal salopp zu sagen. Trotzdem halte ich die Assoziation von Android mit Nestlé/"KitKat" für nicht ganz ungefährlich. Die nächste mediale Welle der Entrüstung kommt bestimmt. Dann kommt es drauf an, wer von beiden aus diesem Team besser schwimmen kann.

Oder anders gefragt: Will ich auf meinem Smartphone ein Betriebssystem haben, dessen Name mit Umweltzerstörung und dem arroganten Auftreten eines Grosskonzerns verknüpft ist?