Review

Vorstellung des 2019er iMac

Von Hitzestau - 27.05.2019

Inhaltsverzeichnis

Unser Erlebnis Mac

Bevor wir in den folgenden Kapiteln auf weitere Aspekte eingehen, wollen wir an dieser Stelle schon folgendes festhalten: In unseren Reviews zu den verschiedenen MacBook Pro-Modellen haben wir immer wieder vom "Mac-Erlebnis" gesprochen.

Dies ergibt sich für uns aus dem Zusammenspiel zwischen macOS als Betriebssystem, dem Trackpad als Eingabegerät und dem gestochen scharfen Display. Am MacBook Pro entsteht so ein Arbeitserlebnis, dass wir nur als "flüssig" beschreiben können. Was uns an macOS als Betriebssystem grundsätzlich so gut gefällt, haben wir in unserer Hackintosh-Serie im Artikel "Was macht macOS als Betriebssystem attraktiv?" ausführlich beschrieben.

Quelle: Apple

Der iMac als Desktop-Gerät bringt natürlich ein paar andere Hardware-Voraussetzungen mit als ein Notebook. Die wichtigste ist natürlich das viel grössere Display und Eingabegeräte wie Tastatur und Maus oder Trackpad sind nicht fest verbaut.

Dies beginnt - wie bereits geschildert - schon nach dem Auspacken, da er einfach "out-of-the-box” funktioniert. In unserer bisherigen Anwendererfahrung ist er ein "Rundum-sorglos-Paket" aus Hardware, Betriebssystem, vorinstallierten Anwendungen und dem Zugang zum Ökosystem von Apple. Dazu gehört beispielsweise auch, den iMac mit der Apple Watch aus dem Sleep-Modus herauszuholen oder über das Gerät zu telefonieren.

Kühlung und Performance

Aber wie weit reicht das Gefühl von "rundum sorglos"? Die Kühlleistung - und damit verbunden die Rechenleistung - gehörte zu den Aspekten, bei denen wir zu Anfang von unserem Review Vorbehalte angemeldet hatten. Denn wenn die Kühlung nicht mehr ausreicht, beginnen Komponenten wie CPU oder GPU ihre Leistung zu senken (Throttling). Dies ist als Überhitzungsschutz zu verstehen, um Schäden an der Hardware zu verhindern: Die Stromaufnahme wird reduziert und damit sinkt auch die Temperatur. Zudem leidet die Lebensdauer der Hardware, wenn sie über einen längeren Zeitraum bei hohen Betriebstemperaturen arbeiten muss.

Aus unserer bisherigen Erfahrung mit Mac-Geräten der verschiedenen Modell-Generationen wissen wir, dass Apple die Tendenz hat, den verbauten Komponenten kaum genügend "Raum zum Atmen" zu geben und lieber eine höhere durchschnittliche Betriebstemperatur zuzulassen um die Drehzahlen der Lüfter niedrig zu halten. Damit sollen die Geräte für den Anwender immer einen ruhigen Eindruck ohne Geräuschemissionen vermitteln.

Unser Test-iMac war mit dem stärksten CPU ausgerüstet, der aktuell in einem iMac verfügbar ist (Core i9-9900K mit 8 Kernen, 9. Generation Intel). Die Frage war also: schafft es der iMac ihn kühl zu halten?

Verantwortlich dafür ist das Kühlsystem des iMac: An der Unterkante des Gehäuses wird Luft angesaugt und diese wird auf der Rückseite unterhalb des Scharniers des Fusses wieder durch Lüftungsschlitze herausgeblasen. Somit war also die Frage nicht nur nach der absoluten Kühlleistung, sondern auch wie laut die Lüfter dabei werden würden.

Lüftersteuerung

Ein wichtiges Element der Kühlleistung ist die Lüftersteuerung, also wie die Lüfter reagieren, wenn CPU- und GPU-Temperaturen zu steigen beginnen. In den ersten Test-Tagen haben wir uns auf die integrierte Lüftersteuerung vom macOS verlassen. Wir haben dabei immer erhöhte CPU-Temperaturen beobachtet und uns deshalb die Zusatz-App Macs Fan Control installiert und sie so eingestellt, dass die Lüfter schon bei niedrigen Temperaturen etwas höher, also mit 200-300 rpm mehr, drehen. Später haben wir dann auch mit iStat Menu die Werte ausgelesen, bei wenig Last pendelten sich die CPU-Temperaturen zwischen 35-40 Grad Celsius ein (Raumtemperatur von rund 25 Grad). Als Basis für die Temperaturmessung haben wir immer den "CPU Proximity"-Sensor verwendet, der die Umgebungstemperatur um den CPU herum überwacht. Diese schwankt nicht so heftig, da die einzelnen CPU-Kerne selber immer wieder kurze Temperaturspitzen produzieren können.

Damit man lange viel Freude am Gerät hat, empfehle ich ein zusätzliches Tool für die Lüftersteuerung zu installieren. Damit reagieren diese schneller auf steigende Hardware-Temperaturen und daher gelingt es besser, die Temperaturen im laufenden Betrieb generell niedriger zu halten.
Monk-Trader

Als Tools können wir das kostenlose Macs Fan Control - hier freut sich der Entwickler über eine Spende - oder das kostenpflichtige iStat Menu empfehlen. Das zweite Tool liefert viel mehr Sensordaten zum gesamten System.

Erfahrung Archangel

Zu seinen alltäglichen Arbeiten gehört unter anderem das Recherchieren, Schreiben und Publizieren von Blogbeiträgen mit Programmen wie Safari und Ulysses, Korrespondenz mit MS Outlook und Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop und Lightroom.

Im Betrieb mit mehreren offenen Programmen liefen die Lüfter im Schnitt mit rund 1600 rpm und waren so gut wie nicht hörbar. Die Betriebstemperaturen von CPU und GPU pendelten laut iStat Menu zwischen 35 bis 40 Grad Celsius. Kurze Spitzen von mehr Last steckt der iMac ohne Probleme weg.
Archangel

Das Geräusch der Lüfter kann man am besten als ein dumpfer Rauschen bezeichnen, auch bei hoher Drehzahl machen sie keine jaulenden Geräusche. Unter 1400 rpm hört man sie überhaupt nicht, erst ab 1600 rpm hört man ein ganz leises Rauschen, was aber auch nicht störend ist. Bei 2400 rpm sind sie deutlich hörbar und bei etwas über 2700 rpm erreichen sie ihre maximale Drehzahl und Lautstärke. Für das Empfinden der Geräuschkulisse spielen sicher auch die Umgebungsgeräusche eine Rolle, also ob zum Beispiel im gleichen Raum noch ein Ventilator läuft.

Erfahrung Monk-Trader

Monk-Trader hat ein anderes Anwendungs-Profil: Zu seinen Tätigkeiten gehört die Arbeit mit Virtual Machines, Programmieren, Kompilierungsvorgänge, 3D Visualisierungen mit SketchUp und das gelegentliche Transcodieren von Videos.

Für Kompilierungsvorgänge lohnt es sich, die Lüfterkurve so einzustellen, dass die Lüfter schneller hochdrehen. Der iMac kann dann mehr Leistung liefern und der Vorgang ist schneller abgeschlossen. Allerdings muss man eine höhere Geräuschkulisse in Kauf nehmen.
Monk-Trader

Die Aufgabe Videodateien zu transcodieren (Handbrake, H.265), hat die Lüfter bis auf ihr Maximum von rund 2700 rpm hochdrehen lassen. Die CPU-Temperatur lag dann bei 90 Grad Celsius, die Grafikkarte bei 66 Grad und der Stromverbrauch des gesamten Systems lag bei 160 Watt. Interessant zu beobachten war auch, dass hierbei primär die acht realen Kerne benutzt wurden, die Auslastung der Hyperthreading-Kerne lag nur bei rund 25 Prozent. Aber ab etwa 90 Grad setzt beim CPU das Throttling ein, also das Runterregeln der Leistung. Absolute Spitzen der CPU-Leistung bis zu den 5 GHz, wie sie in den technischen Spezifikationen angegeben sind, beobachtet man nur selten - und wenn sind sie nur sehr kurz. Meist lag beim Transcodieren die Taktfrequenz zwischen 4.5-4.7 GHz. Steigen die Temperaturen dann noch weiter an, regelt das Gerät die CPU-Taktfrequenz sogar unter 4 GHz.

Die versprochenen 5 GHz sieht man vom CPU nur ganz selten. Das liegt am Kühlsystem, welches hier definitiv ans Limit kommt. Apple hat ein besseres Kühlsystem für das iMac-Gehäuse… da darf man schon die Frage stellen, warum dieses nicht vom iMac Pro übernommen wurde.
Monk-Trader

Stromverbrauch

Interessant zu beobachten war bei diesem Test auch der Stromverbrauch: Ohne grosse Last zieht der iMac knapp 50 Watt. Wird mehr Rechenleistung abgerufen, zum Beispiel beim Test mit Unigine Valley, stieg der Wert auf rund 200 Watt (gemessen mit iStat Menu). Eine grosse Rolle spielt beim Stromverbrauch aber auch die eingestellte Display-Helligkeit.

Die Frage der Grafikkarte

In unserem Test-Gerät war die optional erhältliche AMD Radeon Pro Vega 48 verbaut. Diese wurde im Frühjahr 2019, also zeitgleich mit dem aktuellen iMac-Update, lanciert. In Benchmarks liegt sie leistungsmässig etwa gleichauf mit der Radeon RX 590. Der Vergleich ist natürlich nicht ganz korrekt, da die RX 590 eine klassische Desktop-Karte ist. Bei der Pro Vega 48 hingegen handelt es sich um eine so genannte Mobile-Version, was bedeutet, dass sie ausschliesslich für den Einsatz in AIO-Geräten und Notebooks gedacht ist.

Apple verlangt für den Upgrade von der Radeon Pro 580X zur Radeon Pro Vega 48 satte CHF 493.65. Da muss natürlich die Frage erlaubt sein, ob das Plus an Grafik-Leistung auch wirklich in Relation zum Aufpreis steht, auch wenn es sich um zwei unterschiedliche Architekturen und zwei verschiedene Typen von Speicher (GDDR5 / HBM2) handelt. Wir haben die beiden Karten nicht direkt miteinander vergleichen können und müssen uns deshalb auf Dritte wie den Test von BareFeats verlassen. Hier sieht man sehr deutlich, dass die Leistung der beiden Karten bei den meisten Tests nicht sehr weit auseinander liegt. Um von der teureren Karte zu profitieren, kommt es sehr darauf an, mit welchen GPU-intensiven Anwendungen oder Plugins man genau arbeitet. Im schlechtesten Fall investiert man also Geld in einen GPU-Upgrade und hat dann bei der täglichen Arbeit keinen spürbaren Vorteil davon. Fürs anspruchsvolle Gaming haben beide Karten zu wenig Leistung.

Es ist sicher eine Überlegung wert, anstatt mit einem Grafikkarten-Upgrade eher mit einer eGPU-Lösung zu planen. Hierfür kann man entweder auf eine Komplett-Lösung vom Hersteller Blackmagic Design zurückgreifen oder auf eine eigene Lösung bestehend aus Desktop-Karte und passendem Gehäuse. Die eGPU von Blackmagic haben wir vergangenes Jahr in einem Review vorgestellt. Mit einer eGPU ist man in der Wahl der Grafikkarte freier und vor allem nicht nicht zwingend auf eine Mobile-Karte angewiesen. Es sollte aber ein Modell von AMD sein, da Apple keine Treiberunterstützung mehr für NVIDIA-Karten liefert. Wenn man die eGPU jedoch beispielsweise nur unter Bootcamp mit Windows 10 zum Gamen nutzen will, ist wiederum auch eine Karte von NVIDIA denkbar.

Zudem hat die eGPU den Vorteil, dass man die Last - und damit auch die Abwärme der GPU - aus dem iMac-Gehäuse heraus in ein externes Gehäuse "verlagern" kann, was sicher auch wiederum der Kühlleistung des iMac zu gute kommt.

Abschlussgedanken

Während unserem mehrwöchigen Test hat Archangel aus unserem Team den iMac wie seinen eigenen Computer für alle anfallenden Tätigkeiten im Alltag benutzt. Zusätzlich haben wir dem Gerät noch mit Benchtools mehr Leistung abverlangt und die Performance gezielt bei einer ressourcen-intensiven Aufgabe wie dem Dekodieren von Videos getestet.

Generell hat uns der Test mit dem Gerät sehr viel Spass gemacht und es war eine gute Gelegenheit für uns, (endlich) eigene Erfahrungen mit einem AIO-Computer zu machen. Dem Konzept gegenüber haben wir ja gewisse Vorbehalte gehabt.

Nachdem ich mit dem iMac einiges an Alltagserfahrungen gesammelt habe, kann ich sagen, dass er mich überzeugt hat.
Archangel

Aus unserer Erfahrung gehörten folgende Eigenschaften zu seinen Stärken: Er ist sehr platzsparend, verfügt über ein sehr gutes 5K-Display, bietet mit dem i9-Prozessor und seinen acht Kernen sehr viel Rechenpower und hat sogar die Möglichkeit, den Arbeitsspeicher selber aufzurüsten. Aus Anwendersicht steht er für ein "rundum sorglos"-Konzept. Dazu gehört auch die Verarbeitungsqualität, die bei unserem Test-Gerät auf einem hohen Niveau ist. Auf der Front schliessen Alurahmen und die Displayabdeckung aus Glas sauber zueinander ab.

Quelle: Apple

Unsere eingangs geäusserten Bedenken wegen der Kühlleistung hat der iMac während unserer Testdauer grösstenteils ausräumen können. Ehrlich gesagt waren wir diesbezüglich etwas überrascht. Arbeiten wie Surfen, Schreiben, Recherchieren, Texte Publizieren via CMS oder Fotos mit Photoshop und Lightroom bearbeiten sind für die Kühlleistung kein Thema. Das System läuft ruhig und die Hardware ist betreffend Temperaturen nicht ständig am Limit.

Arbeiten die mehr Rechenleistung erfordern, treiben natürlich auch die Hardware-Temperaturen in die Höhe. Hier ist es wichtig, dass man die Lüfter so einstellt, dass sie relativ früh anfangen, besser zu kühlen. Unsere Praxistests haben aber auch gezeigt, dass der CPU seine maximale Leistung von 5 GHz nur für einen kurzen Moment halten kann.

Der iMac ist für mich ein Kompromiss was das Zusammenspiel zwischen Performance und Kühlung angeht. Er ist jedoch für viele Anwendungsszenarien gut geeignet, Gamen gehört meiner Meinung nach aber nicht dazu.
Monk-Trader

Es gibt natürlich auch ein paar Aspekte, die uns weniger gut gefallen haben, wobei was einer als Kritikpunkt sieht, muss für den anderen nicht so sein, weil es für ihn nicht so wichtig ist. Für die weitere Entwicklung der iMac-Reihe würden wir uns ein moderneres Design mit schmalen Displayrändern und die Möglichkeit zur Höhenverstellung wünschen. Dazu gehört auch die Anpassung der Bildschirmgrösse auf 32 Zoll oder noch mehr. Das beim aktuellen Modell verbaute Display gehört für uns zwar zu den absoluten Stärken des iMac - aber man sollte dabei nicht ausser Acht lassen, dass es nur 60 Frames pro Sekunde liefert und auch nicht HDR-tauglich ist, obwohl es mit 500 Nits Helligkeit den Minimalanforderungen von VESA entspricht. Eine Technologie wie FreeSync gegen Tearing fehlt ebenfalls. Bezüglich Kühlleistung hat er uns - wie bereits gesagt - ja grundsätzlich positiv überrascht. Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn Apple das Kühlkonzept aus dem iMac Pro-Gehäuse übernehmen würde, welches nochmals leistungsstärker ist. Dasselbe gilt auch für die 10 Gbit LAN-Schnittstelle, wie sie aktuell nur im Mac mini und iMac Pro verbaut wird.

Unser Test mit dem iMac hat uns aber auch noch einen ganz anderen Aspekt geliefert: Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir hier auf dem Blog ausführlich über unsere Erfahrungen mit einem Hackintosh-System berichtet. Dort hatten wir im Fazit schon das Ziel formuliert, auf einen echten Desktop—Mac zu wechseln. Denn insbesondere im Vergleich zum Hack überzeugt der iMac durch sein Konzept eines "Rundum-sorglos-Pakets", das "out-of-the-box" funktioniert. Einen Hack im Alltag zu benutzen, bedeutet hingegen immer wieder Konfigurationen anzupassen, Treiber zu suchen und bei jedem macOS-Update die bange Frage, ob auch alles weiterhin funktioniert.

Beim iMac muss man sich natürlich um nichts derartiges kümmern: macOS-Updates lassen sich ohne weitere Umstände über die System-Einstellungen herunterladen und installieren. Und auch bei der Sicherheit muss man keine Kompromisse machen. Im Gegensatz zum Hackintosh kann man beim Original-Mac die System Integrity Protection (SIP) aktiviert lassen und einen offiziellen Protection Plan abschliessen. Zudem funktionieren auch Features wie der Sleep-Mode reibungslos. Und auch beim Stromverbrauch gibt es gewaltige Unterschiede: der iMac zeichnet sich durch einen massiv niedrigeren Strombedarf aus als ein aus Einzelkomponenten zusammengebauter PC mit separatem Bildschirm. Der gesamte iMac verbraucht im durchschnittlichen Betrieb, also ohne dass gross Last anliegt, weniger Strom als beim oben erwähnten Hackintosh-System der Bildschirm alleine.

Wer sich einen iMac zulegen will, dem empfehlen wir auf jeden Fall eine Aufrüstung auf ein rein SSD-basiertes System um das Fusion Drive mit seiner Kombination aus HDD und Flash-Speicher zu vermeiden. Warum Apple in der Grundkonfiguration überhaupt noch die schon fast anachronistisch wirkende HDD anbietet, können wir nicht ganz nachvollziehen. Schliesslich zeigt auch beim Flash-Speicher die Preisentwicklung nach unten. Bei einer reinen SSD-Konfiguration ist diese dann intern über PCIe 3.0 angeschlossen und kann somit vom hohen Datendurchsatz der Schnittstelle profitieren. Bezüglich der RAM empfehlen wir eine Aufstockung auf mindestens 16 GB. Hier kann man von einer Besonderheit des iMac 27-Zoll profitieren. Dank einer Klappe auf der Rückseite kann man die RAM-Module selber auswechseln und so im Vergleich zu den offiziellen Preisen von Apple Geld sparen.

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