Review

Samsung Galaxy Note9

Von Hitzestau - 08.01.2019

Inhaltsverzeichnis

Für uns ist es jetzt höchste Zeit, Euch das Samsung Galaxy Note9 vorstellen, den es ist schon seit Ende August 2018 auf dem Markt. In vielerlei Hinsicht orientiert sich das Note9 am Vorgängermodell Note 8, welches wir letztes Jahr in einem ausführlichen Review vorgestellt hatten. Deshalb konzentrieren wir uns hier schwerpunktmässig auf die Neuerungen vom Note9.

Design und Gehäuse

Das Note9 setzt die Formsprache mit dem "Infinity Design" vom Note 8 her fort. Das Display ist beim Note9 mit 6.4 Zoll Diagonale etwas grösser ist als beim Vorgänger und ist damit das grösste Display der gesamten Note-Reihe. Die äusseren Gehäuseabmessungen sind ungefähr gleich geblieben.

Quelle: Samsung

Die markanteste Änderung findet man auf der Rückseite und sie betrifft die Positionierung des Fingerabdrucksensor. Dieser ist jetzt wie beim Galaxy S9 unterhalb der beiden Kamera angeordnet und nicht mehr daneben.

Quelle: Samsung
Die neue Positionierung des Fingerprintscanners ist definitiv eine Verbesserung, man ist wieder eher gewillt ihn zu benutzen. Eine andere Position, zum Beispiel im Rahmen oder auf der Front im Display, ist aber noch wie vor wünschenswert.
Archangel von hitzestau.com

Das Note9 überzeugt rein optisch, liegt aber trotz seiner Grösse recht gut in der Hand und ist nicht übermässig rutschig. Von der der Bedienung her ist es klar ein Zweihand-Gerät, was man sowieso tut, wenn man den S Pen benutzt. Dieser ist und bleibt das bedeutendste Alleinstellungsmerkmal des Note9. Auf die Details zum überarbeiteten S Pen gehen wir weiter unten ein.

Quelle: Samsung

Das gesamte Gerät ist sehr sauber verarbeitet, Vorder- und Rückseite bestehen aus Glas, das ganze Gehäuse wird von einem Rahmen aus Metall umgeben.

Technik

Das Display gehört wie auch beim Vorgänger zu den Glanzlichtern des gesamten Geräts. Mit seinen 2960 × 1440 Pixeln und einer Pixeldichte von 496 ppi stellt das AMOLED-Display alle Inhalte gestochen scharf und mit lebendigen Farben dar. Wie immer beim Infinity Design lässt sich eine leichte Vignettierung entlang der abgerundeten Ränder des Deckglases beobachten. Um den Akku zu schonen, ist ab Werk jedoch nur eine Auflösung von 2220 x 1080 Pixel eingestellt.

Das Note9 ist für hochwertige Video-Erlebnisse gut gerüstet. Es erfüllt alle Anforderungen als so genanntes YouTube Signature Device (HDR-Wiedergabe, 360 Grad-Videos, dekodieren von 4K-Material) und die mit AKG zusammen entwickelten Stereo-Lautsprecher unterstützen Dolby Atmos. Sie liefern einen sehr ordentlichen Sound, und auch beim Telefonieren ist die Qualität der Sprachwiedergabe sehr gut. Auf Grund der Grösse des Note9 empfiehlt sich zum Telefonieren natürlich eher ein kabelloses Bluetooth-Headset.

Mit einer Gesamtkapazität von 4000 mAh verfügt der Lithium-Ionen-Akku über 700 mAh mehr Kapazität als im Note 8. Die Schnellladefunktion für den Akku ist via Kabel (USB-C) und via Induktion (Qi-Standard) verfügbar. In den Einstellungen stehen zwei abgestufte Energiespar-Modi (Mittel / Max.) zur Verfügung.

Unter dem Menüpunkt Gerätewartung (Screenshots links) lassen sich die Nutzung des Akkus, des Speichers und des Arbeitsspeichers (Screenshot rechts) optimieren und Ressourcen wieder freigeben.

Die neue Position des Fingerabdrucksensors auf der Rückseite unterhalb der Kamera ist wie bereits erwähnt eine deutliche Verbesserung in der Ergonomie gegenüber dem Note 8. Das Entsperren funktioniert rasch und lässt sich sehr gut einhändig erledigen, wenn man das Gerät zur Hand nimmt. Wie Tab S4, welches wir ebenfalls in einem Review vorgestellt hatten, stehen auch Gesichtserkennung und Iris-Scanner für die biometrische Erkennung zur Verfügung.

Das Galaxy Note9 bietet dem Anwender ein flüssiges Benutzungserlebnis ohne Wartezeiten und Ruckler. Ermöglicht wird dies durch einen Exynos 9810-Prozessor mit 8 Kernen, sechs GB Arbeitsspeicher und ein ausgeklügeltes internes Kühlsystem. Bei den Speichergrössen bietet Samsung dieses Jahr zwei Optionen an: 128 GB oder 512 GB. Mit einer microSD-Karte kann der Speicherplatz dann bis zu 1 TB erweitert werden. Zudem unterstützt das Note9 die Nutzung von zwei SIM-Karten und ist nach IP68-Standard staub- und wasserdicht. Der Einschub für SIM- und microSD-Karten bietet Platz für insgesamt zwei Karten: 2 SIM-Karten oder 1 SIM- und 1 microSD-Karte.

Zu einer grössten Neuerungen beim Note9 zählt auch die Handhabung von Samsung DeX. Das Konzept wurde mit dem Smartphone Galaxy S8 im Frühjahr 2017 vorgestellt. Damals brauchte es immer eine spezielle Docking-Station, um in den DeX-Modus zu wechseln. Beim Note9 reicht neu ein HDMI-Kabel, um den externen Bildschirm direkt mit dem Smartphone zu verbinden. Was man mit DeX als Anwender alles machen kann, werden wir in einem separaten Beitrag näher anschauen.

Zum Abschluss dieses Kapitels haben wir hier die wichtigsten technischen Spezifikationen in einer Übersicht zusammengestellt:

  • Grösse: 161,9 x 76,4 x 8,8 mm
  • Gewicht: 201 g
  • Display: 6.4 Zoll Quad HD+ Super AMOLED / 2960×1440 / Pixeldichte 496 ppi
  • Prozessor: Exynos 9810 Octa-Prozessor (2,7 GHz Quad + 1,7 GHz Quad) / 64 Bit
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Datenspeicher: 128 GB / 512 GB (microSD bis 512 GB)
  • Akku: 4000 mAh / Lithium-Ionen
  • Anschlüsse: 3,5-mm-Stereo-Audio/ NFC / Bluetooth 5.0 / USB-C
  • Netz: 2G / 3G / 4G (LTE)
  • WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac (2,4G+5GHz), VHT80 MU-MIMO, 1024-QAM
  • Hauptkamera 1 (Weitwinkel): 12 MP / f/1.5 / 2.4
  • Hauptkamera 1 (Tele): 12 MP / f/2.4
  • Video (Hauptkamera): max. 4K 3840×2160 Pixel / 60fps
  • Frontkamera: 8 MP / f/1.7
  • SIM-Karte: Nano-SIM
  • Betriebssystem: Android 8.1 "Oreo" / Samsung Experience UX 9.5

S Pen

Der Stift S Pen ist und bleibt das Markenzeichen der Galaxy Note-Geräte. Für das Note9 hat Samsung den Stift weiterentwickelt so dass viele neue Anwendungen möglich sind. Trotzdem ist der Stift so schlank geblieben, dass er wie gewohnt an der Gehäuseunterseite Platz findet und versorgt werden kann. Dabei ist es nicht möglich, ihn falsch herum hineinzustecken.

Quelle: Samsung

Der S Pen ist mit der Bluetooth-Low-Energy (BLE)-Technologie ausgestattet. Damit ist sein Einsatzbereich nicht mehr auf das Schreiben und Zeichnen auf der Display-Oberfläche beschränkt, sondern er kann wie Remote Control für das Note9 agieren: man kann mit ihm aus mehreren Metern Distanz die Kamera auslösen oder die Wiedergabe eines Videos oder einer Präsentation steuern. Aufgeladen wird der S Pen automatisch, wenn man ihn im Gehäuse einsteckt – nach rund 40 Sekunden hat er wieder genügend Strom für rund 30 Minuten Benutzung. App-Entwickler haben mit einem SDK ebenfalls Zugriff auf die neuen Funktionen des S Pen, so dass auch Drittanbieter in ihren Apps die neuen Funktionalitäten nutzen und das Benutzererlebnis für den Anwender verbessern können.

Samsung hat die neuen Funktionen und Möglichkeiten des S Pen in einer sehr schönen Infografik zusammengefasst, deshalb binden wir sie hier in den Text ein.

Quelle: Samsung

Wer mit dem S Pen bereits vertraut ist, wird die Neuerungen als vielseitige Weiterentwicklung schätzen, denn das vertraute S Pen-Menü mit dem Schnellzugriff auf Anwendungen wie Notizen machen oder einen Begriff übersetzen gehört nach wie vor zum Funktionsumfang des S Pen.

Kamera

Die Kamera des Note9 wird in vielen Reviews und Rankings als aussergewöhnlich gelobt. Wir gehen hier im folgenden auf unsere eigene Beobachtungen ein, denn man muss unserer Meinung nach die Kamera etwas differenzierter betrachten. Vor einem Jahr hat Samsung beim Note 8 zum ersten Mal ein Kamera-System mit einer Weitwinkel- und einer Telelinse verbaut. Und auch beim Note9 bringt die Kamera – oder genauer gesagt das Fotografieren mit ihr – einiges an Veränderungen mit sich.

Für uns war es auch die erste Möglichkeit, das System mit der manuellen Blendenwahl bei der Weitwinkel-Linse auszuprobieren. Dies steht nur im Pro-Modus zur Verfügung. Die Praxiserfahrung hat für uns jedoch gezeigt, dass die Blendenwahl auf dem Display in der Bedienung eher fummelig ist und das der Effekt einer grösseren oder kleineren Blende auf den Bildern nicht sichtbar ist.

Mit dem Note9 setzt Samsung, wie andere Smartphone-Hersteller auch, verstärkt auf die sogenannte Computational Photography: An Stelle der rein optischen Leistung stehen immer stärker digitale Bildbearbeitungsprozesse im Vordergrund, welche Aufnahmen ermöglichen, die mit einem rein optischen System gar nicht möglich wären. Wenn man in den Kamera-Einstellungen des Note9 die so genannte "Szenenoptimierung" aktiviert, wird jede Aufnahme automatisch analysiert und optimiert. Die Funktion nutzt explizit künstliche Intelligenz zur Analyse der Motive. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass bei einem Smartphone sowieso jedes Bild nachbearbeitet wird, bevor es auf dem Display angezeigt wird. Die "Szenenoptimierung" stellt so gesehen eine zusätzliche Stufe in der Bearbeitung der Bilder dar.

Unsere ersten Testaufnahmen mit dem Note9 haben jedoch einen stark "überkorrigierten" Eindruck gemacht, so dass wir die nachfolgenden Testaufnahmen immer ohne aktive Szenenoptimierung gemacht haben. Solange man die Bilder nur auf dem Smartphone-Display anschaut, sieht man den Effekt nicht, da das Downsampling ihn sehr gut zu ka­schie­ren vermag. Schaut man die Bilder jedoch in ihrer Original-Auflösung (also ohne Downsampling) auf einem Bildschirm an, wirken sie comic-haft oder wie gemalt. Das untere Bild  ist ein Ausschnitt in einer 1:1-Darstellung, bei dem man den beschriebenen Effekt sehr gut sieht. Für uns sind das Anzeichnen für eine Nachbearbeitung, die über das Ziel hinausschiesst.

Und so sieht zum Vergleich die komplette Aufnahme aus (hier als Original in 4032 x 3024-Auflösung, damit Ihr den Effekt selber nachvollziehen könnt)

Ihre Stärke am besten ausspielen kann die Kamera bei guten Lichtverhältnissen. HDR-Aufnahmen – also den Ausgleich zwischen hellen und dunklen Bereichen im selben Motiv – schafft sie ebenfalls sehr gut, die nächsten beiden Bilder zeigen. Die Farben sind nicht mehr so knallig wie bei früheren Geräten von Samsung, sie orientieren sich mehr an der Realität.

Testbild Note9
Testbild Note9
Testbild Note9
Testbild Note9
Testbild Note9
Testbild Note9

Versucht man jedoch bei Dämmerung oder Dunkelheit die Stimmung einzufangen, macht es einem das Note9 nicht gerade leicht. Ein gutes Beispiel ist dieser dunkle Gang beim Basler Münster. Hier fällt so gut wie kein direktes Sonnenlicht hin. Die Kamera (ohne Blitz!) hellt die Aufnahme massiv auf. Trotzdem ist das Bild mit ISO 320 überraschend sauber und ohne Körnigkeit.

Testbild Note9

Auch bei den folgenden Aufnahmen war es schwierig, die tatsächliche Stimmung einzufangen. Wir haben manuell vor der Aufnahme die Helligkeit heruntergeregelt, damit die Bilder die Szene so wiedergeben, wie sie sich uns im Moment der Aufnahme präsentiert hat.

Testbild Note9
Testbild Note9
Testbild Note9
Testbild Note9

Was die Kamera hingegen wieder sehr gut macht, sind Panorama-Aufnahmen. Auf dem unteren Bild ist so gut wie unmöglich zu erkennen wie die Aufnahme aus Einzelbildern zusammengesetzt ist.

Man kann mit dem Note9 ohne Frage sehr schöne Aufnahmen machen. Es ist jedoch nicht mehr so einfacher früher, was der ursprünglichen Idee einer Smartphone-Kamera eigentlich zuwiderläuft. Es empfiehlt sich die Stärken und Schwächen der Kamera auszuloten, bevor man mit ihr den unvergesslichen Schnappschuss machen will.
Archangel von hitzestau.com

Modelle und Farben

Das Galaxy Note9 ist in den drei Farben Ocean Blue (gelber S Pen), Midnight Black und Lavender Purple erhältlich. Bei der Speichergrösse kann man zwischen 128 GB und 512 GB wählen. Der S Pen ist immer in der Farbe des Gehäuses gehalten, nur beim blauen Gerät ist er gelb.

Quelle: Samsung

Fazit

Beim Galaxy Note9 setzt Samsung hauptsächlich auf rein technische Weiterentwicklungen gegenüber dem Vorgänger vom vergangenen Jahr. Zu den augenfälligsten Neuerungen gehört der S Pen, der dank Bluetooth auch als "Fernbedienung" eingesetzt werden kann und nicht mehr rein auf die Berührung der Displayoberfläche angewiesen ist. So haben wir manche Testaufnahmen auf diese Weise ausgelöst, so dass derjenige, der das Note9 in den Händen hielt, sich ganz aufs Motiv konzentrieren konnte. Zudem öffnet Samsung den S Pen auch für App-Entwickler, so dass sie ihre Apps besser auf die S Pen-Nutzung hin optimieren können. Der Akku ist mit 4000 mAh für Smartphone-Verhältnisse wirklich sehr gross und das macht sie bei der Benutzung im Alltag auch bemerkbar. Die Kamera mit der KI-gestützten Bildoptimierung hat uns weniger überzeugt, hier hat Samsung sicher noch Spielraum mit entsprechenden Software-Updates nachzulegen.

Eine willkommene Verbesserung ist die veränderte Position des Fingerprint-Scanners auf der Rückseite. Es fällt jetzt wieder leichter, den Fingerabdruck zum entsperren zu benutzen, aber eine andere Position wie beispielsweise im Rahmen oder im Display auf der Frontseite wäre nach wie vor wünschenswert.

Zusammenfasst gesagt, bringt der "Note-Jahrgang 2018" Neuerungen im überschaubaren Ausmass, wobei hauptsächlich der S Pen mit Bluetooth hervorsticht. Er ist und bleibt das Alleinstellungsmerkmal der Note-Geräte, denn andere Aspekte wie Displaygrösse, Kamera, Speichergrösse oder Prozessor teilt sich das Note9 zum grössten Teil mit dem Galaxy S9+. Aber man hat auch den Eindruck, das bei der Entwicklung der Smartphones ein gewisser Punkt erreicht ist, wo wirkliche Neuerungen nur noch schwer zu realisieren sind. Man muss allerdings sagen, dass dies nicht nur auf das Note9 sondern alle Smartphone-Hersteller zutrifft.