Review

Nikon Df – Zurück in die Vergangenheit

Von Archangel - 25.03.2014

Inhaltsverzeichnis

Durch einen Newsletter von Nikon bin ich auf die neu vorgestellte Nikon Df aufmerksam worden. Als die ersten Bilder von ihr gesehen und die Beschreibung gelesen habe, war mein erster Reflex – wow, die will ich haben!

Bis ich dann selber ein Testgerät aus der Schachtel nehmen konnte, vergingen noch ein paar Wochen, aber kurz vor Weihnachten war es dann soweit. Ein paar Tage zuvor hatte ich die Df noch im Schaufenster eines Fachhändlers gesehen und war vor allem von ihrer Grösse recht beeindruckt.

Df weckt Emotionen

Aber was hat es denn mit der Nikon Df genau auf sich? – Die Df ist digitale Spiegelreflex-Kamera im Retrodesign der 1980er Jahre, aber mit Vollformatsensor und moderner Digital-Technik: Die Kamera weckt Erinnerungen und Emotionen.

Nikon Df

Mich hat sie an die Zeit erinnert, als ich als Jugendlicher angefangen habe zu fotografieren: Meine erste eigene Spiegelreflexkamera war eine Nikon FG, die 1982 auf den Markt gekommen war. Die Grundbegriffe der Fotografie habe ich mit einer Vito II (Voigtländer) gelernt, bei der man Zeit, Blende und Schärfe manuell einstellen musste. Die FG verfügte immerhin über einen integrierten Belichtungsmesser.

Nikon selber schreibt über die Df: "Herzstück der Fotografie sind die Emotionen, und die Nikon Df trifft es diesbezüglich genau auf den Punkt." Ich will  in meinem Erfahrungsbericht den Schwerpunkt auf meine emotionalen Erlebnisse mit der Df legen und nicht so sehr auf ihre technischen Details und Leistungen eingehen. Diese liegen unterdessen schon ein paar Wochen zurück, so dass ich diesen Artikel mit etwas Abstand schreiben kann. Das hat mir geholfen, meine Erfahrungen etwas zu reflektieren und nicht im Eifer des Gefechts in totale Euphorie auszubrechen.

Testgeräte

Für unseren Test bei hitzestau stand uns folgende Ausrüstung zur Verfügung:

Das Makro-Objektiv hatte Nikon auf unsere Bitte mit dazu gepackt.

Gehäuse

Das emotionale Erlebnis mit der Nikon Df fängt schon beim Auspacken und mit dem ersten in die Hand nehmen an. Zwar war sie nicht so schwer, wie ich sie mir vorgestellt hatte, aber die beiden grossen mechanischen Wahlräder links und rechts vom Sucher und den Auslöser hat Nikon sehr schön hinbekommen. Ich hatte das Gefühl, ganz was besonders in Hand zu halten – ein Hauch von Nostalgie wehte durch den Raum. Die Kamera wirkt sehr hochwertig, auch die beiden Objektive machen eine erstklassigen Eindruck. Von hinten sieht sie mit dem grossen Display am noch ehesten wie eine "normale" Spiegelreflex-Kamera aus. Die beiden grossen Wahlräder sprechen aber eine ganz andere Formensprache. Auf der einen Seite kann man die Belichtungszeit einstellen und auf der anderen die ISO-Empfindlichkeit und die Belichtungskorrektur. Genauso wie ich es von früher kannte. Es fehlte eigentlich nur noch der Spannhebel um den Film weiter zu transportieren.

Nikon Df
Nikon Df

Natürlich wollte ich mit der Kamera so schnell wie möglich nach draussen, aber zuerst musste der Akku aufgeladen werden. Zudem wollte ich mich mit den grundlegenden Handgriffen und Einstellungen vertraut machen. Jede Kamera, bzw. jeder Hersteller hat eine eigene Bedienungs-Logik. Ich fotografiere am liebsten mit der Zeitautomatik A. Nur reicht es bei der Nikon Df offenbar nicht, das Einstellrad einfach auf die entsprechende Position "A" zu stellen. Die Objektive verfügen über keine Einstellring für die Blende, erst mit der Hilfe des Handbuchs habe ich herausgefunden, dass man mit dem vorderen Einstellrad die Blende wählen kann.

Nikon Df
Nikon Df
Nikon Df
Nikon Df
Nikon Df
Nikon Df

Persönliche Erinnerungen

Emotionen und Erinnerungen sind das eine, schön ist es natürlich wenn man die alten Kameras noch hat. Sie haben zwar etwas Staub angesetzt, aber zusammen mit der Nikon Df kam es zu einem persönlichen Gipfeltreffen der Fotoapparate.

Voigtländer Vito II / Nikon Df / Nikon FG

Hier begegnen sich zwei Generationen Spiegelreflexkameras von Nikon: Die neue Nikon Df und die "alte" Nikon FG:

Nikon Df und Nikon FG

Historisch noch weiter auseinander sind die Nikon Df und Vito II von Voigtländer, die 1949 auf den Markt kam.

Nikon Df und Vito II Voigtländer

Und hier sozusagen mein gesamter, persönlicher "historischer Line-up":

Erste Testbilder

Ein sonniger Samstag-Nachmittag mit schönen Wolkenformationen bot sich geradezu für die ersten Testaufnahmen an. Mein Ziel war, mehrmals mit der Kamera unterwegs zu sein und zwar bei verschiedenen Lichtsituationen und Tageszeiten.

Testbild mt Nikon Df

Die ersten Bilder mit der Df, die hier seht, haben mich fast umgehauen. Schon auf dem rückseitigen Kameradisplay haben die Bilder bezüglich Schärfe, Farbwiedergabe und Detailreichtum verdammt gut ausgesehen. Alle hier gezeigten Testbilder sind unbearbeitet.

Testbild mt Nikon Df
Testbild mt Nikon Df
Testbild mt Nikon Df
Testbild mt Nikon Df

Vollformat-Fotografie (FX) lässt sich nur schwer mit dem DX-Format vergleichen, was ich bisher kannte. In Kombination mit dem 50mm-Objektiv konnte ich schön mit der Schärfentiefe spielen. Auch Aufnahmen in dunklen Ecken oder Schatten war problemlos möglich. Hier lohnen sich die lichtstarken Objekte, die von den Herstellern für Vollformat-Kameras angeboten werden. Sie erlauben viel mehr kreative Möglichkeiten und geben mehr gestalterischen Freiraum.

Zudem habe ich zum ersten Mal seit langem wieder gemerkt was es bedeutet ohne Zoomobjektiv, also mit einer Festbrennweite zu fotografieren. Man sich muss einen Standort suchen, bis der gewünschte Bildausschnitt gefunden ist. Das macht die Bildgestaltung anspruchsvoller, und ist je nach Aufnahmeort auch eine kreative Herausforderung.

Testbild mt Nikon Df
Testbild mt Nikon Df
Testbild mt Nikon Df
Testbild mt Nikon Df

Streng genommen schlägt das digitale Vollformat eine Brücke zu meiner Nikon FG und sogar zur Vito II. Die Negative oder Dias hatten damals die Abmessung von 36x24mm. Genau gleich gross ist heute der digitale Vollformatsensor, der in der Nikon Df und anderen Profi-DSLR Kameras steckt. Nur sind es heute eben keine Negative mehr, die belichtet und entwickelt werden, sondern RAW-Dateien, die auf einer SD-Karte in der Kamera gespeichert werden. Mit einer geeigneten Software werden die RAW-Dateien digital entwickelt und nachbearbeitet. Bei hitzestau verwenden wir dazu Adobe Lightroom. Monk-Trader ist dann verantwortlich für die Nachbearbeitung der Bilder, bevor wir sie auf dem Blog publizieren.

Handling

Nun aber zurück Nikon Df: Die Bedienung der Kamera war nach einer kurzen Eingewöhnungsphase recht unkompliziert. Alle relevanten Einstellungen für eine Aufnahme kann man vornehmen oder ablesen, ohne das Display auf der Rückseite zu benutzen. Das Gehäuse liegt gut in der Hand, auch wenn der Griff für die rechte Hand nicht so ausgeprägt ist wie beim modernen DSLR-Design. Da ich wie gesagt am liebsten mit der Zeitautomatik A fotografiert habe, waren die Einstellung der Blende und die Belichtungskorrektur die wichtigsten Handgriffe. Diese lassen sich beide schnell mit den mechanischen Wahlrädern vornehmen.

Die bei Sonnenschein aufgenommenen Bilder sehen toll aus. Eine viel grössere Herausforderung für eine Kamera sind aber Aufnahmen bei schlechteren Lichtverhältnissen, also Dämmerung und Dunkelheit, wo Strassen- und Gebäudebeleuchtungen die einzigen Lichtquellen sind. Wie die Nikon Df diese Herausforderungen gemeistert hat, könnt Ihr auf der zweiten Seite meines Erfahrungsberichtes bestaunen.

Die unbearbeiteten Original-Bilder könnt Ihr hier als .zip herunterladen. (Die Bilder sind nur zur privaten Verwendung bestimmt und dürfen nicht weiterverbreitet oder veröffentlicht werden.)

Mehr technische Infos zur Df findet Ihr auf der Webseite von Nikon:
Nikon Df