Review

Mehr Eigenständigkeit für die Apple Watch Series 3

Von Hitzestau - 14.12.2017

Inhaltsverzeichnis

Telefonieren, Messages schreiben und Musik streamen, wenn man das Smartphone zu Hause lässt? Das sind die grössten Neuerung der Apple Watch. Seit ein paar Tagen funktioniert dieses Feature auch in der Schweiz mit den Anbietern Swisscom und Salt. Wir haben es getestet und stellen Euch hier unsere Erfahrungen mit dem Telefonieren am Handgelenk vor.

Apple Watch Series 3 GPS + Cellular.
Quelle: Apple

Das ist aber nicht alles, was neu ist bei der Apple Watch Series 3, darum fassen wir hier unsere Erfahrungen zu einem kompletten Review zusammen. Wir werden die verschiedenen Modelle und Editionen im Artikel vorstellen, rein technisch gesehen gibt es zwei Varianten: eine mit und eine ohne SIM-Karte.

Die offiziellen Produktbezeichnungen von Apple lauten:

  • Apple Watch Series 3 GPS
  • Apple Watch Series 3 GPS + Cellular

Mehr Eigenständigkeit

Seit der ersten Vorstellung im September 2014 hat Apple die Watch technologisch von Generation zu Generation weiterentwickelt und gleichzeitig beim Gehäuse und den Armbändern immer Kontinuität bewiesen.

Zur Weiterentwicklung gehörten Bemühungen, die Watch unabhängiger vom Smartphone zu machen: Die Integration eines GPS-Moduls oder die Möglichkeit, Apps eigenständig laufen zu lassen, waren erste Schritte in diese Richtung.

Mit der direkten Mobilfunkanbindung mittels der eingebauten eSIM geht diese Entwicklung für den Anwender jetzt einen grossen Schritt nach vorne. Die Watch kann permanent online sein, auch ohne WLAN oder Bluetooth-Verbindung. So ist man im Alltag für einige Anwendungen nicht mehr zwingend aufs iPhone angewiesen:

  • Musik hören via Streaming
  • Telefonieren und SMS
  • Mitteilungen der Apps anzeigen
  • Siri

Streaming und Telefonieren ohne iPhone

Das erste Einrichten der Funktion geht eigentlich ganz automatisch. Die eSIM in der Watch ist nicht einfach eine zweite SIM-Karte, sondern der Provider muss die so genannte Multi Device-Funktion unterstützen: Beide SIM haben dieselbe Rufnummer und können gleichzeitig im Netz aktiv sein.

Anruf auf der Apple Watch Series 3.
Quelle: Apple

Etwas vom ersten, was wir nach der Einrichtung mit der Apple Watch ausprobiert haben, war das Musik hören unterwegs, also unabhängig vom iPhone. Hierzu muss man zuerst einen Kopfhörer oder ein Headset per Bluetooth mit der Watch koppeln, sonst geht es nicht. Die Musik kann man dann aus der iTunes- oder Radio-App auswählen und eigentlich wie gewohnt Musik hören.

Zum Telefonieren braucht man nicht zwingend ein Headset. Das Zusammenspiel zwischen iPhone und Watch klappt reibungslos: Wenn ein Anruf hereinkommt, klingelt es an beiden Orten und man kann ihn am iPhone oder auf der Watch entgegennehmen.

Es ist auch möglich während dem Gespräch, den Anruf sozusagen zwischen den Geräten ohne Unterbrechung hin- und herzuschieben. Die Telefon-App auf der Watch übernimmt auch die gesamte Anruf-Liste und die Kontakte.

Es ist schon eine besondere Erfahrung, wenn man unterwegs einen Anruf entgegen nimmt oder einen tätigt und man genau weiss, dass das Smartphone zu Hause liegt.
Archangel von hitzestau.com

Grundlage ist die Hardware

Mit der Weiterentwicklung der Hardware hat Apple die Grundlage für dieses Benutzungs-Erlebnis geschaffen. Dies betrifft zwei zentrale Elemente: Der Prozessor arbeitet laut technischen Angaben von Apple 70 Prozent schneller und der Wireless-Chip wurde unter anderem auf Energieeffizienz getrimmt. Bei der Watch Series 3 GPS + Cellular kommt dann natürlich noch die integrierte eSIM dazu. Zudem dient bei ihr das Display selbst als Sende- und Empfangselement.

All dies macht sich bei der alltäglichen Benutzung sehr deutlich bemerkbar, vor allem wenn man auch die ersten beiden Modelle der Apple Watch kennt: Die Apps starten schneller und die gesamte Bedienung der Watch ist flüssiger.
Archangel von hitzestau.com

Klar stellen Musik-Streaming und Telefongespräche auch für den Akku eine Herausforderung dar. Bei uns im Test hat eine Stunde Streaming zu einem Rückgang der Akkulaufzeit um rund acht Prozentpunkte geführt. Insgesamt hat der Akku bei uns aber immer für mindestens einen Tag gereicht.

Die Apple Watch Series 3 hat aber nicht nur mehr Leistung als ihre Vorgängerinnen, sie kann auch ihre Umgebung besser wahrnehmen: Apple hat die bisherigen Sensoren für um einen barometrischen Höhenmesser ergänzt.

Modelle der Series 3

Die aktuelle Apple Watch ist in verschiedenen Modellreihen und Editionen erhältlich.

  • Apple Watch Series 3
  • Apple Watch Nike+
  • Apple Watch Hermes
  • Apple Watch Edition

Neben der Series 3 wird auch die Series 1 weiterhin verkauft. Grundsätzlich ist Apple bei den beiden Gehäusegrössen 38 und 42mm geblieben. Auch bei den Gehäusematerialien findet man weiterhin Modelle aus Aluminium, Edelstahl oder Keramik. Beim Glas kommen wie bisher zwei verschiedene Materialien zum Einsatz: Saphirglas (Gehäuse aus Edelstahl oder Keramik) und das weniger kratzfeste Ion‑X Glas (Gehäuse aus Aluminium).

Quelle: Apple

Der Gewichtsunterschied zwischen Aluminium und Edelstahl ist beträchtlich. In Bezug auf ein 42mm-Modell beträgt er immerhin 17 Gramm – das Aluminum-Gehäuse wiegt 35 Gramm, das aus Edelstahl 52 Gramm.

Wir haben Erfahrungen mit beiden Gehäusen gesammelt: die 17 Gramm mögen auf dem Papier nicht nach viel aussehen, aber am Handgelenk ist der Unterschied deutlich spürbar. Die Alu-Version hat einen höheren Tragekomfort. Nur schade, dass es sie nicht mit dem kratzfesteren Saphirglas gibt.
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Die augenfälligste Veränderung von aussen ist die rote Digital Crown, mit der angezeigt wird, dass es sich um eine Apple Watch mit eSIM handelt. Allerdings passt das unserer Meinung nach nicht so schön zum sonst schlichten Design der Apple Watch.

Der Konfigurator auf der Apple-Webseite hilft dabei, sich einen Überblick über die verschiedenen Modellreihen und Editionen zu verschaffen.

Armbänder und Zubehör

Quelle: Apple

Das Ökosystem mit Armbändern und anderem Zubehör wächst kontinuierlich seit der allerersten Apple Watch. Auch hier verschafft ein Blick auf die Apple-Webseite eine Übersicht. Wie mit jeder neuen Watch-Generation, hat Apple auch diesen Herbst neue Armbänder lanciert: Die Sport Loops bestehen aus weichem und atmungsaktive, Nylongewebe und lassen sich mit einem Klettverschluss verliessen. Damit sind sie in der Länge sehr einfach anpassbar.

Was uns an der Apple Watch gefällt

Wie eingangs bereits gesagt, hat die Apple Watch Series 3 viel mehr zu bieten, als nur vom iPhone unabhängiges Streaming und Telefonieren – schliesslich gibt es ja auch ein Modell ohne Mobilfunkanbindung.

SMS auf der Apple Watch Series 3.
Quelle: Apple

Wir wollen in diesem Kapitel versuchen zu schildern, wie wir die Apple Watch im Alltag nutzen: Als Smartwatch hat die Apple Watch ja ganz verschiedene Einsatzbereiche. Sie ist eine Sportuhr, ein Aktivitätstracker sowie ein Gesundheitstool und ein genereller Alltags-Assistent.

In Verbindung mit watchOS 4 hält sie für alle Bereiche neue Funktionen und Hilfestellungen bereit. Das aufgeräumte Bedienungskonzept mit Dock und Kontrollzentrum, welches mit watchOS 3 eingeführt wurde, hat Apple beibehalten und verfeinert.

Für einfache Interaktionen wie Benachrichtigen der Apps ist die Watch sehr praktisch, um immer am Ball zu bleiben. Auch einfache Antworten lassen sich mit ihr verfassen und versenden, dazu muss man nicht immer das Smartphone hervornehmen. Auch das Bezahlen via Apple Pay ist denkbar einfach. Und manchmal achte ich auch auf den Aktivitätstracker und lasse mich ermuntern aufzustehen oder freue mich, wenn ich meine Ziele erreicht habe.
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Quelle: Apple

Als einzelne Anwendung ist die erweiterte Herzfrequenz-App für uns interessant, hier werden wir in Verbindung mit einem Blutdruckmessgerät und Health App auf dem iPhone im Januar nochmal dran anknüpfen.

Eine gute Verbesserung ist auch, dass die Remote-Funktion zum Steuern von Musik-Apps auf dem iPhone unter watchOS 4 jetzt auch mit Apps von Drittanbietern funktioniert. Auch das Entsperren von macOS-Geräten ist für uns aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Allerdings setzt Apple hier die Messlatte recht hoch an, da macOS High Sierra zwingend erforderlich ist, damit es funktioniert.

Mit der integrierten eSIM hat die Apple Watch in der Tat eine neue Dynamik bekommen, auch wenn sie nicht die erste Smartwatch mit eigener SIM-Karte ist. Das Gefühl, ein reines Anhängsel zum iPhone zu sein, ist damit ein Stück weit verloren gegangen. Damit kommt die Frage auf, ob sie das iPhone kannibalisieren kann.

Das Potential ist sicher da, kommt aber auf das individuelle Anwendungs-Szenario drauf an. Unterwegs ein Foto machen geht halt nach wie vor nur mit dem iPhone… aber man ist mit der Watch Series 3 schon näher an Michael Knight, Dick Tracy oder James Bond dran.
Archangel von hitzestau.com

Man muss ja auch nicht für jedes Gespräch zwingend die Apple Watch benutzen, die Entwicklung mit eSIM ist eher als Teil eines fortlaufenden Prozesses zu sehen – und die oben erwähnten fiktiven Vorbilder aus der Pop-Kultur, auf die wir in unserem Beitrag zur Geschichte der Smartwatch eingegangen sind, haben immer noch ihre Gültigkeit.

Die neue Unabhängigkeit hat aber auch ihre Grenzen: Die Apple Watch unterstützt kein Roaming, wobei das auch an den Telekommunikations-Anbietern liegt. Und für Einrichtung sowie Updates ist sie immer noch auf das iPhone angewiesen, mit dem sie gekoppelt ist.

Da Apple mit allen Geräten und Plattformen ein gut vernetztes Öko-System pflegt, wäre es ein Wunsch, dass die Watch in Zukunft auch mit anderen iOS- oder sogar macOS-Geräten gekoppelt werden kann.
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Fazit

Die Apple Watch Series 3 bringt im Alltag eine spürbare Verbesserung der Performance gegenüber ihren Vorgängern. Beim Modell mit integrierter eSIM ergeben sich neue Anwendungsmöglichkeiten und ein Stück mehr Unabhängigkeit vom iPhone. Auch watchOS 4 überzeugt mit Stabilität und vielen grösseren und kleineren Neuerungen.

Als Kritikpunkt an der Hardware können wir eigentlich nur vorbringen, dass es zu begrüssen wäre, wenn Apple alle Modelle mit dem kratzfesteren Saphirglas ausstatten würde. Dann hätte der Kunde die Wahl, ob einer leichtes Gehäuse und ein gut geschütztes Glas möchte. Schliesslich sind ja alle Varianten der Apple Watch technisch gesehen immer gleichwertig, es gibt kein explizites Einsteigermodell.

Kontinuität und Integration zählen zu den Stärken der Apple Watch: Die Vielfalt an Armbändern und anderem Zubehör ist über die Jahre gewachsen und sie ist hervorragend in die gesamte Erlebnis-Welt von Apple integriert.

Für neue Besitzer einer Apple Watch empfehlen wir das online verfügbare Benutzerhandbuch von Apple, hier werden Inbetriebnahme sowie alle Funktionen und Einstellungen sehr anschaulich erklärt.