Review

Hinter den Spiegel geschaut mit der Nikon Z7

Von Hitzestau - 12.09.2019

Inhaltsverzeichnis

Die Z7 gehört zusammen mit der Z6 zu den ersten spiegellosen Kameras mit Vollformat-Sensor, die Nikon im vergangenen Jahr vorgestellt hat. Wir stellen hier unsere praktischen Erfahrungen mit dem Kamera-System vor.

Die Entwicklung von der klassischen Spiegelreflex hin zu einer Kamera ohne den charakteristischen Schwing-Spiegel ist mehr als nur ein technisches Detail, es ist ein Paradigmen-Wechsel. Deshalb widmen wir diesem Thema das erste Kapitel, bevor wir dann anschliessend die Kamera selber vorstellen und auf unsere Erfahrungen und Testbilder eingehen.

Paradigmen-Wechsel

Der Schwing-Spiegel ist das Herzstück einer Spiegelreflex-Kamera. Denn er ermöglicht es dem Fotografen, und dies gilt für analoge wie für digitale Spiegelreflex-Kameras gleichermassen, via das Sucherokular direkt durch das Objektiv zu blicken. Gerade in Verbindung mit Kameras mit Wechselobjektiven ermöglicht das Spiegelreflex-System eine möglichst genau "Vorschau" des Motivs zu bekommen.

In den Anfängen der Fotografie waren so genannte Sucherkameras, bei denen Sucher und Objektiv zwei getrennte optische Systeme im Kameragehäuse darstellten, der Standard. Und auch heute stellen Sucherkameras immer noch eine eigene Kamera-Kategorie dar. Smartphones - und mit ihnen viele moderne Kompaktkameras - verzichten sogar komplett auf einen optischen Sucher. Hier nutzt man ausschliesslich das Display für die Vorschau auf das Bild, das man aufnehmen möchte.

Spiegellose Kameras sind also grundsätzlich gesehen nichts neues. Für die Spiegelreflex-Fotografie handelt es sich jedoch nach der Einführung des Auto-Fokus und der Digitalisierung um eine der grössten technischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte. Als Fotograf kann man zwar nach wie vor durch das Sucherokular schauen, aber man sieht nur noch ein kleines Display, der reale Blick durchs Objektiv entfällt: der rein optische Sucher ist durch einen digitalen abgelöst worden. Zudem entfällt das typische "Spiegelgeräusch" im Moment der Aufnahme, wenn der Spiegel nach oben geklappt wird.

Zu den Vorläufern von Kameras wie der Z7 gehört unter anderem die Nikon 1-Serie, die wir damals in einem ausführlichen Review vorgestellt haben. Als Systemkamera verfügte sie wie Spiegelreflex-Kameras über Wechselobjektive, zeichnete sich aber durch kleinere Sensoren und eine kompakte Bauweise von Gehäuse und Objektiven aus.

Die Entwicklung, bei der DSLR mit Vollformat-Sensor den Spiegel durch einen rein digitalen Sucher zu ersetzen, hat Hersteller Sony bereits im Jahre 2013 mit seiner A7 losgetreten. Nikon folgte im vergangenen Jahr mit den beiden Modellen Z7 und Z6. Für diesen Typ von Kamera haben sich verschiedene Abkürzungen eingebürgert, am geläufigsten ist DSLM, was für Digital Single Lens Mirrorless steht.

Die Kamera-Hersteller haben das spiegellose Konzept unterschiedlich umgesetzt. Wir wollen hier nicht auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Marken eingehen, sondern fassen einfach allgemein ein paar Vorteile zusammen: Durch den Wegfall des Spiegels wird es möglich, einen kompakteren und leichteren Kamera-Body zu bauen. Zudem verringert sich der Abstand zwischen Objektiv und Sensor. Manche Hersteller kombinieren dies mit einem Bajonett mit einem grösseren Durchmesser, um mehr Licht auf den Sensor leiten zu können.

Neben dem Schwing-Spiegel ist der mechanische Verschluss das zweite zentrale Element einer DSLR. Er ist in den meisten DSLM-Kameras auch weiterhin vorhanden. Dies hängt damit zusammen, dass CMOS-Sensoren Zeile für Zeile belichtet und ausgelesen werden. Um den digitalen Sucher oder das Display auf der Gehäuse-Rückseite mit den notwenigen Bildinformationen für den Fotografen versorgen zu können, ist der Verschluss bei DSLM-Kameras in der Regel offen. Er wird erst mit dem Drücken des Auslösers kurz geschlossen und dann wieder für die Belichtung geöffnet.

Die Nikon Z7 vorgestellt

Schauen wir nun in diesem Kapitel, wie Nikon die Idee einer DSLM mit der Z7 umgesetzt hat.

Quelle: Nikon

Body

Auf den ersten Blick sieht die Z7 wie eine "richtige" Spiegelreflex-Kamera aus. Von ihnen hat sie die Grundform des Bodies mit dem Griff auf der rechten Seite, auf dem der Auslöser sitzt, übernommen. Einen integrierten Blitz hat die Z7 nicht.

Body Nikon Z7
Quelle: Nikon

Das Gehäuse besteht aus einer Magnesium-Legierung und ist auffallend leicht im Vergleich zu einer DSLR. Es ist wie von Nikon gewohnt sehr sauber verarbeitet und sehr robust.

Beim Gewicht machen sich der Wegfall des Spiegels und der dazu gehörenden Mechanik durchaus bemerkbar. Der reine Body der Z7 (also ohne Akku und Speicherkarte) wiegt gerade mal 585 Gramm. Im Vergleich dazu ist die Nikon D850 über 330 Gramm schwerer, sie bringt 915 Gramm auf die Waage.

Quelle: Nikon

Bedienungskonzept

Und auch in einem weiteren Punkt hat Nikon viel von den seinen bisherigen DSLR-Modellen übernommen: es geht um das grundlegende Bedienungskonzept und den Aufbau der Menüs. Als Fotograf muss man also weder betreffend der Bedienung umgewöhnen noch bei der Ergonomie irgendwelche Abstriche machen.

Die Eckpfeiler der Bedienung bei der Z7 sind das vordere und das hintere Einstellrad (rechts im Bild) sowie das Funktionswählrad (links im Bild).

Display mit wichtigsten Informationen. Funktionswählrad. Auslöser, vorderes Einstellrad
Quelle: Nikon

Mit den Einstellrädern lassen sich Belichtungszeit und Blende einstellen und in Kombination mit anderen Tasten zusätzliche Veränderungen der Einstellungen vornehmen.

Display und Bedienungs-Elemente wie Info-Taste und Multifunktionswähler
Quelle: Nikon

Auf der Rückseite gehört im weiteren der so genannte Sub-Wähler dazu, er funktioniert wie ein kleiner Joystick, um das Fokusmessfelds zu verschieben. Mit der i-Taste (Info-Taste) bekommt man einen schnellen Zugriff auf häufig benötigte Einstellungen. Der Multifunktionswähler und die OK-Taste um durch die Menüs zu navigieren sind ebenfalls alte Bekannte. Viele Einstellungen lassen sich zudem direkt auf dem Touchdisplay aufrufen. Es lässt sich herausklappen und nach oben und unten kippen.

Quelle: Nikon

In den Griff integriert sind das Fach für die Speicherkarte und den Akku.

Fach für Speicherkarte. Akku
Quelle: Nikon

Auf der linken Gehäuseseite der Z7 sind die Schnittstellen platziert, welche alle mit Gummilaschen abgedeckt sind: Kopfhörer, Mikrophon, USB, HDMI, Zubehör-Anschluss

Schnittstellen sind abgedeckt
Quelle: Nikon

Sucher

Das OLED-Display im Sucher hat eine Diagonale von 1.27 cm (0.5 Zoll) und besitzt rund 3.7 Millionen Bildpunkte. Es verfügt über eine automatische sowie eine manuelle Steuerung der Helligkeit. Zudem lassen sich die wichtigsten aktuellen Aufnahmeeinstellungen einblenden. Das Sucherbild kann so eingestellt werden, dass es die gewählten Belichtungseinstellungen bereits berücksichtigt. Die andere Variante ist eine Bilddarstellung, was mehr den Eigenschaften eines optischen Suchers entspricht.

Bajonett und Objektive

Was die Z-Modelle optisch wie technisch klar von den DSLR-Modellen von Nikon abhebt, ist ihr Bajonett. Für die Z6 und Z7 hat Nikon ein neues Bajonett entwickelt. Das ist ein ziemlich bedeutsamer Schritt, wenn man bedenkt, dass das so genannte F-Bajonett von Nikon im Jahre 1959 eingeführt wurde.

Das neue Z-Bajonett misst 55 Millimeter in der Diagonale, was einem Zuwachs von elf Millimetern gegenüber dem F-Bajonett entspricht. Laut den Nikon-Ingenieuren hat dies den Vorteil, dass mehr Licht auf den Sensor geleitet werden kann. Zudem beträgt der Abstand zwischen Bajonettauflage und Sensor gerade mal noch 16 Millimeter. Das ist natürlich nur möglich, weil es im Kamera-Gehäuse keinen Schwing-Spiegel mehr hat, der Platz beansprucht.

Für die Z-Reihe hat Nikon eine neue Linie von Objektiven ins Leben gerufen, die NIKKOR-Z. Diese zeichnen sich durch eine kompaktere und leichtere Bauweise gegenüber den Objektiven der AF-S Palette aus, die für das F-Bajonett geeignet sind. Noch ist die Anzahl der NIKKOR-Z Objektive relativ überschaubar. Nikon baut dies jedoch kontinuierlich aus.

Der Zugriff auf eine grosse Palette an Objektiven ist ja auch ein Kaufkriterium bei der Wahl einer Systemkamera. Nikon trägt dem Rechnung und bietet den so genannten Bajonettadapter FTZ an, mit dem alle AF-S-Objektive (F-Bajonett) angeschlossen werden können.

Quelle: Nikon

Er ist nicht einfach nur ein Adapter von 55 auf 44 Millimeter Bajonett-Durchmesser, sondern er vergrössert den Abstand zwischen Objektiv und Sensorebene auf dieselbe Distanz wie bei einer DSLR-Kamera (46.5 mm). Und da es sich bei der Z7 / Z6 und den FX-DSLR’s (zum Beispiel D5, D850) um Kameras mit einem Vollformat-Sensor handelt, muss man sich auch um das Thema Cropfaktor keine Gedanken machen.

Quelle: Nikon
Quelle: Nikon

Autofokus

Der Autofokus der Nikon Z7 besitzt 493 Messfelder und ein so genanntes Hybrid-System, welches bei der Fokussierung automatisch zwischen Autofokus mit Phasenerkennung und Autofokus mit Kontrasterkennung umzuschalten kann. Die Sensoren für die Phasenerkennung sind direkt in Bildsensor integriert.

Bildstabilisator

Die Z7 verfügt über einen Bildstabilisator, der in den Kamera-Body integriert ist. Dies stellt für Nikon eine Neuheit dar, denn bisher waren die Stabilisatoren in die Objektive integriert gewesen. Bei Systemen, die ins Objektiv integriert sind, werden Linsen hin- und herbewegt, um Schwingungen auszugleichen. Bei der Z7 wird hingegen der Bild-Sensor bewegt um das gleiche Ziel zu erreichen. Die Z7 verfügt dafür über ein Gyroskop, welches Bewegungen entlang von fünf Achsen kompensieren kann.

Die Wirksamkeit gibt Nikon mit einer ungefähr fünf Lichtwertstufen kürzeren Belichtungszeit an. Als Folge davon ist es möglich, die Z-Objektive kompakter und damit auch leichter zu bauen.

Wenn man Objektive ohne eigenen Bildstabilisator verwendet, profitiert man natürlich am meisten von dieser Neuerung. Objektive mit integriertem Bildstabilisator (bei Nikon mit der Bezeichnung VR versehen) können ohne Einschränkungen mit dem FTZ-Adapter an der Z7 verwendet werden.

Speicherkarte

Um Aufnahmen zu speichern, nutzt die Z7 XQD-Speicherkarten. Im Body bietet sie dafür einen Slot. Dieser relativ neue Typ von Speicherkarten bietet gegenüber den weit verbreiteten SD-Karten einige Vorteile. Da sie einen anderen Typ von Speicher verwenden, können XQD-Karten die Daten mit einer viel höheren Geschwindigkeit schreiben und lesen (Lesen: 440MB/s, Schreiben: 400MB/s). Dies macht sich nicht nur beim Abspeichern von Serien-Aufnahmen bemerkbar, sondern auch später beim Übertragen auf einen PC oder Notebook. Hierfür wird natürlich ein spezieller USB-Adapter benötigt. XQD-Speicherkarten sind zwar grösser als SD-Karten, aber auch stabiler gebaut und ihre Kontakte sind besser gegen Beschädigungen, Staub und elektrostatischen Entladungen geschützt.

Aktuell werden je nach Hersteller Speichergrössen von 32 GB bis 256 GB angeboten. Die Preise für eine Karte mit 64 GB liegen aktuell bei rund CHF 151.00 (mit Preissuchmaschine toppreise.ch) oder bei EURP 126.00 (mit Preissuchmaschine idealo.de). Die ebenfalls benötigten USB-Cardreader beginnen preislich bei CHF 44.00 (toppreise.ch) und EURO 17.00 (idealo.de).

Lieferumfang und Zubehör

Aus der Reihe der Z-Kameras gibt es aktuell zwei Modelle: die Z7, die wir hier vorgestellt haben und die Z6, welche sich unter anderem punkto maximaler Auflösung (24,5 MP) von der Z7 unterscheidet. Vieles was wir hier geschrieben haben, gilt jedoch für beide Kameras.

Zum Lieferumfang der Z7 gehören:

  • Trageriemen AN-DC19
  • Gehäusedeckel BF-N1 für Nikon-Kameras mit Z-Bajonett
  • Abdeckung des Zubehörschuhs BS-1
  • Augenmuschel DK-29
  • Netzadapter mit Akkuladefunktion EH-7P
  • Lithium-Ionen-Akku EN-EL15b
  • Akkuladegerät MH-25a
  • USB-Kabel UC-E24

Der Bajonettadapter FTZ gehört nicht zum standardmässigen Lieferumfang.

Die Z7 wird in verschiedenen Kits mit entweder dem NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S oder dem NIKKOR Z 14–30 mm 1:4 S angeboten, wahlweise mit oder ohne dem Bajonettadapter FTZ.

Von Nikon und Drittanbietern steht eine umfangreiche Auswahl an Zubehör zur Verfügung. Zum wichtigsten Zubehör gehört natürlich die gesamte Objektiv-Palette, welche von Nikon selbst (NIKKOR-Z und AF-S mit F-Bajonett) sowie kompatiblen Drittherstellern angeboten wird. Wer Blitzaufnahmen mit der Z7 machen möchte, braucht auf jeden Fall ein kompatibles Blitzgerät.

Technische Spezifikationen

  • Bajonettanschluss: Nikon-Z-Bajonett
  • Effektiver Bildwinkel: FX (Vollformat)
  • Bildsensor: CMOS (35,9 x 23,9 mm)
  • Effektive Auflösung: 45,7 Millionen Pixel
  • Maximale Bildgrösse: 8256 x 5504 Pixel (FX-Format)
  • Dateiformat: NEF (RAW) / TIFF / JPG
  • Bildverarbeitungs-Engine: Expeed 6
  • Speicherkarte: XQD-Karten (1 Fach)
  • Sucher: 0,5 Zoll / 1,27 cm OLED Display mit ca. 3,69 Millionen Pixeln
  • Verschlusstyp: mechanischer Schlitzverschluss mit elektronischer Steuerung / elektronischer Verschluss
  • Bildrate: maximal 9 Bilder/sec
  • Belichtungsmessung: TTL-Belichtungsmessung
  • Messsystem: Matrixmessung / Mittenbetonte Messung /Spotmessung / Lichterbetonte Messung
  • Belichtungssteuerung: Automatisch, Programmautomatik (P), Blendenautomatik (S), Zeitautomatik (A), manuelle Belichtungssteuerung (M)
  • ISO-Empfindlichkeit: ISO 64 bis 25 600
  • Autofokus: 493 Messfelder (Hybrid-AF mit Phasen- und Kontrasterkennung)
  • Bildstabilisator: Bildstabilisator mit beweglichem Bildsensor (Sensor-Shift-VR mit 5 Achsen)
  • Blitzsteuerung: TTL
  • Zubehörschuh: Normschuh ISO 518
  • Max. Bildgrösse Video: 3840 x 2160 (4K UHD) 30p
  • Dateiformat Video: MOV / MP4
  • Komprimierung Video: H.264/MPEG-4
  • Ton Video: PCM linear / ACC (integriertes Stereomikrofon)
  • Display: Neigbares TFT-Touchscreen-LCD mit Bilddiagonale 8 cm (3,2 Zoll) und ca. 2,1 Millionen Pixel
  • Anschlüsse: USB-C / HDMI / 3,5mm Klinke / Zubehöranschluss
  • Wi-Fi: IEEE 802.11b/g/n/a/ac
  • Bluetooth: 4.2
  • Akku: Lithium-Ionen-Akku (Typ EN-EL15b)
  • Abmessungen (H x B x T): ca. 100,5 x 134 x 67,5 mm
  • Gewicht: 585 g / 675 g mit Akku und Speicherkarte
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Bildquellen:
Teaser-Bild: Nikon
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