Fotografieren mit dem Oppo Find X5 Pro

Fotografieren mit dem Oppo Find X5 Pro

Von Hitzestau - 22.08.2022

Im Oppo Find X5 Pro steckt viel kreative Power für Foto- und Videoaufnahmen. Gleichzeitig bietet es eine Hommage an den legendären Kamerahersteller Hasselblad. Wie das beides zusammenspielt, zeigt unser Erfahrungsbericht.

Die Kombination von Historie und Moderne hat uns schon immer interessiert. Beim diesjährigen Smartphone-Flaggschiff vom Hersteller Oppo, dem Find X5 Pro, sind es die Stichworte “Hasselblad” und der neue NPU-Chip “MariSilicon X” (Neural Processing Unit), welche beide das Kamera-Erlebnis prägen sollen.

Quelle: Oppo

Das chinesische Unternehmen Oppo und das legendäre schwedische Kamera-Hersteller Hasselblad haben anfangs dieses Jahr eine mehrjährige Zusammenarbeit vereinbart. Das Ziel ist es, Aspekte der Bildverarbeitung und Farbwiedergabe für Fotografie und Video weiter zu entwickeln.

Für uns war dies eine willkommene Gelegenheit, Oppo als Smartphone-Hersteller kennenzulernen und insbesondere die Kamera-Features zu testen. Das Oppo Find X5 Pro ist sehr stark auf Computational Photography ausgerichtet. Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass digitale Aufnahme- und Bearbeitungstechniken die optischen und chemischen Verfahren der klassischen analogen Fotografie ablösen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Kamera intern von einem Motiv mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Einstellungen macht und diese dann zu einem fertigen Bild zusammensetzt.

Das Find X5 Pro verfügt zwar über Kameras bzw. Linsen mit unterschiedlichen Brennweiten, aber diese treten je nach Aufnahme-Modus in den Hintergrund. Software und der NPU-Chip übernehmen die Arbeit. Wie sich das aufs Fotografieren auswirkt, wollen wir im folgenden Bericht auf den Grund gehen.

Quelle: Oppo

Ausstattung

Das Oppo Find X5 Pro ist mit drei Kameras auf der Rückseite ausgestattet sowie einer Selfie-Kamera auf der Vorderseite. Für unseren thematischen Schwerpunkt Fotografie haben wir uns auf das Kamera-System auf der Rückseite konzentriert. Diese drei unterscheiden sich nicht nur in den Brennweiten, sondern sind auch sonst sehr unterschiedlich ausgestattet. Wie dies beim Fotografieren zum Tragen kommt, werden wir dann später anschauen, hier fassen wir erst mal nur um die rein technischen Aspekte zusammen.

Quelle: Oppo

Ultra-Weitwinkel:

  • Brennweite: 3.46 mm (entspricht Kleinbild 15 mm)
  • Blende: f/2.2
  • Sensor: 50 MP / 1/1.56 Zoll / Sony IMX 766 Sensor
  • All Pixel Omni-Directional PDAF / Macro bis 4 cm

Weitwinkel:

  • Brennweite: 5.97 mm (entspricht Kleinbild 24 mm)
  • Blende: f/1.7
  • Sensor: 50 MP / 1/1.56 Zoll / Sony IMX 766 Sensor
  • All Pixel Omni-Directional PDAF / Dual-OIS 5-Achsen-Stabilisierung

Tele:

  • Brennweite: 6.25 mm (entspricht Kleinbild 52 mm)
  • Blende: f/2.4
  • Sensor: 12 MP
  • Optisches 5x Hybrid-Zoom

Zwischen allen drei Fix-Brennweiten lässt sich nahtlos hin- und herzoomen. Der maximale Zoomfaktor liegt bei 20x. Oppo hat beim maximalen Zoomfaktor ein interessantes Detail eingefügt: Um bei einer so starken Ausschnitt-Vergrösserung die Orientierung im Bild nicht zu verlieren, wird in einem kleinen Fenster ein Übersichtsbild eingeblendet, wie Ihr am folgenden Beispiel mit der Reihe von Bäumen und dem herangezoomten Zweig sehen könnt.

HDR-Videos kann das Kamera-System in 4K-Auflösung mit maximal 60 FPS aufnehmen. Das so genannte Binaural Recording sorgt dabei für eine klare Aufzeichnung von Stimmen und reduzierte Hintergrundgeräusche. Gespeichert werden alle Foto- und Video-Aufnahmen im High Efficiency Image File Format (HEIF). Beim Fotografieren stehen auch JPG und DNG (RAW) zur Verfügung.

Im Find X5 Pro verrichtet ein Qualcomm Snapdragon 8 Gen 1 seine Arbeit. Oppo hat ihm eine selber entwickelte Neural Processing Unit zur Seite gestellt, den MariSilicon X. Seine Aufgabe ist es, für eine bessere Bild-Qualität und Farbwiedergabe bei Videos und Fotos zu sorgen. Die Weitwinkel- und Ultraweitwinkel-Kameras bezeichnet Oppo als “Dual-Hauptkamerasystem”. Im Gegensatz zur Tele-Kamera sind sie mit einem 50 MP Sensor ausgestattet und verwenden Pixel-Binning um eine bessere Abbildungsqualität zu erreichen. Bei Pixel-Binning werden mehrere einzelnen Pixel zu einem grösseren kombiniert, um mehr Licht einfangen zu können und das Bildrauschen zu reduzieren. Die Linsensysteme enthalten zudem Elemente aus Glas, um eine bessere Farbwiedergabe zu erreichen und chromatische Aberration (unsauberer Farbverlauf entlang von Kanten) bei der Aufnahme zu reduzieren. Um Verwacklungen zu verhindern, ist die Weitwinkel-Kamera mit einem Fünf-Achsen-OIS-System ausgestattet.

Quelle: Oppo

Der “Hasselblad”- Schriftzug auf der Rückseite des Geräts ist nicht zu übersehen. Aber es handelt sich beim Kamera-System nicht um Hardware von Hasselblad. Der Beitrag des schwedischen Kamera-Herstellers steckt in Software-Optimierungen für die Farbkalibration und den drei Farbfiltern “Radiance”, “Serenity” und “Emerald”, die man auswählen kann. Der XPan-Modus in der Kamera-App ist eine Hommage an die XPan-Baureihe, die im Jahre 1998 vorgestellt wurde. Auf beide Aspekte werden wir in einem der folgenden Kapitel näher eingehen. Zudem soll auch der spezielle Auslöseton beim Fotografieren dem Geräusch einer Hasselblad-Kamera nachempfunden sein.

Auch mit den weiteren Ausstattungs-Features macht das Find X5 Pro einen sehr guten Eindruck. Das 6.7 Zoll grosse AMOLED-Display (QHD+ 3216 × 1440 / 525 ppi) mit einer Bildwiederholrate von 120 Hz liefert ein flüssiges Bedienungserlebnis und zeigt alle Inhalte gestochen scharf und mit einer sehr angenehmen Farbwiedergabe an. Der 5000 mAh-Akku hat uns auch bei längeren Foto-Ausflügen und maximaler Display-Helligkeit nie im Stich gelassen. OPPO´s Nutzeroberfläche ColorOS in der Version 12 gefällt uns als sehr intuitiv und nutzerfreundlich.

Quelle: Oppo

Wortwörtlich abgerundet wird der gute Eindruck vom Design des Kamera-Moduls auf der Rückseite aus Keramik, welches sich mit einer eleganten Wölbung hervorhebt.

Fotografieren im Foto-Modus

Wie bei anderen Smartphones auch, ist der Foto-Modus der vorinstallierten Kamera-App gut geeignet, sich mit dem Gerät und der App vertraut zu machen. Zudem ist er ein Allrounder, der grundsätzlich mit allen Licht- und Aufnahme-Situationen klar kommt. Aufnahmen werden mit 10 bit Farbtiefe aufgenommen, sofern sie als HEIC gespeichert werden. Die Auflösung beträgt 4096 x 3072.

Das Interface der Kamera-App sieht sehr aufgeräumt aus.

Etwas irritierend ist allerdings, dass das der Slider für die Einstellungen zu Macro, Timer und Seitenverhältnis nur im Hochformat angezeigt wird. Wenn man allerdings hauptsächlich im Hochformat fotografiert, spielt dies kaum eine Rolle.

Grundlegende Funktionen wie HDR oder die KI-Szenenoptimierung sind einfach auf der linken Seite erreichbar. Die Funktion 1:1-Aufnahmen mit der vollen Sensorauflösung von 8192 x 6144 zu machen, ist ebenfalls dort untergebracht. Wie man auf dem Screenshots ebenfalls sehen kann, stehen im Foto-Modus alle drei Rückseiten-Kameras zur Verfügung.

Wenn man HDR so einstellt, dass es immer aktiv sein soll, geht die Einstellung trotzdem immer wieder auf HDR Auto zurück, wenn man das Gerät sperrt und wieder erneut entsperrt.

Es ist ärgerlich, das die HDR-Einstellung sich immer wieder verstellt. Es empfiehlt sich daher immer wieder überprüfen, ob HDR noch wie gewünscht aktiv ist oder nicht.
Archangel

Lösen liessen sich dies mit einem Software-Update von Seiten Oppo.

Im folgenden haben wir ein paar Aufnahmen zusammengestellt, die mit dem Photo-Modus der Kamera-App entstanden sind. Sie sind nicht nachbearbeitet und immer mit aktivem HDR aber ohne KI-Szenenoptimierung aufgenommen. Der Auto-Fokus hat uns dabei nie im Stich gelassen, er arbeitet immer präzise und schnell.

Beginnen wir mit einer Auswahl von Motiven bei Sonnenschein und Gegenlicht.

Farbwiedergabe und Kontrast überzeugen, Hardware und Software von Oppo leisten hier gute Arbeit.
Archangel

Der Foto-Modus hat die Tendenz bei goldener oder blauer Stunde aufgenommene Stimmungsbilder aufzuhellen, so dass es passieren kann, dass die eigentliche Lichtstimmung auf der Aufnahme nicht mehr so herüberkommt, wie man sie vor dem realen Auge erlebt hat. Hierzu ein Beispiel:

Um die Stimmung korrekt einzufangen, muss man die Helligkeitskorrektur verwenden um die Helligkeit der Aufnahme leicht nach unten korrigieren. Hat man die Helligkeit angepasst, muss man sich allerdings sehr beeilen den Auslöser zu drücken, denn die Kamera-App springt sehr schnell auf die Standard-Helligkeit zurück.

Im Foto-Modus hat Oppo zudem die Möglichkeit integriert, Makro-Aufnahmen zu machen. Die Einstellungen für Makro aktivieren sich automatisch, wenn man das Smartphone dicht an ein Objekt heranhält.

Im Display wird dann oben der Hinweis “Makro” eingeblendet. In dieser Betriebsart nutzt das Find X5 Pro ausschliesslich die Ultraweitwinkel-Kamera. Zudem steht eine Zoom-Stufe zur Verfügung wenn man einen etwas engeren Bildausschnitt wünscht.

Hier haben wir nochmals ein paar Bilder mit verschiedenen Lichtstimmungen zusammengestellt. Es lohnt sich auf jeden Fall, gegebenenfalls mit der Belichtungskorrektur zu arbeiten, nur schon eine leichte Reduzierung der Helligkeit kann viel bewirken.

Kreativ leicht gemacht

Ebenfalls in den Foto-Modus integriert sind drei spezielle Farbfilter, die so genannten “Hasselblad Master Styles”. Diese wurden in Zusammenarbeit mit Hasselblad entwickelt und werden als “Radiance”, “Serenity” und “Emerald” bezeichnet.

Die Filter stehen ausser im Foto-Modus auch im Portrait- sowie im Long Exposure-Modus zur Verfügung. Die folgenden vier Aufnahmen zeigen die Filter in der praktischen Anwendung. Das erster Bild ist ohne Filter aufgenommen, die weiteren dann mit den drei Filtern in der oben genannten Reihenfolge.

Ausser diesen drei Hasselblad-inspirierten Filtern findet man in der Kamera-App noch über ein Dutzend weitere vordefinierte Filter. “Radiance”, “Serenity” und “Emerald” müssen vor der Aufnahme ausgewählt werden, für eine nachträgliche Bildbearbeitung stehen sie nicht zur Verfügung.

XPan ist eine weitere kreative Funktion, die an Hasselblad angelehnt ist. Es handelt es sich um einen eigenständigen Modus innerhalb der Kamera-App. Wenn man ihn auswählt, wechselt das gesamte Interface auf diese Ansicht:

Der XPan-Modus ist so etwas wie eine fix vordefinierte Panorama-Funktion.

Er ist an die XPan-Kamera von Hasselblad aus dem Jahre 1998 angelehnt. Sie konnte Panorama-Aufnahmen auf herkömmlichen 35mm-Film aufnehmen. Dementsprechend bringt dieser sehr spezielle Aufnahme-Modus dieses Konzept ins digitale Zeitalter: Die Bilder haben eine Auflösung von 7872 x 2916 Pixel, zum Einsatz kommt ausschliesslich die Weitwinkel-Kamera. Abgespeichert werden die Aufnahmen als JPG. Im Interface stehen ein Farb- und ein Schwarz-Weiss Modus zur Verfügung. Ein gewisser körniger Vintage-Stil ist ebenfalls vordefiniert.

Bewusst mit dem XPan-Modus zu fotografieren ist eine kreative Herausforderung, da sich nicht jedes x-beliebige Motiv für dieses spezielle Bildformat gleich gut eignet. Wir haben hier ein paar unserer Versuche zusammengestellt. Auffallend ist, dass Schwarz-Weiss-Bilder meist eine bessere optische Wirkung entfalten als in Farbe.

Es war besonders reizvoll, bei einem Ausflug mal nur Motive zu suchen, die für den speziellen XPan-Modus geeignet sind.
Archangel

Long Exposure ist ein weiterer spezieller Modus, den wir hier kurz vorstellen wollen. Mit ihm lassen sich bewegende Objekte wie Fahrzeuge oder fliessendes Wasser aufnehmen. Die Aufnahme-Dauer kann mehrere Sekunden betragen. Trotzdem wird der Bild-Hintergrund nicht verwackelt dargestellt, auch sind die Aufnahmen nicht überbelichtet, wie es beim rein manuellen Fotografieren der Fall wäre. Interessant ist auch, dass die Bilder auch aus der freien Hand gut gelingen.

Das Interface ist sehr einfach gehalten, Oppo bietet Voreinstellungen für bestimmte Motiv-Typen an (Fahrende Fahrzeuge / Wasser und Wolken / Lichtmalerei). Mit einem Regler kann man die gewünschte Zeit einstellen, hier lohnt es sich etwas zu experimentieren, bis man das optimale Resultate erzielt hat.

Was sonst rein manuell viel Experimentieren und ein Stativ erfordert, hat Oppo in einen einfach zu benutzenden Modus gepackt, der on-the-go funktioniert.
Archangel

Im Long Exposure-Modus stehen nur die Ultraweitwinkel- und die Weitwinkel-Kamera zur Verfügung. In ihm steckt aber viel mehr als nur vorbeifahrende Trams oder fliessendes Wasser in einem Bach zu fotografieren. Ein Blick auf Twitter (Link: #OPPOMotion) oder Instagram (Link: #OPPOMotion) zeigt die kreativen Leistungen von Find X5 Pro-Nutzern.

Lichter der Nacht

Mit dem Thema Aufnahmen bei Nacht sind wir mit unserem Erfahrungsbericht dort angelangt, wo Hersteller Oppo einen Schwerpunkt in seiner Kommunikation legt. Wir schauen uns in diesem Kapitel Fotografie und Video an, da viele technische Informationen für beides gelten. Aber wir wollen auch aufpassen und vor lauter Technik nicht die Freunde an den gelungen Aufnahmen aus den Augen verlieren. Deshalb hier erstmal zwei besonders gelungene Aufnahmen:

Der Nacht-Modus der Kamera-App nutzt nur die Ultraweit- und die Weitwinkel-Kamera. Die Aufnahmen können mit 10 bit-Farbtiefe als HEIC gespeichert werden. Für Foto- und Video-Aufnahmen bei nächtlichen Lichtverhältnissen kann der MariSilicon X gemäss Hersteller Oppo seine Stärken ausspielen: Mit seiner Rechenleistung sorgt er für eine höhere Auflösung, weniger Körnigkeit und Rauschen sowie eine verbesserte Farbwiedergabe.

Hier ein paar weitere Bilder:

Häufig wird der Himmel bei Nacht nicht so richtig dunkel oder schwarz abgebildet. Hier ein Beispiel, bei dem es der Kamera gut gelungen ist.

Vereinfacht gesagt bemühen sich Linsen und Chip soviel wie möglich Licht einzusammeln und schaffen damit Bilder die in sich gesehen sehr beindruckend und schön sind. Aber sie bilden die Welt nicht so ab, wie man sie als Fotograf vor dem realen Auge in dem Moment, wo man das Bild gemacht hat, gesehen hat.

Nacht-Modus Aufnahmen mit Smartphones - und das gilt nicht nur für Oppo - schaffen mit Software und KI-Algorithmen eine eigene Bild-Ästhetik und Stil. Das sollte man wissen, wenn man fotografiert.
Archangel

Als reiner Betrachter kann man sich von solchen Bildern ins Stauen versetzen lassen. Auch dieses folgende Bild wirkt aufgehellt, wobei definitiv kein Blitz zum Einsatz kam (1/13 Sekunde, ISO 7600).

Je nach Aufnahme-Situation kann das Aufnehmen eines Bildes im Nacht-Modus sechs oder sieben Sekunden dauern. Es wird ein Hinweis eingeblendet, man solle das Gerät möglichst ruhig halten. Auf dem Display kann man beobachten, wie nacheinander mehrere hellere und dunklere Frames aufgenommen werden, dazu läuft ein Timer rückwärts bis der Prozess beendet ist.

Das zusammengesetzte Resultat sind Aufnahmen mit sehr niedrigen ISO und sehr wenig Rauschen. Unsere Testbilder zeigen jedoch deutliche sichtbare Verwacklungsunschärfen. Der optische Bildstabilisator der Weitwinkelkamera kommt hier an seine Grenzen. Beide folgenden Bilder sind gemäss der Exif-Metadaten mit ISO 100 aufgenommen, die Belichtungszeiten werden mit 1.1 Sekunden (erstes Bild) und 0.5 Sekunden (zweites Bild) angegeben. Da die Aufnahmen aus mehreren einzelnen Frames zusammen gesetzt sind, dürften diese Angaben nur eine beschränkte Aussagekraft haben.

Da das Find X5 Pro auch bei deutlich höheren ISO-Werten nur wenig Rauschen zeigt, sind Aufnahmen mit kürzeren Belichtungszeiten natürlich schärfer, wie zum Beispiel dieses hier (1/13 Sekunde, ISO 3200).

Auch bei diesen beiden Aufnahme sieht man wenig Rauschen (erstes Bild: 1/13 Sekunde, ISO 6600. zweites Bild: 1/13 Sekunde, ISO 8256).

Mit über ISO 18000 reizt diese Aufnahme das Thema Rauschen und Körnigkeit schon sehr stark aus, aber wenn man bedenkt es wurde aus freier Hand mit 1/7 Sekunde aufgenommen, kann man sich von der eingefangenen Stimmung nur in Stauen versetzen lassen.

Mit der folgenden Aufnahme wollen wir den Teil zum Thema Fotografieren bei Dunkelheit abschliessen. Hier schafft das Find X5 Pro eine sehr schöne Balance aus leichter Aufhellung und der feinen Struktur der Wasseroberfläche (1/Sekunde, ISO 700).

Kommen wir nun zu den Video-Aufnahmen. Auch hier uns das Find X5 Pro sehr positiv überrascht. Generell liegt die maximale Qualität bei 4K (3840 x 2160) und 60 FPS. Zudem können links im Interface noch KI-gestützte Bildverbesserungen aktiviert werden.

Während der Aufnahme ist ein stufenloses Zoomen möglich, die Aufzeichnung wechselt ohne sichtbaren Übergang von der Ultraweitwinkel- zur Weitwinkelkamera. Auch hier bevorzugt Oppo die beiden gut ausgestatteten Kameras. Wer explizit die Tele-Linse verwenden will, kann dies im so genannten Film-Modus tun.

Eines unserer Testvideos haben wir bei Nacht in der Umgebung des Bahnhofs mit viel Kunstlicht aufgenommen: Es zeigt eine ausgewogene Belichtung, Farben und Details werden bei 4K recht sauber dargestellt. Im Gegensatz zur reinen Fotografie haben wir nur eine geringe Tendenz die Szene aufzuhellen beobachtet.

Die Stabilisierung der Weitwinkel-Kamera soll ruhige Aufnahmen sorgen. Das folgende Video ist vom Fahrrad aus aufgenommen. In den ersten 10 Sekunden sieht man deutlich, wie der Bildstabilisator mit dem unebenen Kiesweg an seine Grenzen kommt, auf dem Asphalt wird das Bild deutlich ruhiger.

In diesem Video haben wir die Kamera mit schnellen Wechseln zwischen hell und dunkel herausgefordert. Im Inneren des Unterstandes war es komplett dunkel, dementsprechend deutlich sieht man auch Bildrauschen, welches dann wieder weniger wird, sobald das Video wieder in die Landschaft hinaus schwenkt. Im Gegensatz zum ersten Video versucht die Kamera hier massiv das Bild aufzuhellen.

Das Gesamtpaket aus Kamera und interner Bearbeitung im NPU-Chip hat uns beim Fotografieren und bei Videos bei Dämmerung und Nacht überzeugt. Je nach Motiv und Licht-Stimmung erzeugt das Find X5 Pro sehr eindrückliche Aufnahmen - auch wenn diese nicht immer ganz der Realität entsprechen.
Archangel

RAW-Aufnahmen

Im Pro-Modus bietet sich die Möglichkeit, RAW-Bilder im DNG-Format aufzunehmen und dabei mehr Parameter wie ISO, Belichtungszeit oder Weissabgleich manuell einstellen. Oppo verfolgt mit dem ganzen Pro-Modus ein etwas eigenwilliges Konzept, welches wir hier erstmal einfach vorstellen wollen:

Als erstes muss man wissen, dass Oppo zwischen zwei Arten von RAW unterscheidet: RAW und RAW+. Bei RAW+ werden mehrere Frames in ein Bild kombiniert, um mehr Details und einen höheren Dynamik-Umfang (HDR) aufzunehmen. Die Berechnungen dafür finden im MariSilicon X statt.

Zwischen den beiden Modi kann sehr einfach gewechselt werden.

Der normale RAW-Modus erzeugt wie gewohnt ein DNG-File und zusätzlich ein JPG oder HEIC, je nachdem was in den Einstellungen eingestellt ist. Wechselt man auf RAW+ wird jedoch nur ein DNG abgespeichert.

Von den drei Kameras auf der Rückseite kommt im Pro-Modus nur die Weitwinkel-Linse zum Einsatz, was logischerweise bedeutet, dass man für die Bildgestaltung auf Ultraweitwinkel-Aufnahmen verzichten muss. Zusätzlich zum Bildwinkel der Weitwinkel-Linse sind zwei Zoom-Stufen (2x und 5x) möglich. Der Zoom-Effekt wird aber nur im JPG oder HEIC effektiv abgebildet, die DNG sehen unabhängig vom Zoom-Faktor immer gleich aus. Abgespeichert werden die Aufnahmen immer mit einer Auflösung von 4096x3072. Wechselt man zu RAW+, stehen keine Zoom-Stufen mehr zur Verfügung.

So sehen die drei Zoom-Stufen bei RAW aus:

Die anderen Parameter (ISO, Zeit, EV, Fokus, WB) lassen sich sehr einfach beim Fotografieren via Slider einstellen. Hier die Belichtungskorrektur als Beispiel:

Mit all den Einstellungen-Möglichkeiten ist der Pro-Modus natürlich weniger gut für Situation geeignet, bei denen man schnell reagieren muss, um eine Aufnahme zu machen. Das Interface ist zwar einfach aufgebaut, die Bedienungs-Ergonomie bleibt halt wie bei allen Smartphones ein Problem: Das Gerät mit beiden Händen ruhig halten und gleichzeitig auf dem Display mit einem Slider die Belichtungskorrektur anpassen ist nicht gerade optimal.

Darauf ob normales RAW oder RAW+ die “besseren” Dateien liefert, wollen wir gar nicht erst eingehen - dass soll jeder mit seinen Lieblingsmotiven und seiner bevorzugten Nachbearbeitungs-Software selber herausfinden. Wichtig ist einfach, dass man die technischen Unterschiede zwischen den beiden Arten kennt. Deshalb verzichten wir auch in diesem Kapitel auf Testaufnahmen.

Ein Gesamtfazit zu unseren Erfahrungen mit dem Oppo Find X5 Pro ziehen wir zwar erst im nächsten Kapitel, aber hier wollen wir unsere Meinung zum Pro-Modus zusammenfassen: Der Modus trägt die bei Smartphones übliche Bezeichnung “Pro” weil man damit RAW-Dateien aufnehmen kann und mehr Parameter selber einstellen kann. Anderes ist aus unserer Sicht jedoch wenig Pro: Leider setzt Oppo wie bei anderen Aufnahme-Modi auch darauf, gewisse Kameras auszuschliessen. Hier trifft es wie schon gesagt die Ultraweitwinkel- und die Tele-Linse. Die zum Einsatz kommende Weitwinkel-Kamera verfügt zwar über einen 50 MP-Sensor mit Pixel Binning, trotzdem sieht man den JPG / HEIC bei 2x- und 5x-Zoom die schlechtere Bildqualität mit blossem Auge und ohne am PC-Bildschirm hinein zu zoomen auf den ersten Blick an. Zudem ist man in der Bildgestaltung stark eingeschränkt, da kein Ultraweitwinkel zur Verfügung steht. Verwirrend ist auch, dass die Zoomstufen nicht auf den DNG abgebildet werden. Das bedeutet, dass man bei der Nachbearbeitung des DNG immer eine Ausschnittvergrösserung machen muss, wenn man einen anderen Bildausschnitt möchte.

Fazit

Das Oppo Find X5 Pro als Smartphone selbst ist grundsolide und sauber verarbeitet. Entsperren via Fingerprint im Display oder via Gesichtserkennung funktioniert reibungslos. Das Display bietet eine tolle Bildqualität und auch ausreichend Helligkeit draussen bei Tageslicht. ColorOS als Oberfläche zu Android ist sehr flüssig und benutzerfreundlich. Das Design der Rückseite ist zwar eigenwillig, gefällt uns aber sehr gut. Eine Schutzhülle für die Benutzung im Alltag ist jedoch dringend zu empfehlen.

Mit dem selber entwickelten NPU-Chip MariSilicon X trägt Oppo der Wichtigkeit von Computational Photography Rechnung und will offenbar bei diesem Thema nicht nur mit Algorithmen punkten sondern auch von der Hardware her Eigenständigkeit beweisen. So gesehen prägt der MariSilicon X das Erlebnis mit dem Find X5 Pro nachhaltig.

Die meisten Aufnahmen in diesem Beitrag und der Galerie würden ohne ihn sicher anders aussehen. Das gilt für Foto und für Video gleichermassen. Wenn man um den Aufhell-Effekt bei Goldener Stunde bzw. blauer Stunde weiss und damit umgehen kann, macht das Find X5 Pro tolle Aufnahmen im Foto-Modus, dasselbe gilt auch für den Nacht-Modus. Die besten Resultate haben wir mit 10 Bit-Farbtiefe erzielt, oft war nur wenig Nachbearbeitung in Adobe Lightroom notwendig. Im Nacht-Modus entsteht eine eigene Bild-Ästhetik, die sehr faszinierende Resultate liefert.

Das Oppo Find X5 Pro ist natürlich nicht das erste Smartphone mit dem wir fotografiert haben. Trotzdem haben wir mit ihm im Vergleich zu anderen Smartphones mehr Mühe gehabt, Bilder zu machen, mit denen wir wirklich zufrieden sind. Dies liegt auf keinen Fall bei der technischen Qualität der Aufnahmen, sondern auf der konzeptionellen Ebene.

Man muss erst die Konzepte der verschiedenen Aufnahme-Modi verstehen - also welche Kamera steht zur Verfügung und wo wird nur mit digitalem Zoom gearbeitet. Die technisch gut ausgestatteten Kameras sind die Ultraweit- und die Weitwinkel-Kamera, wenn man also die technischen Vorzüge des Kamera-Systems bestmöglich ausreizen will, ist man auf eine dieser beiden Linsen angewiesen. Oppo selber spricht vom “Dual-Hauptkamerasystem”, denn die Tele-Kamera ist mit ihren technischen Spezifikationen um einiges schlechter gestellt. So gesehen ist es keine Überraschung, dass sie in vielen Modi gar nicht erst ausgewählt werden kann. Hier verschenkt Oppo viel Potential und Freiraum bei der Bildgestaltung, denn ein digitales Zoom ist kein Ersatz für eine optische Linse. Auch das Konzept von Oppo für den PRO-Modus ist für uns nur schwer nachvollziehbar. Wenn Oppo bei diesen Punkten für zukünftige Modelle noch eine Schippe nachlegen würde, wären die Pro-Varianten der Oppo Smartphones eine super Plattform für Fotos und Videos.

Der Name “Hasselblad” steht zwar gross auf der Rückseite des Geräts - dennoch gibt es nur wenig “Hasselblad” zum Anfassen. Drei eher spezielle Farbfilter und ein XXL-Breitbild-Modus sind doch etwas wenig. Es wäre schön, wenn aus der Zusammenarbeit zwischen Oppo und Hasselblad in Zukunft mehr wird, das Potential ist sicher da. Auch andere Smartphone-Hersteller suchen explizit die Kooperation mit renommierten Marken aus dem klassischen Kamera-Markt.

Zusammenfassend gesagt hinterlässt das Oppo Find X5 Pro als Smartphone generell und mit seinen Kamera-Features im speziellen einen sehr guten Eindruck. Es demonstriert sehr eindrücklich, dass es im Bereich Smartphone-Fotografie nach wie vor spannende Weiterentwicklungen und noch viel Potential nach oben gibt, während die Geräte-Kategorie an sich doch eher als “ausentwickelt” zu Betrachten ist. Wir haben viele neue und sehr gut gelungene Aufnahmen in unserem Katalog. Es hat Spass gemacht die einzelnen Features der Kamera-App auszuprobieren. Weitere Aufnahmen mit dem Find X5 Pro findet Ihr auch in unserer separaten Galerie.