Review

Canon Project 1709 ist eine cloudbasierte Fotoverwaltung

Von Hitzestau - 18.03.2013

Inhaltsverzeichnis

Autor: Archangel

Hinter der Bezeichnung "Project 1709" bietet Canon seit letztem Herbst eine Cloud-basierte Fotoverwaltung an. Der Dienst läuft immer noch in der Beta-Phase. Auf Anfrage hat Canon mir einen Testzugang zur Verfügung gestellt. Unterdessen habe ich mir den Dienst näher angesehen.

Als Project 1709 im vergangenen September lanciert wurde, habe ich davon ehrlich gesagt nichts mitbekommen. Drauf gestossen bin erst vor ein paar Wochen bei einer Google-Recherche, als ich nach einer Lösung suchte, wie man Fotos verwalten kann, die von mehreren Personen unabhängig voneinander gemacht werden und auf die aber alle zugreifen wollen.

Was etwas kompliziert tönt, trifft man eigentlich in jeder Familie an. Vor ein paar Wochen habe ich bei einer Geburtstagsfeier eine Auseinandersetzung zwischen zwei Eheleuten mitbekommen: Es ging um die Verwaltung der Familienfotos, die offensichtlich auf unterschiedlichen Computern im Haushalt gespeichert waren und – wie heute üblich – mit verschiedenen Kameras und Smartphones aufgenommen wurden. Hellhörig geworden merkte ich schnell, dass es keinen zentralen Speicherort für alle Bilder gab, sondern beide auf ihren Computern vor sich hin wurstelten und immer drauf angewiesen waren, dass der Partner seine Fotos dem anderen via USB-Stick gab.

Das schien mir keine besonders taugliche Lösung. Ein zentraler Speicherort wie etwa ein NAS wäre sicher geeignet, würde aber einiges an Investitionen in Hardware voraussetzen. Wie gesagt, bin ich dann via Google auf Project 1709 gestossen. Nachdem ich die Medienmitteilung gelesen hatte, dachte ich, dies sei genau die Lösung für das oben geschilderte Problem. Sie versprach kurz gesagt folgendes:

Über eine einzigartige Registrierungs- und Kennzeichnungs-Funktion ist es ein Kinderspiel, jedes in der Cloud gespeicherte Bild zu finden oder die Bilderkollektion mit Freunden, der Familie und – dank konsequenter Integration wie beispielsweise in Facebook – sozialen Netzwerken zu teilen.
Quelle: Canon

Login und Hochladen

Nun also zum Dienst selber: Der Login ist via Facebook und über Yahoo, Google oder Windows Live ID möglich. Für das Hochladen von Bildern stehen aktuell drei Möglichkeiten zur Verfügung:

Der Import aus Facebook funktioniert im Moment nicht. Da ich keine separate Software installieren wollte, habe ich die Bilder via Browser hochgeladen. Damit lassen jeweils 20 Bilder aufs Mal hochladen.

Bilder anschauen

Wenn man ein paar Bilder mit unterschiedlichem Erstellungsdatum hochgeladen hat, merkt man, dass Project 1709 die Bilder nach Monaten sortiert ablegt.

Canon Project 1709

Für jeden Monat wird zudem eine eigene Timeline generiert:

Canon Project 1709

Bei der Grossansicht eines Bildes stehen standardmässig alle EXIF-Informationen zur Verfügung. Zudem kann man jedes Bild mit Stichworten versehen. Die Funktion Bilder zu teilen, war bei meinem Test leider nicht verfügbar.

Canon Project 1709

Via Filterfunktion lassen sich die Bilder nach Stichworten sortiert anzeigen.

Canon Project 1709

Fazit

Ja, wir sind schon beim Fazit. Mehr Funktionen bietet Project 1709 aktuell nicht. Ich weiss, es ist eine Beta-Version und ich habe keine Ahnung was noch kommt oder was Canon aus dem Feedback der Beta-User noch alles machen wird. Fairerweise muss man Canon die Möglichkeit einräumen, den Funktionsumfang zu erweitern. Aber im Moment kann ich nur auf das Bezug nehmen, was online ist.

  • Für das eingangs geschilderte Problem der "Familienfotos" ist Project 1709 nicht geeignet, denn der Login hängt an einem Facebook-Konto. Ob und wie mehrere unterschiedliche Personen auf dieselben Bilder zugreifen können oder gemeinsam unter einem Account Bilder hochladen können, ist mir nicht klar. Ich habe den Eindruck, Canon hat hier eine "Einzelplatz-Lösung" geschaffen.
  • Mit dieser Lösung wird viel Potential, dass in der Cloud steckt, einfach verschenkt. Neben dem Familienszenario gibt es noch andere Situationen, in denen mehrere Personen auf denselben Datenbestand an Bildern zugreifen müssen. Aber mit dem gewählten System bleibt alles, was Richtung "Collaboration" gehen würde, aussen vor.
  • Die Möglichkeiten, Bilder zu präsentieren, sind aktuell äusserst bescheiden. Selbst populäre Bilderdienste wie flickr bieten seit Jahren mehr Funktionen, beispielsweise das Erstellen von Alben. Zudem wirkt das ganze Layout eher altbacken.
  • Was die Sharing-Funktionen angeht, kann ich aktuell nichts sagen dazu, da diese alle nicht aktiv sind.
  • (Nachtrag vom 19.03.2013): Bilder, die man als RAW-Datei hochlädt, werden mit einem gelblichen Farbstich dargestellt. .jpg-Bilder machen keine Probleme.
  • Wen Canon mit diesem Dienst wirklich ansprechen will, ist mir nicht klar. Für Familien und Hobbyfotografen gibt es bessere Möglichkeiten, im Web eine Bildergalerie zu pflegen. Für Profis fehlt beispielsweise die Anbindung an eine Bildbearbeitung oder wie gesagt, Funktionen zur Collaboration mit anderen in einem Team oder mit einem Auftraggeber.

Als ich Monk-Trader den Dienst gezeigt habe, hat er die kühne Vision von einem "Lightroom online" entworfen: Katalog und Originalbilder sind in der Cloud gespeichert und können via Lightroom bearbeitet werden. Zudem sollte es möglich sein, dass mehrere Personen Bilder bearbeiten können und Bildergalerien können für jedermann bereitgestellt werden. Denkbar wäre auch eine Variante, dass wie bei Dropbox die Daten lokal gespeichert sind und jeweils auf den Server synchronisiert werden.

Für Bearbeitung und Präsentation von Bildern liegt in der Cloud viel Potential und ich kann mir auch gut vorstellen, dass es von Anwenderseite dafür auch eine Nachfrage gibt. Nur hat leider keine der grossen Bilderverwaltungen von Apple Aperture über ACDSee bis hin zu Adobe Lightroom solche Funktionalitäten im Angebot.