Review

Apple's 16 Zoll Macbook Pro

Von Hitzestau - 09.02.2020

Inhaltsverzeichnis

Etwas mehr Hub bei den Tasten und 0.6 Zoll mehr Display-Diagonale… Beim 16 Zoll MacBook Pro machen aber nicht nur die kleinen Dinge den Unterschied, wie wir in unserem Test festgestellt haben.

Die MacBook Pro-Modellreihe von Apple gibt es seit 14 Jahren - und seit der Neuvorstellung des 16-Zoll MacBook Pro im vergangenen November lohnt es sich wieder ganz genau hinzuschauen.

Es stellt die insgesamt fünfte Modell-Generation der Baureihe dar. Mit ihm gibt es zum ersten Mal seit dem Jahr 2012 wieder ein Apple-Notebook mit einem grösseren Display als 15 Zoll - oder 15.4 um genau zu sein. Im Portfolio von Apple ist der 16-Zöller der Nachfolger des 15-Zoll MacBook Pro, welches nicht mehr weiter angeboten wird. Wer ein neues MacBook Pro kaufen will, kann somit aktuell zwischen den 16- und 13-Zoll Modellen wählen.

Wichtige Meilensteine in den vergangenen Jahren waren unter anderem die Einführung des Unibody-Designs, des Retina-Displays oder des Force Touch Trackpads gewesen. Die Tastatur-Mechanik wurde ebenfalls mehrfach verändert. Mit der Touch Bar ersetzte Apple die klassische Reihe der Funktionstasten durch ein touch-taugliches Display.

Quelle: Apple

Was macht den MacBook Pro im Jahre 2020 aus?

Für das jüngste Mitglied der MacBook-Pro Familie ist Apple ein paar Kritikpunkte aus der Vergangenheit angegangen. Auf die Details werden wir im Laufe des Textes näher eingehen. Als Tastatur kommt neu eine angepasste Version des Magic Keyboard zum Einsatz. Das Kühlkonzept wurde ebenfalls überarbeitet und leistungsfähiger gemacht. Zudem ist es das erste MacBook Pro, welches man optional auf 8 GB Grafikspeicher und 64 GB Arbeitsspeicher aufrüsten kann. Die maximale Grösse für die SSD liegt bei 8 TB.

Quelle: Apple

Das "namensgebende" Display misst in der Diagonale neu 16 Zoll. Das Gehäuse, welches im bekannten Design daherkommt, ist trotzdem nur geringfügig grösser geworden. Das Gerät ist rund 8 mm breiter, 5mm tiefer und knapp 1 mm dicker geworden. Das Notebook ist wie von Apple gewohnt sehr sauber verarbeitet, als einzige Ausnahme muss man die Lüftungsschlitze auf der Unterseite erwähnen, die sich etwas scharfkantig anfühlen beim drüberstreichen. Das Aluminium-Gehäuse ist sehr stabil. Auch der filigran wirkende Display-Deckel ist überraschend verwindungssteif, so dass man es bedenkenlos mit einer Hand auf- und zuklappen kann.

Das gesamte Notebook wiegt zwei Kilogramm und ist damit 170 Gramm schwerer als sein Vorgänger.

Display und Eingabe

Zum kompletten MacBook Pro-Erlebnis gehört aber nicht nur das stabile Gehäuse sondern auch ein hervorragendes Display, eine sehr gute Tastatur sowie ein exzellentes Trackpad. Im Zusammenspiel dieser einzelnen Elemente liegt die Stärke des MacBook Pro-Konzepts.

Beim Display hat Apple das Seitenverhältnis von 16:10 beibehalten. Die Auflösung beträgt neu 3072 x 1920 Pixel, was eine Pixeldichte von 226 ppi ergibt. Wie bei den Vorgängermodellen auch, handelt es sich um ein Display mit IPS Technologie und LED Hintergrund-Beleuchtung. Unabhängig davon wie weit man das Display nach hinten klappt, bietet es immer eine sehr gute Blickwinkelstabilität. Dies gilt auch, wenn man es von der Seite betrachtet.

Quelle: Apple
Arbeiten mit dem Display ist ein Hochgenuss. Schärfe und Farben stimmen und die Darstellung lässt sich gut skalieren. Positiv ist auch, dass Apple das 16:10-Seitenverhältnis beibehalten hat, denn in der Höhe kann man nie genug Pixel haben.
Archangel

Jedes einzelne Display wird gemäss Angaben von Apple werkseitig kalibriert. Es unterstützt den P3 Farbraum, die True Tone Technologie und bringt es auf maximal 500 Nits Helligkeit. Für die Nutzung in normal ausgeleuchteten Innenräumen ist dies auch mehr als ausreichend. Wenn man das Notebook jedoch bei viel Umgebungshelligkeit oder auf einem Tisch mit direktem Gegenlicht von einem Fenster benutzt, wünscht man sich etwas mehr Helligkeit.

Wie schon angesprochen, hat Apple manche Kritikpunkte seiner Kunden aufgegriffen und gewisse Elemente angepasst - die Tastatur ist eines davon.

Quelle: Apple

Die Tastatur, welche ab Herbst 2016 in den Modellen der MacBook Pro-Reihe verwendet wurde, hat viel Kritik einstecken müssen. Die so genannte Butterfly-Tastatur war anfällig für kleinste Schmutzpartikel und ein einzelner Tastendruck konnte bei manchen Benutzern zu Doppeleingaben führen. Dies handelte ihr in der Medienberichterstattung und Online-Kommentaren den Ruf ein, eine hohe Ausfallrate zu haben. Apple passte die Mechanik mehrmals an, reduzierte das helle und scharfe Geräusch der Tasten und bot Austauschprogramme für die Kunden an. In unseren Reviews hatte sie immer gut abgeschnitten, weil sie sich beim Tippen durch kurze Wege und ein "knackiges" Schreibgefühl auszeichnete, was aber auch nicht bei allen Käufern gleich gut ankam.

Für das 16-Zoll McBook Pro hat Apple jetzt einen anderen Ansatz gewählt. Die Tastatur ist durch einen "alten Bekannten", das Magic Keyboard ersetzt worden. Dessen Scheren-Mechanik wird in den externen Apple-Keyboards verwendet, wie sie zusammen mit dem iMac, dem iMac Pro und dem Mac Pro verkauft werden. Zudem können sie auch separat erworben werden. Für den Einbau ins Notebook wurde die Mechanik leicht angepasst und eine LED-Hintergrundbeleuchtung integriert.

Dementsprechend gut ist jetzt das Resultat. Im Anschlag ist die neue Tastatur weicher, aber nicht schwammig. Der Tastenhub ist länger geworden und der Klang ist eher dumpf und leiser gegenüber den Tastaturen der Vorgängermodelle. Insgesamt wirkt das Magic Keyboard des MacBook Pro etwas weniger "knackig" als früher, aber bietet ein sehr angenehmes Schreibgefühl.
Archangel

Wer mit dem Magic Keyboard als externe Tastatur gut zurechtkommt, wird auch mit der neuen Tastatur des MacBook Pro keine Probleme haben.

Aber nicht nur an der Mechanik der Tastatur gibt es Veränderungen, auch beim Layout hat Apple Kundenfeedback aufgegriffen: Die Touch Bar wurde "aufgebrochen": Die ESC-Funktion ist nicht mehr Teil der Touch Bar, sondern wieder eine eigenständige physische Taste. Auch der Button für Power / Touch ID ist ebenfalls aus der durchgängigen Touch Bar herausgelöst worden. Die Pfeiltasten unten rechts sind neu in der Form eines umgekehrten T angeordnet.

Quelle: Apple

Keine Veränderungen gibt es hingegen beim Force Touch Trackpad. Es misst stolze 15.9 x 9.9 cm und nimmt damit einen grossen Teil der Handballen-Auflage für sich ein. Es ist wie gewohnt sehr präzise und unterstützt druckempfindliche Funktionen, drucksensitives Zeichnen und Multi‑Touch Gesten.

Quelle: Apple

Das Trackpad steht mit seiner Gesten-Steuerung für das Apple-typische flüssige Arbeiten mit macOS, wie wir es schon in früheren Reviews beschrieben haben. Es gibt schlicht kein besseres Trackpad auf dem Markt.

Es ist ein Arbeitserlebnis, wie es nur ein MacBook Pro bieten kann. Fingergesten erkennt das Trackpad so schnell und präzise wie kein anderes: Mit drei Fingern nach oben wischen öffnet Mission Control, mit nach links oder rechts kann man durch alle offenen Apps durchblättern. Schon fast unschlagbar komfortabel ist das vor- und zurückblättern im Browser beim Surfen.
Archangel

Die Touch Bar ist neben Tastatur und Trackpad die dritte Eingabemöglichkeit. Sie ersetzt die Reihe der physischen Funktionstasten durch ein schmales touch-sensitives Display und bietet damit je nach Programm zusätzliche Bedienungs-Möglichkeiten.

Quelle: Apple

Aus unserer Sicht war und ist sie eher ein Experiment, da sie bis heute nur der Pro-Line der Apple Notebooks zu finden ist. Eigentlich sollte sie den Workflow und die Interaktion mit den Anwendungen verbessern, aber wir sind mit dem Konzept nie wirklich warm geworden. Für Standard-Funktion wie Helligkeit oder Lautstärke sucht man einfach zu lange, bis man den richtigen Ort zum Tippen gefunden hat, denn sie verändert ihre Anzeige ständig. Das bedeutet, dass man den Blick immer wieder (zu) lange vom Display abwenden muss, nur um eine Grundfunktion zu erreichen. Das bringt immer wieder Unterbrechung und Unruhe in den Workflow. Zudem bietet sie keinerlei haptisches Feedback, was auch nicht gut zur sonstigen Erfahrung mit Tastatur und Trackpad passt. In einem Kapitel am Schluss unseres Beitrags werden wir den Gedanken der Touch Bar dann nochmals aufgreifen.

Gerade wenn man auf die F-Tasten angewiesen ist, entpuppt sich die Touch Bar als Bremse. Schade, dass es keine Version ohne Touch Bar gibt, das würde eigentlich konsequent dem Pro-Gedanken entsprechen.
Monk-Trader

Auch wenn die Touch Bar ein sehr spezielles Konzept darstellt, ist man mit ihr nicht komplett auf das Apple-eigene macOS als Betriebssystem fixiert. Wer mittels Bootcamp Windows 10 als alternatives Betriebssystem installieren will, bekommt alle notwendigen Treiber für die Grundfunktionen wie die Regelung von Helligkeit oder Lautstärke mitgeliefert.

Kommen wir zum Abschluss dieses Kapitels noch auf einen Aspekt zu sprechen, der uns weniger gut gefallen hat. Wenn man dem Notebook etwa mehr Leistung abverlangt und dadurch die Betriebstemperaturen der Komponenten im Innern ansteigen, spürt man das auch beim Tippen auf der Tastatur. Ein Teil der Wärme aus dem Inneren des Geräts wird via Tastatur nach aussen abgeführt. Zum Schreiben ist das ehrlich gesagt nicht sehr angenehm.

Kühlung und Leistung

Damit sind wir beim Thema Wärmeabgabe und Kühlung angegeben. Das Kühlkonzept gehört ebenfalls zu den Aspekten, welche Apple für das neue MacBook Pro überarbeitet hat. Bei einem so kompakt und flach gebauten Gerät kommt der Kühlung eine grosse Bedeutung zu, da die verbaute Hardware recht hohe Betriebstemperaturen entwickeln kann, wenn man als Anwender entsprechend Leistung abruft.

Überarbeitetes Kühlkonzept

Die untenstehende Grafik zeigt anschaulich, wie das Kühlkonzept aufgebaut ist.

Quelle: Apple

Jeder Lüfter saugt kühle Umgebungsluft von zwei Seiten an. Die Kühlkörper für Prozessor und Grafikkarte, welche die beiden grössten Wärmequellen darstellen, wurden vergrössert um deren Abwärme besser abführen zu können. Aber auch die Lüfter und die Lüftungsschlitze an der Gehäuserück- und Unterseite wurden vergrössert um den generell Luftstrom zu verbessern. Die Lüfter machen bei voller Drehzahl zwar ein recht lautes Geräusch, es ist eher dumpf und auf jeden Fall nicht schrill. Man fühlt regelrecht wie die heisse Luft weggeschaufelt wird.

Alle diese Massnahmen zusammen genommen ergeben eine höhere Kühlleistung für das MacBook Pro. Der Vorteil ist, dass Prozessor und Grafikkarte die Leistung, die in ihnen steckt, auch wirklich zur Verfügung stellen können. Sie werden nicht mehr so schnell durch Throttling, also die automatische Reduktion der Leistung wegen zu hoher Wärmeentwicklung, ausgebremst.

Das ist umso bemerkenswerter wenn man bedenkt, dass Apple noch genau die gleichen Prozessoren verbaut, wie im Vorgänger-Modell. Dieses wurde damals stark kritisiert, da die Prozessoren-Leistung schnell heruntergeregelt wurde, weil das Kühlsystem nicht in der Lage war, mit der Wärmeentwicklung der Prozessoren umzugehen. Es wurde argumentiert, es würde beim Kauf keinen Sinn machen auf einen stärkeren Prozessor aufzurüsten, da die Leistung auf Grund der Hitzeentwicklung sowieso wieder beschnitten werden würde. Zudem gab auch das Vorgänger-Modell viel Wärme über die Tastatur ab, wie wir in unserem eigenen Review beschrieben hatten.

Auch wenn das Problem mit der Wärmeabgabe durch die Tastatur noch nicht ganz gelöst wurde, spürt man eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorgänger-Modell. Um es auf den Punkt zu bringen: Als Anwender kann man die Rechen- und Grafik-Leistung auch abrufen, für die man bezahlt hat. Die Veränderungen am Kühlsystem machen sich grundsätzlich positiv bemerkbar.
Monk-Trader

Trotz dem verbesserten Kühlsystem kann das Notebook je nach Anwendung immer noch sehr heiss werden. Wenn man es im Sitzen auf den Schoss nehmen will, sollte man aufpassen, da die Unterseite des Geräts unangenehme Temperaturen erreichen kann.

Zum Thema Wärme gehört auch das mitgelieferte Netzteil (96 Watt) mit dazu. Es kann zu unserer Überraschung recht heiss werden, es empfiehlt sich daher, es immer so hinlegen, dass es die Wärme gut abstrahlen kann und auf eine wärmebeständige Unterlage achten.

Prozessor

Wie bereits erwähnt, gibt es bei den Prozessoren gegenüber dem Vorgänger-Modell keine Veränderungen. Apple setzt hier weiterhin auf die Intel-Prozessoren der neunten Generation ("Coffee Lake"). Als Standard-Konfiguration sind je ein i7 mit sechs Kernen und ein i9 mit acht Kernen verbaut, als Aufrüstungs-Option steht ein höher getakteter i9 Prozessor mit ebenfalls acht Kernen zur Verfügung. Alle drei gehören zur 45 Watt-Kategorie, in der Datenbank von Intel lassen sich unter diesen drei Typenbezeichnungen mehr Informationen zu den einzelnen Prozessoren abrufen: 9750H / 9880H / 9980HK. Für die Grafikleistungen kommt somit CPU-seitig unverändert die integrierte Intel UHD Graphics 630 zum Einsatz.

Insbesondere am CPU lässt sich ablesen, wie wirkungsvoll das überarbeitete Kühlsystem des 16-Zoll MacBook Pro ist. Die Logik dahinter ist folgende: Da im 15-Zöller und im 16-Zöller dieselbe Prozessoren verbaut sind, kann man das Plus an real zur Verfügung stehender Leistung zu einem erheblichen Teil der Wirksamkeit der Kühlung zu Gute schreiben.

Um dies zu illustrieren, beziehen wir hier Zahlenmaterial ein, welches wir wir nicht selber ermittelt haben, sondern von Dritten stammt. Für den stärksten der drei zur Verfügung stehenden CPU (9980HK) wurden mit Geekbench folgende Werte erzielt (Link zu Datenquelle: 15er / 16er):

  • 15er MacBook Pro (Frühjahr 2019): 1130 (Single Core-Score) / 6848 (Multi Core-Score)
  • 16er MacBook Pro (Herbst 2019): 1126 (Single Core-Score) / 7012 (Multi Core-Score)

Beim Multi Core-Wert schneidet der 16-Zoll MacBook Pro deutlich besser ab. Dasselbe Bild ergibt sich auch beim bekannten YouTube-Channel "Linus Tech Tips", der ebenfalls den 9980HK für beide MacBook Pro-Modelle miteinander verglichen hat. Auch bei ihm gibt es keine grossen Unterschiede beim Single Core-Vergleich, deshalb zitieren wir hier nur seine Multi Core-Ergebnisse:

  • [15er MacBook Pro (Frühjahr 2019): 3075 (Cinebench R20)
  • 16er MacBook Pro (Herbst 2019): 3353 (Cinebench R20)

Dies entspricht einem beeindrucken Leistungszuwachs von rund neun Prozent.

Grafikkarte

Bei den dedizierten Grafikkarten setzt Apple hingegen auf komplett neue Komponenten: Zum ersten Mal in der gesamten MacBook Pro-Reihe nimmt Apple eine Option mit 8 GB GDDR6-Speicher ins Angebot auf. Als Karten kommen die AMD Radeon Pro 5300M oder die AMD Radeon Pro 5500M zum Einsatz, welche auf der so genannten Navi-Architektur von AMD basieren. Die 5300M verfügt über 4 GB Speicher, bei der 5500M kann man zwischen 4 GB und 8 GB auswählen.

Um der Grafikkarte Leistung abzuverlangen, haben wir sie mit verschiedenen Spielen getestet. Dafür haben wir primär unsere Windows 10-Installation benutzt, auch wenn Apple mit dem Abo-Dienst Apple Arcade eine eigene Gaming-Plattform anbietet. Dabei wurden wir schnell mit einem Problem konfrontiert, denn die Grafikkarten-Treiber in Bootcamp sind fehlerhaft. Das mussten wir zuerst lösen, bevor wir Aspekte wie Leistung und Wärmeentwicklung anschauen konnten.

Da die Grafikkarte in unserem Testgerät (AMD Radeon Pro 5500M mit 4 GB) nicht gerade optimale Voraussetzungen für Auflösungen mit hoher Pixelanzahl bot, haben wir von Anfang an in den Spiel-Einstellungen eine reduzierte Auflösung eingestellt. Dabei zeigte sich jedoch der oben erwähnte Bug sehr deutlich: Anstatt wie üblich die Darstellung auf den gesamten Bildschirm aufzuzoomen, wurde das Spiel entweder nur in der 1:1-Auflösung dargestellt und der Rest des Display blieb schwarz oder im Hintergrund war stets der Windows-Desktop zu sehen während das Spiel selber nur in einer Ecke angezeigt wurde. Zudem waren gewisse Features der AMD-Treiber überhaupt nicht verfügbar und die Framerates waren schlecht.

Zum Glück für uns war dieses Problem bekannt. Die Webseite bootcampdrivers.com stellt Treiber aus dem Original-Treiberpaket von AMD bereit, welche für den 16-Zoll MacBook Pro angepasst wurden. Mit ihnen funktioniert das Aufzoomen wieder und auch die Framerate sind höher. Man muss allerdings damit zurecht kommen, dass man nicht mehr die offiziellen Treiber verwendet.

Aber auch wenn das Problem mit den Treibern gelöst ist, kommt beim Gaming unter Windows 10 nicht so recht Freude auf. Für ein flüssiges Gaming-Erlebnis mit der Auflösung von 3072 x 1920 Pixeln, welche das Display des MacBook Pro bietet, ist der Speicher der Grafikkarte zu knapp bemessen. Die 8 GB-Version (nur mit der AMD Radeon Pro 5500M) dürfte zwar etwas besser sein, aber Gaming war schlussendlich noch nie die Stärke von Mac-Computern.

Der Leistungs-Zuwachs mit den neuen Grafikkarten ist im Vergleich zum Vorgänger ein Push nach vorne. Die Karte ist aber bestenfalls im mittleren Leistungssegment anzusiedeln. Games lassen sich jetzt mit mittleren Einstellungen spielen, beim Vorgänger musste man dafür auf die niedrigsten Einstellungen ausweichen.
Monk-Trader

Für Profi-Anwendungen wie Unity Editor, Final Cut Pro X oder Blackmagic DaVinci Resolve spricht Apple mit den neuen Grafikkarten von rund einer Verdoppelung der Leistung gegenüber dem 15-Zoll Vorgänger. Der oben bereits zitierte YouTube-Channel "Linus Tech Tips" hat auch den 15-Zöller und den 16-Zöller bezüglich GPU-Leistung miteinander vergleichen. Die Zahlen sind eindrücklich, auch wenn nicht eindeutig gesagt wird, auf welche GPU’s sie sich genau beziehen. Die Werte wurden wiederum mit Geekbench ermittelt:

  • 15er MacBook Pro (Frühjahr 2019): 14405 (OpenCL) / 16861 (Metal)
  • 16er MacBook Pro (Herbst 2019): 26004 (OpenCL) / 25630 (Metal)

Lüftersteuerung

Je ruhiger die Lüfter in einem Notebook arbeiten desto besser. Deshalb lohnt es sich bei den Lüftereinstellungen die bestmögliche Balance zwischen Kühlleistung und Geräuschkulisse zu finden. Natürlich wird man bei Anwendungen, die von CPU und GPU viel Leistung abverlangen nicht um darum herumkommen, einen gewissen Geräusch-Pegel zu akzeptieren. Beim normalen Multi-Tasking mit Browser, Text-Editor und Messaging bietet der 16-Zoll MacBook auf jeden Fall ein absolut ruhiges Arbeits-Erlebnis.

Unter macOS nutzen wir für die Lüftersteuerung die Anwendung Macs Fan Control, weil sich bei ihr sehr genau einstellen lässt, aber welchen Betriebs-Temperaturen die Lüfter anfangen sollen stärker zu drehen. Unter einer Windows 10-Installation via Bootcamp war dies jedoch bisher immer ein Problem gewesen. Die Lüfter sind am T2-Chip angebunden und Windows 10 konnte daher nicht in deren Regelung eingreifen. Währenddem wir unser Review am schreiben waren, wurde von Macs Fan Control eine neue Version veröffentlicht, die das Problem mit dem T2-Chip gelöst hat. So kann man mit der Anwendung jetzt die Lüfter genauso regeln, wie man es mit dem Programm unter macOS kann.

Mehr innere Werte

Im wahrsten Sinne des Wortes grosse Veränderungen gibt es auch bei einer anderen Komponenten des MacBook Pro - nämlich dem Akku. Ein Blick ins Innere zeigt, wieviel Raum der Akku hier einnimmt (die Akkus sind hier violett eingefärbt, um sie besser sichtbar zu machen):

Quelle: Apple

Laut Angaben von Apple ist der Akku der grösste, der bisher in einem MacBook Pro verbaut wurde. Die Lithium-Polymer-Batterie verfügt über eine Leistung von 100 Wh und sorgt gemäss den offiziellen technischen Spezifikationen für eine Laufzeit von rund 11 Stunden.

Bei uns erreicht die Laufzeit locker acht bis neun Stunden, ist aber auch stark abhängig von der Displayhelligkeit und der Leistung, die man abruft.
Archangel

Mit der Leistungskapazität von 100 Wh liegt der Akku genau an der aktuellen Obergrenze der Federal Aviation Administration (FAA). Sie schreibt vor, welche Leistung Akkus maximal haben dürfen, um sie an Bord von Flugzeugen mitnehmen zu können. Die meisten europäischen Fluglinien haben diese Regelung übernommen.

Zum Aufladen befindet sich ein 96 Watt-Netzteil im Lieferumfang. Mit dem USB-C Kabel lässt sich der MacBook Pro via jede der insgesamt vier Thunderbolt 3 (USB‑C)-Schnittstellen aufladen.

Quelle: Apple

Das Fehlen von anderen Anschlüssen oder eines SD-Kartenlesers wird oft kritisiert. Es macht aus unserer Sicht allerdings keinen Sinn, solche spezifischen Schnittstellen zu verbauen, da sich hierbei die technischen Standards und Anforderungen der Benutzer laufend weiterentwickeln. Für den Anschluss von externen Geräten und Speicher-Sticks sind deshalb unter Umständen die passenden Adapter notwendig. Stereo-Kopfhörer und ein Mikrofon lassen sich direkt via die 3.5 mm Klinken-Buchse verwenden (kein S/PDIF). Ebenfalls zur Konnektivität gehören WLAN (802.11ac) und Bluetooth 5.0.

Ebenfalls zu wichtigen internen Hardware-Komponenten gehört der T2-Chip, den wir bereits beim Thema Lüftersteuerung erwähnt haben. Er wird seit 2018 von Apple in allen Modellen der MacBook Pro-Reihe verbaut. Er sorgt für einen zusätzlichen Level an Sicherheit, indem er unter anderem den Bootvorgang von macOS überwacht. Ihm werden aber auch etliche weitere Funktionen zu teil:

  • Touch ID
  • Verschlüsselung des Speichers
  • System Management Controller
  • Audio Controller
  • SSD Controller
  • Steuerung der Energiespar-Modi
  • Lüftersteuerung

Diese Aufzählung zeigt, wie stark der T2-Chip ein integraler Bestandteil des Systems ist. Dies macht es auch zunehmend schwieriger andere Betriebssysteme als macOS und Windows (mit Bootcamp) zu installieren und zu nutzen.

Abschliessen wollen wir den Hardware-Teil unseres Reviews mit dem Thema Audio, denn im 16-Zoll MacBook Pro steckt diesbezüglich mehr drin, als nur das Musikhören via Headset. Denn das Sound-System des MacBook Pro wurde ebenfalls neu konzipiert. Es besteht aus ingesamt sechs Lautsprechern, die im Gehäuse verbaut sind. Sie unterstützen die Wiedergabe von Dolby Atmos.

Der Sound überrascht vor allem durch recht kräftige Tieftöner, die kaum scheppern wenn man die Lautstärke aufdreht.
Archangel

Für Tonaufnahmen verfügt der Notebook über drei Mikrofone, welche Zischlaute und Störgeräusche bei Sprachaufnahmen unterdrücken. Für die Ton-Wiedergabe besitzt das Gerät einen 3.5 mm Kopfhörer­anschluss. Zudem lassen sich kabellose Headsets via Bluetooth anschliessen.

Mit macOS Catalina

Unser Review-Gerät ist direkt mit macOS 10.15.1 inklusive dem Notebook-Zusatz ausgeliefert worden. Kurz nachdem wir es für unseren Test erhalten hatten, haben wir es auf 10.15.2 aktualisiert. Alles folgende im Text bezieht sich daher auf diese Version. Kurz vor dem Ende unserer Testzeit wurde dann noch am 29. Januar 2020 die Version 15.3. veröffentlicht, die wir aber nicht mehr separat testen konnten.

Offiziell veröffentlich wurde die neuste macOS-Version, die nach einer Insel vor der Küste von Kalifornien benannt ist, am 8. Oktober 2019. Der ursprüngliche Release war sehr holperig, so dass zügig Updates nachgeschoben wurden.

Gehen wir daher zuerst auf unsere Erfahrungen mit macOS Catalina ein. Das Herunterfahren oder einen User abzumelden war immer wieder problematisch. Es blieb oft nichts anderes übrig, als das Gerät mit dem Ausschaltknopf "abzuwürgen", da sich der Prozess nicht mehr regulär beenden liess. Wenn man ihn aus dem Sleep geholt hat, hatte er zudem Mühe, alle im Netzwerk verbundenen Laufwerke wieder zu verbinden. Lösen konnten wir dieses Problem erst mit einer kompletten Neuinstallation.

Das grösste Problem ist immer wieder ausgerechnet beim Schreiben dieses Textes selbst auftreten. Wir haben diesen Blogpost zum grössten Teil auf dem MacBook Pro geschrieben und zwar wie üblich mit dem Texteditor Ulysses. Dieser nutzt zur Synchronisation die iCloud - und genau hiermit kam es immer wieder zu Synchronisations-Ausfällen, was es natürlich nicht gerade einfacher gemacht hat beim Schreiben die an sich positive Erfahrung mit dem Notebook und die Probleme mit der iCloud unter macOS Catalina auseinanderzuhalten.

Die schon unter der Beta-Version von Catalina bekannt gewordenen Probleme mit der iCloud sollten offiziell eigentlich mit dem Update auf 15.10.2 behoben sein - aus unserer Erfahrung können wir dies jedoch so nicht bestätigen. Vom iMac (mit macOS 10.14 Mojave) oder vom iPad (mit iPadOS 13) hatten wir so gut wie nie Probleme mit der iCloud. Die Schwierigkeiten gingen immer vom Notebook mit macOS Catalina aus.

Was die Arbeit mit Apps, die sich via die iCloud synchronisieren, hat sich unser MacBook Pro mit Catalina als sehr unzuverlässig erwiesen.
Archangel

Die Synchronisation wurde auf dem Notebook zwar angestossen, konnte jedoch meist nicht beendet werden. So bestand immer die Gefahr, die aktuellste Text-Version bei einem Synchronisations-Konflikt zu verlieren.

In der Hoffnung das Problem lösen zu können, haben wir uns auch an den Support von Ulysses gewandt. Dieser hat sich zwar uns gegenüber sehr hilfsbereit gezeigt, konnte das Problem aber nicht definitiv lösen, da dies in der iCloud von Apple selbst steckt. Die von Ulysses in der iCloud angelegten Dateien liessen sich auch via Systemsteuerung vom Betriebssystem nicht restlos löschen. Auch der Apple-eigene Support konnte uns hierbei nicht weiterhelfen. Wir gehen davon aus, dass jedoch genau hier das Problem liegt. Gemäss dem Support von Ulysses ist dies bekannt und es bleibt nichts anderes übrig als zu warten, bis dieser Fehler von Seiten Apple generell gelöst ist. Dies sollte per Ende Februar der Fall sein.

Ähnliche Probleme hatte wir auch mit der Fotos App. Hier konnte der Notebook nie alle Bilder aus der iCloud zu sich "nach unten" synchronisieren. Eine Reduktion der Bildermenge in der iCloud hat zwar zu einer gewissen Verbesserung geführt - am Schluss haben wir jedoch die Synchronisation der Fotos via iCloud komplett deaktiviert.

Für den 16-Zoll MacBook Pro hätten wir gerne ein Downgrade zurück auf macOS Mojave gemacht, was jedoch nicht möglich ist. Unsere guten Erfahrungen mit der Hardware wurden immer wieder überschattet von Probleme mit macOS Catalina.
Archangel

Andererseits gab uns das Notebook die Möglichkeit Sidecar als eines der neu einführten Features etwas näher anzuschauen, da wir unsere anderen Mac-Computer noch nicht auf macOS Catalina migriert haben. In unserem Review zum iPad 7 hatten wir dies ja auch angekündigt. Die Grundidee ist ganz einfach. Man kann ein iPad als zusätzlichen Bildschirm benutzen, um den Mac-Desktop zu erweitern oder zu spiegeln - so wie man es von einem Setup mit zwei Monitoren her kennt.

Quelle: Apple

Von den Systemvoraussetzungen ist Apple bei den Betriebssystemen sehr strikt: auf dem iPad muss iPadOS 13 installiert sein, auf dem Mac die aktuelle Version von macOS Catalina. Zusätzlich ist ein Apple Pencil zwingend erforderlich (1. oder 2. Generation, je nach iPad). Welche Hardware genau Sidecar-tauglich ist, könnt Ihr am besten direkt auf der Apple Webseite nachlesen.

Wer schon ein Dual-Monitor-Setup einrichtet und damit gearbeitet hat, dem kommt vieles bekannt vor. Man muss die Bildschirme in den Systemeinstellungen arrangieren und festlegen, wo das Dock angezeigt wird. Fenster, Programme und der Cursor lassen sich frei hin- und herbewegen.

Quelle: Apple

Sidecar macht aus macOS aber kein touchtaugliches Betriebssystem: Scrollen auf dem iPad geht mit zwei Fingern, auch wenn es sich etwas hakelig anfühlt. Vertraute Gesten wie das Pitchen mit zwei Fingern oder das Tippen mit einem Finger gehen nicht. Für letztere braucht man den Apple Pencil, nur die angezeigte Touch Bar und die Sidebar reagieren auch aufs Antippen.

Quelle: Apple

Im Vergleich zum Dual-Monitor-Setup mit zwei normalen Bildschirmen (oder iMac / Notebook + 1 externer Bildschirm) gibt es allerdings ein paar Unterschiede. Ein Aspekt ist ganz klar die Frage der Ergonomie. Das iPad braucht zusätzlich Platz auf dem Schreibtisch und der Blickwinkel auf das Display ist immer ganz ein anderer als der zum Mac-Bildschirm. Für jede Eingabe muss man immer den Pencil zur Hand nehmen und danach wieder ablegen. Und es ist auch nicht immer so einfach, mit dem Pencil den richtigen Punkt auf dem iPad zu treffen. Um beispielsweise mit dem grünen Punkt das unten angezeigte Menü zu aktivieren, sind manchmal mehrere Anläufe notwendig.

Quelle: Apple
Das iPad fühlt sich plötzlich nicht mehr wie ein iPad an, weil die Bedienung unter Sidecar ganz anders ist. Das Antippen von Hyperlinks mit einem Finger geht beispielsweise nicht mehr und auch die Scroll-Richtung lässt sich nicht anpassen. Das ist nicht sehr Apple-like.
Archangel

Aber mit dem iPad kommt nicht einfach ein zweiter Bildschirm dazu, sondern ein zusätzliches Eingabegerät, welches sich wie ein Grafiktablet benutzen lässt. Für Desktop-Programme lassen sich so die Vorteile der Stifteingabe für Zeichnen, Skizzieren oder Anmerkungen in einem Dokument schreiben, nutzen.

Grundsätzlich ist es immer positiv, mehr Bildschirmfläche zur Verfügung zu haben. Sidecar als Teil von macOS Catalina steckt aber noch recht am Anfang, denn die Verbindung zwischen den beiden Geräten war bei uns im Test nicht immer ganz stabil oder wurde schnell beendet. Es gibt für die Nutzung eines iPads als Zweitbildschirm auch Lösungen von Drittanbietern wie zum Luna Display, die mehr Funktionen bieten und stabiler laufen. Zudem erlauben sie auch weiterhin die gewohnte Touch-Bedienung mit einem Finger auf dem iPad.

Sidecar kann das Arbeiten mit zwei herkömmlichen Bildschirmen nicht ersetzen, dafür stimmt nach unserer Erfahrung die Ergonomie zu wenig. Die Stärke liegt jedoch eher in der Stifteingabe, die für das Arbeiten mit manchen Programmen ein Vorteil sein kann.
Archangel

Ausser Sidecar hält Catalina einige weitere Neuerungen bereit, die vom Anwender ein Umgewöhnen verlangen. Bis auf wenige Ausnahmen werden nur noch 64bit-Anwendungen unterstützt, was unter Umständen dazu führen kann, dass man bisher gewohnte Programme nicht mehr benutzen kann. Aber auch bei den Apple-eigenen Programmen gibt es Umstellungen. iTunes als eigenes Programm ist eingestellt worden und die Funktionen wurden auf die Anwendungen Apple Music, Apple Podcasts und Apple TV aufgeteilt. Für Windows-Anwender und Nutzer älterer Versionen von macOS gibt es iTunes weiterhin, wobei einige Funktionen nicht mehr sauber implementiert sind. Von anderen Plattformen aus dem Öko-System bereits bekannte Anwendungen wurden ebenfalls neu in Catalina integriert: dazu zählen der Abo-Dienst Apple Arcade, mit dem man Spiele im Abo nutzen kann, und Bildschirmzeit.

Generell verspricht Apple mehr Sicherheit und Privatsphäre. Für den "normalen" Anwender bedeutet dies, dass er viel öfter seine Zustimmung zur Ausführung von Programmen oder Downloads im Safari geben muss als von Vorgänger-Versionen her gewohnt. Kein Wunder, wird macOS Catalina als das "Vista" von Apple bezeichnet. Aber auch für Entwickler sind die Regeln strenger geworden: Anwendungen die nicht via App Store angeboten werden, müssen bei Apple zur Notarisierung eingereicht werden, sonst können sie nicht installiert und ausgeführt werden. Und um Programme auszuführen, auf die beide Kriterien nicht zutreffen, wird es für den Benutzer noch umständlicher.

Fazit

Das 16-Zoll MacBook ist ein sehr gutes Notebook, es hat uns im Test sehr gut gefallen, insbesondere die Verarbeitung des Gehäuses und das Display haben uns überzeugt. Im dem aktuellen Modell hat Apple aber auch einige Kritikpunkte, die in letzter Zeit an der MacBook Pro-Linie vorgebracht wurden, abgearbeitet und verbessert. Dazu gehören die Tastatur, die Akku-Laufzeit und das schnell einsetzende Throttling von CPU und GPU. Insbesondere bei der CPU-Leistung macht sich das verbesserte Kühlsystem bemerkbar.

Der maximale Speicher der Grafikkarte war und bleibt ein Schwachpunkt, da ein Upgrade von vier auf acht GB teuer erkauft werden muss und mit acht GB auch schon das Maximum erreicht ist. Die Leistungssteigerung bezüglich Grafikkarte vom 15-Zoll Vorgängermodell zum aktuellen Modell ist sehr deutlich, macht aber den 16-Zoll MacBook nicht zu einem Gamer-Notebook. Insgesamt gesehen kommt Apple mit der Leistung der MacBook Pro-Linie immer dichter an die iMacs heran.

Mit dem exzellenten Force Touch Trackpad, der Tastatur und dem hervorragenden Display bietet das MacBook Pro eine sehr gute Ergonomie für alle erdenklichen Arbeiten. Gerade wenn man es oft als Desktop-Ersatz am Schreibtisch benutzt, muss man allerdings beachten, dass dies aus ergonomischer Sicht wegen der Körperhaltung nicht gerade ideal ist, aber das ist eine Feststellung die auf alle Notebooks zutrifft. Für ein Mobil-Gerät ist es für heutige Verhältnisse mit zwei Kilogramm schon eher schwer.

In Apple's Portfolio ersetzt es das 15-Zoll MacBook Pro, welches von Apple aus dem Angebot herausgenommen wurde. Das MacBook Pro-Angebot besteht aktuell aus den 13- und 16-Zoll Modellen. Dabei ist Apple als Hersteller bis heute immer dem klassischen Notebook-Konzept treu geblieben. Das MacBook Pro hat auch im Jahre 2020 keinen Touchscreen und es lässt sich auch nicht als 2-in-1 oder Convertible nutzen.

Ein Bereich, in dem Apple dringend etwas machen muss, betrifft das Betriebssystem! Der Zyklus jedes Jahr einen "Major Release" herauszubringen, ist endgültig an die Wand gefahren. Zuviele Bugs haben sich in den letzen Jahren im macOS eingeschlichen, die nie gelöst wurden. Zudem rechtfertigen die wenigen effektiven Neuerungen dieses Jahr keine neue Versionsnummer. Sicher ist es gut, das der "Moloch" iTunes nun zu Grabe getragen wurde, aber warum mussten damit neue Probleme für die Anwender geschaffen werden? Das Produkt beim Kunden "reifen" zu lassen ist keine akzeptable Praxis, da mit Catalina Services wie die iCloud, die zu den Grundpfeilern des Öko-Systems gehört, jetzt schlechter funktioniert als vorher. Und gerade beim 16-Zoll MacBook Pro ist das umso schlimmer, da man hier als Kunde nicht die Möglichkeit hat, auf eine ältere Version des Betriebssystems auszuweichen. Die Schwierigkeiten, die wir während unserem Test mit Catalina hatten, überschatten teilweise die an sich sehr gute Erfahrung mit dem Notebook. Apple muss an der Stabilität seiner Software arbeiten und auftretende Probleme schneller lösen. Wir appellieren daher an Apple, Software und Services wieder besser in den Griff zu kriegen.

Wiederum punkten kann das 16-Zoll MacBook Pro bei der Preisgestaltung. Die beiden angebotenen Basis-Konfigurationen sind im Vergleich zu den Vorgängermodellen besser ausgestattet, was einem Preisnachlass gleichkommt. Die Preise für Aufrüstung von Prozessor, Flash-Speicher, Grafikkarte und Arbeitsspeicher sind wie üblich bei Apple sehr grosszügig kalkuliert - dies wäre ein Kritikpunkt den Apple noch angehen kann.

One more thing...

Soweit also unser Review und unser Fazit zu unseren Erfahrungen mit dem 16-Zoll MacBook Pro. Zum Abschluss unseres Artikels wollen wir jetzt noch ein kleines Gedankenspiel machen und beschreiben, wie wir uns einen Notebook Apple wünschen würden.

Beginnen wir mit dem Display, wobei es an der Bildqualität der Retina-Displays von Apple nichts auszusetzen gibt. Uns geht es um das Seitenverhältnis, hier denken wir an ein Verhältnis von 3:2. Wer schon mal mit so einem Display gearbeitet hat, kennt die Vorteile: Beim Arbeiten mit Programmen oder dem Schreiben von Texten hat man mehr Höhe zur Verfügung als sonst üblich - und mehr Höhe bedeutet auch mehr Übersicht. Also genau das, was sich die Zielgruppe der so genannten "Creators" wünscht. Genügend Auflösung in der Breite haben die Displays heute ja, aber in der Höhe wünschen wir uns oft mehr Platz. Immerhin setzt Apple beim MacBook Pro auf ein 16:10-Display, denn das bei vielen anderen Herstellern übliche 16:9 geht unserer Sicht nach zu stark in Richtung "Sehschlitz".

Einen Touchscreen, wie er seit Jahren von verschiedenen Seiten diskutiert wird, sehen wir hingegen nicht. Es ist nicht nötig macOS in ein Touch-taugliches Betriebssystem umzubauen. Allein schon aus ergonomischer Sicht wäre dies unserer Meinung nach alles andere als wünschenswert. Ein anderes Display-Seitenverhältnis hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Proportionen des Gehäuses. Hier gäbe die Chance, die breiten Ränder links und rechts von der Tastatur etwas zu verkleinern.

Aber auch bei der Interaktion mit dem Notebook, also der Bedienungs-Ergonomie, können wir uns ein paar Veränderungen vorstellen. Die Touch Bar oberhalb der Tastatur würden wir gerne wieder durch konventionelle Tasten ersetzen, damit wären die F-Tasten und die Grundfunktionen wie Lautstärke und Helligkeit wieder an festen Positionen und ohne Umwege erreichbar.

Damit wäre der Weg frei für verschiedene neue Konzepte: Eine Idee ist es, das grosse Trackpad als kompletten Screen zu gestalten. Hier könnte man die Funktionen der Touch Bar integrieren, hätte mehr Fläche für die Darstellung von Informationen und könnte es sogar mit einer Stifteingabe ergänzen. Ergonomisch gesehen wäre dies besser, da man dann mit den Fingern nicht immer extra über die Tastatur hinweg reichen müsste, da man das Trackpad ja auch sonst für die Eingabe benutzt. Eine andere Möglichkeit könnte es sein, die Anzeige der Touch Bar als Overlay auf dem Display anzuzeigen, und zwar immer an der Stelle wo sich der Cursor gerade befindet. Aufrufen könnte man die Einblendung mit einem Klick auf dem Trackpad oder einer bestimmten Tasten-Kombination. Der Vorteil wäre, dass man den Blick nicht extra nach unten richten muss und das Konzept würde bei allen Mac-Geräten funktionieren und erst noch weniger Strom verbrauchen. Bei beiden Ideen könnte man als Anwender auch wieder vom haitischen Feedback des Trackpads profitieren.

Als weitere Ergänzung sehen wir noch die Integration der Face ID-Technologie. Sie könnte nicht nur als Passwort-Eingabe beim Login und anderen Aktionen dienen, sondern auch generell zum prüfen, ob die "richtige" Person am Notebook sitzt.

Soweit mal ein paar grob skizzierte Ideen von uns, schön wäre es natürlich auch, wenn jemand von Apple diese lesen würde und sie auch in der einen oder anderen Form in die Weiterentwicklung der MacBook Pro-Linie fliessen würden. Wir sind der Überzeugung, dass man da noch einiges für Ergonomie und Workflow tun könnte.

Wie sehen Eure Ideen und Wünsche für zukünftige Notebooks von Apple aus? Lasst es uns und andere Leser in den Kommentaren wissen.