Review

Apple Watch Series 5

Von Hitzestau - 04.11.2019

Inhaltsverzeichnis

Mit dem Modell-Jahrgang 2019 ist die Apple Watch bei “Series 5” angekommen. Wie doch die Zeit vergeht...

...denn die allererste Apple Watch war im September 2014 vorgestellt worden. Seitdem hat sie jedes Jahr ein paar wichtige Entwicklungsschritte gemacht - dieses Jahr halten sich diese allerdings in sehr engen Grenzen. Wir empfehlen daher, unser Review zur Apple Watch Series 4 zu lesen, da vieles davon auch für das diesjährige Modell seine Gültigkeit hat. Wie üblich werden wir hier in diesem Review die Neuerungen vorstellen und dann auf unsere unterdessen mehrjährigen Erfahrungen mit der Smartwatch von Apple eingehen.

Neue Funktionen

Eine Handbewegung kennt jeder Apple Watch-Benutzer aus seinem Alltag: das Drehen des Handgelenks um das Display zu aktivieren. Mit der Watch Series 5 gehört dies nun der Vergangenheit an, denn sie verfügt über ein so genanntes "Always On"-Display. Das Display dunkelt nicht mehr komplett ab, sondern die Helligkeit wird nur noch reduziert: Wichtige Informationen wie die Zeit oder - je nach Zifferblatt - verschiedene Komplikationen bleiben somit sichtbar. Sie lassen sich jetzt jederzeit ablesen auch wenn man die Watch nicht direkt zu sich dreht.

Zifferblatt Meridian
Quelle: Apple

Die Watch Series 5 verfügt neu über einen integrierten Kompass. Die Anzeige in der App zeigt nach Norden, zudem enthält sie Angaben zur Neigung, Höhe über Meer und gibt Breiten- und Längengrad an. Dies gibt dem Anwender mehr Informationen bei der Aufzeichnungen von Wanderungen oder Laufstrecken. Zudem kann die Karten App dank dem Kompass die eigene Blickrichtung anzeigen.

Apple Maps
Quelle: Apple
Kompass App
Quelle: Apple

Schon seit der Series 4 kann die Watch erkennen, wenn ihr Träger einen schweren Sturz erleidet und dann Hilfe holen. Mit der Series 5 geht dies noch einen Schritt weiter: Die Series 5-Modelle mit integrierter eSIM können Notrufe auch international absetzen. In über 150 Ländern kann die Apple Watch lokale Rettungsdienste anrufen.

In dem offiziellen Video von Apple bekommt Ihr einen guten Überblick über die verschiedenen Funktionen der Watch im Alltag.

Gehäuse

Als Gehäusematerial ist dieses Jahr Titan neu dazugekommen und ergänzt somit das Line-Up aus Aluminium, Edelstahl und Keramik. Bei den Farben gibt es wenig Veränderungen, wobei jedes der vier Materialien seine eigene Farbauswahl mitbringt. Das Deckglas des Displays besteht bei den Aluminium-Gehäusen nach wie vor aus IonX-Glas, für die anderen Modelle verwendet Apple das kratzfestere Saphirglas.

Die Gehäusegrössen von 40 mm und 44 mm wurden im vergangenen Jahr mit der Series 4 eingeführt und unverändert für die Series 5 übernommen. Auch die Displaygrösse und der schmale Rand sind unverändert geblieben.

Titan-Gehäuse
Quelle: Apple

Die Modell-Linien mit Nike (Apple Watch Nike) und Hermès (Apple Watch Hermès) werden ebenfalls weitergeführt. Beide zeichnen sich durch spezielle Armbänder und Zifferblätter aus.

Apple Watch Hermès
Quelle: Apple
Apple Watch Nike
Quelle: Apple

watchOS 6

Mit der diesjährigen Version des Betriebssystems macht die Apple Watch sozusagen einen weiteren Schritt in Richtung Eigenständigkeit. Sie erhält einen eigenen App Store, so dass man Apps ab sofort direkt auf der Watch installieren und updaten kann. Updates des Betriebssystems werden jedoch nach wie vor über das iPhone ausgeführt, mit dem sie gekoppelt ist. Die Mindestvoraussetzungen dafür sind ein iPhone 6s oder neuer mit iOS 13.

Im Bereich Gesundheit und Fitness kann man als Anwender von mehreren Neuerungen profitieren. Mit der Noise App lässt sich der Lärmpegel der Umgebung messen. Dabei bewegt sich der Dezibelmesser in Echtzeit zur Lautstärke und warnt beim Überschreiten von 90 Dezibel. Dies lässt sich auch als Komplikation auf den Zifferblättern einrichten. Allerdings wäre diese Funktion auch praktisch, direkt auf dem iPhone zu haben. Im Kino haben wir die Noise App ausprobiert und festgestellt, dass der Sound locker weit über 90 Dezibel hochgeht, was schon sehr laut ist.

Noise App
Quelle: Apple

In der Aktivitäts-App kann man sich neu einen langfristigen Überblick über das eigene Aktivitäts-Verhalten anzeigen lassen. Ausserdem gibt es eine neue Anwendung namens Zyklustracking, mit welcher Frauen wichtige Informationen über ihren Menstruationszyklus protokollieren und abrufen können.

Im weiteren gibt es eine Reihe von praktischen Apps, wie etwa die Möglichkeit, Sprachmemos direkt auf der Apple Watch aufnehmen zu können. Die Taschenrechner-App hält ebenfalls Einzug auf der Watch und lässt damit Erinnerungen an die Rechner-Uhren der Marke Casio von früher wieder aufleben. Wirklich vermisst haben wir den Taschenrechner auf der Watch allerdings auch nie. Freunde von Hörbüchern können neu via die Hörbuch-App die Werke hören, die sie bei Apple Books gekauft haben.

Wie bei jedem neuen Release von watchOS hat Apple auch dieses Mal ein paar neue Zifferblätter mit dazugepackt.

Quelle: Apple

Zudem sind auch neue Komplikationen verfügbar, welche in die Zifferblätter integriert werden können.

Erfahrungen mit der Apple Watch 

Mit watchOS 6 hat Apple auch die Gefahr von ungewollten Fehleingaben reduziert. So lässt sich der Druck auf die Krone komplett deaktivieren. Damit kann man beispielsweise verhindern, dass sich Siri unbeabsichtigt aktiviert und Aktionen ausführt. Das war in den früheren watchOS-Versionen nicht so, da konnte es schon mal vorkommen, dass man ohne es zu wollen, eine Person aus der Kontaktliste angerufen hat. Die einzige Lösung war, die Uhr umzudrehen, so dass die Krone auf die linke Seite schaute und nicht mehr mit dem Handrücken ungewollt aktiviert werden konnte. Mit dem etwas kleineren Gehäuse der Series 3 hatten wir allerdings solche Probleme nie gehabt.

Rückblickend über die beiden vorangegangenen Modelljahre gab es bei der Apple Watch zwei grosse Neuerungen, die sich aus unserer Sicht sehr bewährt haben: Die integrierte SIM-Karte, die mit der Watch Series 3 eingeführt wurde und das grössere Display der Watch Series 4. Mit der Series 4 erlebte die Apple Watch auch bezüglich Performance einen grossen Schritt nach vorne, das Benutzererlebnis beim Öffnen von Apps oder dem Einspielen von Updates wurde deutlich verbessert.

Und bleiben wir gerade noch beim Thema Display: Geschützt wird dieses beim Aluminium-Gehäuse leider immer noch durch ein IonX-Glas, welches weniger kratzfest ist, als das Saphirglas, welches bei allen anderen Gehäuse-Materialen verwendet wird. Eine Uhr am Handgelenk ist nun mal sehr exponiert, da kann man immer mal irgendwo dagegenstossen, auch wenn man sehr vorsichtig ist. Es empfiehlt sich daher ein AppleCare+-Plan, mit dem zwei Reparaturen bei unabsichtlicher Beschädigung abdeckt sind. Fällig wird dann jeweils nur eine Servicegebühr.

Das Always-On Display verändert den Umgang mit der Watch im Alltag, weil früher kam es immer wieder vor, dass die Watch beim Drehen des Handgelenks nicht reagiert hat und man das Display erst mit einem Antippen der Krone aktivieren musste. Jetzt ist der Umgang mit der Watch viel "natürlicher" geworden. Spürbare Auswirkungen auf den Akkuverbrauch hat die Always-On Funktion allerdings nicht.

Eine klassische Uhr wird die Apple Watch damit allerdings nicht, aber das ist auch gar nicht das Ziel. Sie hat über die Jahre einiges an Eigenständigkeit und Unabhängigkeit vom iPhone gewonnen, aber Aspekte wie Langlebigkeit oder Wertbeständigkeit vermissen wir nach wie vor: eine Smartwatch hat einen relativ kurzen Lebenszyklus, seit der Watch 3 hat Apple einen jährlichen Zyklus etabliert, in dem neue Modelle erscheinen. Für uns passen so ein Jahreszyklus und eine Uhr nicht wirklich zusammen. Wie schnell die Apple Watch "alt" wird, hat man auch beim Update auf watchOS 6 im vergangenen September erleben können. Dies wurde anfänglich nur für die Watch Series 4 und 3 freigegeben. Die Modelle 1 und 2 erhielt ihr Update erst mit der Version 6.1 per Ende Oktober 2019. Die Alterung spürt man aber auch ganz direkt am Handgelenk: Wir haben eine Series 3-Watch rund zwei Jahre im täglichen Einsatz gehabt und da hat man gut gemerkt, wie der Akku über die Zeit an Leistung abgebaut hat.

Da stellt sich für uns auch die Frage, wieviel Sinn es macht, Geld in andere und somit teurere Gehäusematerialien als Aluminium zu investieren. Das "Innenleben" der Apple Watch altert unabhängig davon, ob das Gehäuse nun aus Alu oder Titan besteht, denn es sind die sogenannten "Smart"-Features, welche die Apple Watch im Vergleich zu einer klassischen Uhr schneller altern lassen. Der Vorteil vom Aluminium gegenüber allen anderen Materialien ist immer noch sein geringes Gewicht und man spürt es am Handgelenk deutlich, ob man eine Watch oder aus Alu oder Edelstahl trägt.

Aber es geht nicht nur ums "Altern" und den kurzen Update-Zyklus. An der Apple Watch Series 5 sieht man, dass die Produkt-Kategorie Smartwatch an ihre Grenzen kommt, was effektive Neuerungen betrifft. Die Apple Watch des Jahrgangs 2019 ist ein sehr ausgereiftes Produkt. Kommt noch dazu, dass einige der dieses Jahr präsentierten Neuerungen reine Software-Features sind. So gesehen sind die Neuerungen und Unterschiede zur Vorgängerin Serie 4 zu gering, um ein neues Modell wirklich zu rechtfertigen.

Apple hätte unserer Meinung nach lieber die Watch Series 4 noch ein zweites Jahr weiter geführt und dann nächstes Jahr wieder ein echtes Produkt-Update vorgestellt. Dieses Vorgehen hätte auch bei den Konsumenten ein besseres Bild abgegeben und besser zum Öko-Gedanken gepasst, den Apple sich selber auf die Fahnen schreibt. Wie eng die Series 4 und 5 beieinander liegen, zeigt sich auch am aktuellen Line-Up: Neben der Series 5 verkauft Apple die Series 3 weiter. Sie Series 4 wurde wohl aus dem Verkauf gestrichen, da die Unterschiede zu gering waren und sie die Series 5 kannibalisiert hätte. Eine ernsthafte Alternative ist die Series 3 allerdings auch nicht, da ihr unterdessen zu viele Entwicklungsschritte fehlen.

Als Smartwatch ist die Apple Watch ein extrem vielseitiges Gerät und kann sich somit sehr gut an die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Träger anpassen. So spielen für uns Fitness und Trainings kaum eine Rolle, wir nutzen sie für andere Anwendungsbereiche: In Verbindung mit dem iPhone lieferte sie nützliche Benachrichtigungen und auch das Musikhören mit den AirPods oder einem Bluetooth-Kopfhörer ist sehr angenehm, da sie nicht nur für Apple Music sondern auch für andere Apps als Fernbedienung dienen kann. Auch bei der Bestätigung von Zwei-Wege-Authentifizierungen ist sie eine praktische Alternative zum iPhone.

Die Watch ist aber auch gut ins Ökosystem von Apple integriert: Der Login am Mac ist mit ihr sehr einfach und mit Apple Pay wird sie zum Portemonnaie am Handgelenk. Aber auch im Gesundheitsbereich kommt die Apple Watch bei uns zum Einsatz: Die Herz App liefert regelmässige Pulsmessungen, die im Apple Health mit den Daten zum Blutdruckmessgerät zusammengeführt werden.

Zubehör und Lieferumfang

Eine Stärke der Apple Watch ist nach wie vor das breite Angebot an Armbändern aus verschiedenen Materialen und trendige Farben. Auch diesen Herbst hat Apple wieder neue Kollektionen lanciert.

Mit den beiden Gehäusegrössen, den vier Materialen in unterschiedlichen Farben und unzähligen Armband-Designs gibt scheinbar endlose Kombinationsmöglichkeiten, um die eigene Apple Watch den persönlichen Vorlieben anzupassen. Mit dem "Apple Watch Studio" will Apple diesem Umstand besser Rechnung tragen und nicht nur die vor-konfigurierten Kombinationen aus Gehäuse und Armband zum Verkauf anbieten. Der Kunde kann online oder im Store seine ganz persönliche Watch zusammenstellen. Der Vorteil dabei ist, dass man so schon vor dem Kauf sieht, wie Gehäuse und Armband zusammenpassen und man muss kein Standard-Armband mitkaufen, welches man sowieso gegen ein anderes ersetzen möchte.

Zum Lieferumfang gehören neben der Watch und einem Armband, das Netzteil mit dem speziellen Ladekabel für die Induktionsaufladung auf der Rückseite der Watch.

Fazit

Apple positioniert die Watch als digitalen Assistenten für die Bereiche Gesundheit, Fitness (Training und Aktivitätstracker) und Kommunikation. Daran hat sich auch mit der Series 5 nichts geändert.

Zifferblatt Numerals Duo
Quelle: Apple

Unabhängig von der Kritik am kurzen Produkt-Zyklus, auf den wir im Erfahrungs-Kapitel eingegangen sind, ist die Apple Watch Series 5 eine sehr gute Smartwatch mit einem durchdachten Konzept, welches sehr schön ins Öko-System von Apple integriert ist. Im Alltag haben wir mit ihr nur positive Erfahrungen gemacht, vor allem das Always On-Display ist eine willkommene Weiterentwicklung.

Wer jetzt eine Apple Watch Series 4 besitzt, kann ruhig mit einer Neuanschaffung warten. Besitzer einer Series 3 (oder noch älter) können unserer Meinung nach ohne Zögern zugreifen. Hier lohnt sich eine Neuanschaffung, denn man bekommt unter anderem ein grösseres und helleres Display, mehr Performance für ein flüssiges User-Erlebnis, einen verbesserten Pulsmesser und mehr Zifferblätter und Komplikationen, die ans grössere Display angepasst sind.

One more thing

Das Aufkommen der Smartwatches als eigenständige Produktkategorie haben wir zum Anlass genommen, der Geschichte der Uhr und den technischen Vorläufern der heutigen Smartwatches etwas auf den Grund zu gehen. Lest dazu unsere Serie "Zeitmesser und ihre Geschichte".