Review

Apple MacBook Pro 2016 im Test

By Hitzestau - 23.01.2017

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Was steckt im neuen 15-Zoll MacBook Pro? Wir konnten uns in den vergangene Wochen ein detailliertes Bild machen. Während unserer Testzeit haben wir den Notebook für eine Vielzahl von Aufgaben eingesetzt, unter anderem auch für die Content-Erstellung für unseren Blog: Die Video-Recordings und den Schnitt für unser Review zur Sony PlayStation VR, welches wir noch vor den Weihnachten veröffentlicht hatten, haben wir mit ihm gemacht. Für das Capturing vom Gameplay aus der VR-Brille haben wir den Live Gamer Extreme von avermedia eingesetzt. Da dessen Software nur unter Windows läuft, haben wir auf dem MacBook Pro mit Boot Camp auch gleich Windows 10 installiert. Die Bearbeitung der aufgenommenen Videos haben wir dann wiederum unter macOS mit Final Cut X gemacht. Dazu haben wir ehrlich gesagt wieder "Blut geleckt" was das Arbeiten mit macOS betrifft.

Das gute MacBook Pro Erlebnis

Bevor wir auf ein paar spezielle Eigenheiten eingehen, bleiben wir erstmal beim Gesamteindruck. Da steht für uns das Erlebnis mit Trackpad, Tastatur und Display im Vordergrund.

Für mich ist das Trackpad die Zentrale für das Apple-typische flüssige Arbeiten mit macOS: Fingergesten erkennt das Trackpad so schnell und präzise wie kein anderes, mit welchem wir in letzter Zeit in Berührung gekommen sind: Mit drei Fingern nach oben wischen, öffnet Mission Control, mit nach links oder rechts kann durch alle offenen Apps durchblättern. Schon fast unschlagbar komfortabel ist das vor- und zurückblättern im Browser beim Surfen.
Archangel von hitzestau.com

Unser eigener 15 Zoll-MacBook Pro ist ein Modell aus dem Jahre 2010. So war für uns die Erfahrung mit dem Force Touch Trackpad ebenfalls neu, denn dieses Technologie hat Apple erst im 2015 in die Notebooks übernommen, die Grundidee von Force Touch kennen wir natürlich schon vom iPhone. Ein paar Gesten, die wir bisher nur von iOS kannten, hat Apple auch für die macOS-Plattform übernommen. Das gefällt uns sehr gut, denn es macht das Arbeiten unter macOS noch flüssiger. Das Trackpad ist sehr nahe an der Touchbedienung, wie man sie vom Smartphone oder Tablet gewohnt ist. Deshalb ist es auch nur richtig, dass Apple darauf verzichtet hat, das ganze Display des Notebooks touchtauglich zu machen und seinem bisherigen Konzept treu geblieben ist.

macOS hat viele kleine Feinheiten, die das Arbeiten damit angenehm machen. Und beim 2016er MacBook Pro kommen das Display und Trackpad dazu, die wirklich exzellent sind.
Monk-Trader von hitzestau.com
15″ MacBook Pro.
Source: Apple

Als nächstes wollen wir auf ein paar einzelne Aspekte des 15 Zoll-MacBook Pro eingehen, Spot on...

Touch Bar

Die Touch Bar wurde an der Keynote Ende Oktober 2016, in der das neue MacBook Pro vorgestellt wurde, als die grosse Innovation präsentiert, welche die Interaktion mit dem Notebook und den Programmen grundlegend verändert.

Touch Bar MacBook Pro.
Source: Apple

Nach ein paar Wochen eigener Erfahrung sind wir zum Schluss gekommen, dass uns die Touch Bar in der Praxis nicht überzeugt hat: Sie unterstützt unseren Workflow am Notebook nicht – im Gegenteil sie bremst ihn aus.

Das MacBook Pro hat ein supergutes Trackpad und eine sehr gute Tastatur. Zudem sind die wichtigen Tastatur-Shortcuts bei mir in Fleisch und Blut.
Archangel von hitzestau.com

Da die Touch Bar auch innerhalb der einzelnen Programme ihre Anzeige ständig ändert, muss man immer wieder den Blick auf die Touch Bar richten und schauen, welche Funktionen sie gerade anzeigt. Und wenn man mit einem Programm arbeitet, welches man nicht sehr gut kennt, kommt das Konzept der Touch Bar erst recht an seine Grenzen.

Wenn man ein Programm nicht sehr gut kennt, und bei mir war das mit Final Cut X der Fall, ist es schwierig mit der Touch Bar zu arbeiten, denn man weiss ja nicht sicher, welche Funktionen sich hinter den angezeigten Symbolen verbergen.
Monk-Trader von hitezstau.com
Touch Bar, 13″MacBook Pro.
Source: Apple

Im Gegensatz zu einer Taste oder dem Trackpad gibt die Touch Bar keinerlei spürbares oder akustisches Feedback. Man hat auch keinen Anhaltspunkt, wo man sich mit dem Finger gerade befindet, bei einer Tastatur sind ja die Buchstaben F und J spürbar markiert. Auf Berührungen, wenn zum Beispiel mit einem angezeigten Slider die Helligkeit regulieren will, reagiert sie sehr präzise. Die Helligkeit der Touch Bar passt sich immer an die Umgebung an, allerdings kann man als Anwender die Helligkeit nicht selber auf null stellen, das kann beim Schauen von Videos via Netflix schon recht stören. Sie braucht sehr lange, bis sie selber ausschaltet.

Durch ihre Position oberhalb der Tastatur kommt es automatisch zu einer etwas unergonomischen Handhaltung, wenn man die Touch Bar intensiv nutzt. Wir haben uns deshalb überlegt, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, ein Bedienungsfeld wie die Touch Bar ins Trackpad zu integrieren. Dort agiert man eh schon mit den Fingern und man hätte auch gleich die Force Touch-Haptik des Trackpads benutzen können. Damit wäre der gesamte Workflow aus unserer Sicht flüssiger und logischer, denn die Touch Bar wäre neben Tastatur und Trackpad kein drittes, eigenständiges Element sondern besser ins gesamte Bedienungskonzept eingebunden.

Aktuell wird die Touch Bar primär von den Apple-eigenen Programmen und Adobe Photoshop unterstützt. Eine Unterstützung für Office 365 ist bei Microsoft in Vorbereitung. Beim Blick in den AppStore sieht man schnell, welche Programme aktuell die Touch Bar bereits unterstützen.

Source: Apple

Touch ID

Die Touch ID ist ganz rechts in der Touch Bar integriert. Sie ist ein klassischer Button zum Herunterdrücken und dient auch als Knopf für einen Hardreset. Das Konzept, was man schon von den Mobile Geräten her kennt, hat Apple jetzt auf den Notebook übertragen. Sie funktioniert mit grosser Präzision und Schnelligkeit, wenn man einen Finger erfasst hat, und sich per Fingerprint in den eigenen Account einloggen will. Allerdings hat Touch ID im System nicht durchgängig die gleiche Integrations-Tiefe, wie man es von iOS-Geräten gewohnt ist. Manche Programme verlangen für die Installation explizit das Administrator-Passwort. Auch beim ersten Login nach dem Aufstarten ist immer zwingend das Passwort erforderlich.

Schnittstellen und Adapter

Bei den Schnittstellen hat Apple einen radikalen Schnitt im Vergleich zu den Vorgänger-Modellen gemacht. Ein einfacher USB auf USB-C Adapter war denn auch der erste, den wir uns zugelegt haben, als wir das MacBook Pro frisch für unseren Test bekommen haben. Ohne den Adapter hätten wir den Live Gamer Extreme von avermedia gar nicht anschliessen können.

Adapter USB-A auf USB-C.
Source: Apple

Um den 15 Zoll-MacBook Pro im normalen Alltag zu nutzen, kommt man also um den einen oder anderen Adapter nicht herum. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die vier USB-C Schnittstellen maximale Flexibilität bieten. Es spielt keine Rolle mehr, ob sich eine bestimmte Schnittstelle links oder rechts befindet, man steckt das Kabel einfach auf der Seite ein, wo es vom Setup her gerade am besten passt. Den Wegfall von MagSafe sehen wir nicht als Problem, da der Stecker beim Vorgänger-Modell schon die Tendenz hatte schnell abzuknicken und andere eingesteckte Kabel von der magnetischen Sicherung eh nicht profitierten. Und da jetzt auch der Strom via eine der USB-C Schnittstellen übertragen wird, kann man im Notfall sogar ein anderes Netzteil verwenden, um den Notebook aufzuladen.

Zu begrüssen wäre es, wenn Apple – ähnlich wie beim iPhone 7 – auch beim neuen MacBook Pro einen Standard-Adapter wie USB auf USB-C beilegen würde. Das würde einem erlauben, direkt nach dem ersten Auspacken wenigstens ein herkömmliches USB-Gerät anzuschliessen. Ein Leben ohne Adapter gab in den letzten Jahren bei den Vorgängermodellen auch nie, da Schnittstellen und Peripheriegeräte sich immer in einem Umbruch befinden.

Vor ein paar Jahren musste ich immer einen VGA-Adapter dabei haben, um den Macbook Pro an einen Beamer anschliessen zu können. Heute muss man halt ein paar andere Standard-Adapter dabei haben, wenn man ausser Haus unterwegs ist. Das ist auch eine Frage der persönlichen Organisation." (Archangel von hitzestau.co

Wie schon in den letzten Jahren, überlässt Apple die Entwicklung und den Verkauf von Adaptern zum Teil Drittherstellern. Hier ist ein Markt für verschiedene Docking-Stations und Dock-Lösungen entstanden, welche verschiedene Anschlüsse in einem separaten kompakten Gerät replizieren. Damit lassen sich Kabelsalat und die Anzahl verschiedener Adapter natürlich auch reduzieren.

Windows 10 mit Boot Camp

Wie bereits eingangs erwähnt, haben wir auch eine Boot Camp Installation mit Windows 10 eingerichtet. Grundsätzlich ist Boot Camp eine gute Sache, denn es macht die macOS-Geräte von Apple extrem flexibel.

Dabei sind uns mehrere Dinge explizit aufgefallen: Der Akkuverbrauch war viel höher als unter macOS, die durchschnittliche Laufzeit lag bei rund 3 Stunden. Zudem gibt es Probleme mit dem WLAN-Treiber: Das 2,4 GHz-Netz läuft nicht sehr stabil und schnell. Im 5 GHz-Netz kann der Treiber nicht den 40 MHz-Standard nutzen, sondern nur das 20 MHz-Band. Nachdem wir dies an unserem WLAN-Access Point entsprechend eingestellt hatten, konnte sich der Notebook auch ins 5 GHz-Netz einbuchen. Vorher hatte er das Netz zwar erkannt, aber das Einbuchen klappte nicht. Die verbaute WLAN-Karte kann das 40 MHz-Frequenzband grundsätzlich nutzen: Unter macOS tut sie das auch, unter Windows liegt es an den Treibern von Boot Camp, dass hier die Leistung beschnitten wird.

Generell scheinen die Treiber unter Boot Camp noch nicht alle reibungslos zu funktionieren: Dass es wegen fehlerhafter Treiber zu Hardware-Defekten kommt, darf nun wirklich nicht passieren. Kurz nach dem Verkaufsstart hatte es Berichte von zerstörten Lautsprechern gegeben. Bislang hat Apple unter Boot Camp einfach die Lautstärke um die Hälfte reduziert.

Die Touch Bar funktioniert unter Boot Camp ebenfalls, aber sie passt sich nicht an verschiedene Programme an. Was via Boot Camp zur Verfügung gestellt wird, sind die Buttons für die Regelungen der Helligkeit von Display und Tastatur, die Steuerung für einen Media-Player und die ESC-Taste. Mit Drücken der FN-Taste kann man die Funktionstasten F1 bis F12 anzeigen.

Akkulaufzeit

Bei uns hielt der Akku im Schnitt 5 bis 7 Stunden bei Tärtigkeiten wie Texte schreiben, Internetrecherche und Musik hören. Wenn man mit einer Aufgabe wie Videokodieren Last angelegt, ging die Restlaufzeit jedoch schneller nach unten. Rund um die Akkulaufzeit gab es viel negative Berichterstattung, zu der auch der Test von Consumer Report gehörte. Unterm Strich scheint es so, dass das Marketing von Apple mit der Formulierung "bis zu 10 Stunden" falsche Erwartungen geweckt hat. Und da das Gehäuse an Volumen gegenüber dem Vorgänger-Modell abgenommen hat, ist auch der Akku kleiner geworden: Es ist Apple jedoch nicht gelungen, durch technische Weiterentwicklung oder den Einsatz stromsparender Komponenten den effektiven Verbrauch zu reduzieren. Im Gegenteil, mit der Touch Bar und der gesteigerten Display-Helligkeit sind sogar neue Verbrauche hinzugekommen.

Ausser der Anzeige auf dem Display sieht man zudem nicht mehr, ob der Akku geladen wird oder nicht. Weder der USB-C Stecker noch das Netzteil selber haben eine kleine LED, die Auskunft gibt, dass der Akku geladen wird. Auch die praktische Ladestandsanzeige aussen am Gehäuse gibt es leider nicht mehr.

Kritikpunkte

Den MacBook Pro kauf man genau mit der Ausstattung, wie man ihn während der gesamten Lebensdauer benutzen wird. Nachträgliche Hardware-Upgrades von RAM oder SSD sind nicht möglich. Diese fehlende Aufrüstbarkeit ist bei der MacBook Pro-Reihe schon länger ein Thema. In den Reaktionen zum aktuellen Modell sieht man deutlich, dass hier verschiedene Philosophien und Ansprüche aufeinander prallen.

Zu reden gab auch die Ausstattung mit maximal 16 GB Arbeitsspeicher, die gegenüber dem Vorgänger-Modell nicht angepasst wurde. Ebenfalls in diese Kategorie fällt aus unserer Sicht auch der Speicher der dedizierten Grafikkarte, der in der Grundausstattung 2 GB umfasst und auf maximal 4 GB vergrössert werden kann. Gerade angesichts eines Displays mit 2560 x 1600 Pixeln und 227 ppi beim 15 Zoll-Gerät sind aus unserer Sicht 4 GB Grafikspeicher recht mager. Und wenn manche Spiele heute schon 3 – 4 GB voraussetzen, wie wird es denn bei einer Lebensdauer des Geräts von mehreren Jahren aussehen?

Die Kritik an der Ausstattung und die fehlende Aufrüstbarkeit lässt sich auf eine Frage zuspitzen: Ist das ein "Pro"-Gerät? Dass unser MacBook Pro Baujahr 2010 heute noch in Betrieb ist, liegt auch daran, dass wir bei ihm die HDD durch eine schnellere SSD austauschen und den Arbeitsspeicher auf 8 GB aufstocken konnten. Auch die internen Lüfter liessen sich in regelmässigen Abständen gut reinigen. In der Bauweise entwickelt Apple seine Notebooks in Richtung Smartphone und Tablets, was bei gewissen Kunden gar nicht gut ankommt. Wie sehr diese Wegwerfmentalität zum grünen Image von Apple passt, ist ebenfalls eine offene Frage.

Für viele Anwender sind die MacBook Pro-Modelle Arbeitstiere von denen bezüglich Rechen- und Akkuleistung viel abverlangt wird. Der Unmut wurde umso grösser, als verschiedene Medien berichteten, dass die Marketing-Abteilung von Apple ein möglichst dünnes und schlankes Gerät wollte, währendem die Ingenieure gerne mehr "Power" verbaut hätten. Wenn ein schlankes Design zu Lasten der Leistung geht, sind das aus unserer Sicht auch die falschen Prioritäten.

Fazit

Somit bleibt für uns ein sehr zwiespältiges Fazit: Alles was wir dem 15 Zoll-MacBook Pro während unserem Test machen wollten, konnten wir ohne Probleme mit ihm erledigen. Die Verarbeitung, das Display sowie Tastatur und Trackpad sind einfach nur erste Klasse. Er läuft mit macOS – und da gefällt uns der flüssige Workflow sowie das gute Zusammenspiel zwischen Gerät und Software. Warum allerdings die Lautsprecher für einen Notebook derart hohe Dezibelwerte erreichen müssen, konnten wir uns auch nicht erklären. Dasselbe gilt auch für das Netzteil, es ist zu gross und schwer, um es direkt in eine Steckdose oder Steckleiste einzustecken.

Mit dem neuen Design hat Apple aber auch festgelegt, wie sie die Kategorie Notebook für die Zukunft – oder wenigstens für die nächsten paar Jahre – sehen: Ein schlankes und leichtes Gerät mit fest verbauter Tastatur und ohne Touch-Display. Die Touch Bar hat uns in ihrer jetztigen Form nicht überzeugt. Aus unserer Sicht würde eine Kombination aus Touch Bar und Trackpad jedoch mehr Sinn machen. Trotzdem zahlt man als Kunde für dieses Experiment einen nicht unerheblichen Aufpreis. Und wenn man den Notebooks als Workstation mit externer Tastatur und Trackpad/Maus benutzt, fällt das Konzept der Touch Bar schon wieder in sich zusammen.

Den etwas radikal wirkenden Entscheid, nur noch USB-C Schnittstellen zu verbauen begrüssen wir, aber es wäre schon angebracht, hier wenigstens einen Adapter (USB-A auf USB-C) beizulegen.

Mit seiner Philosophie, immer flachere und schlankere Geräte zu bauen, ist Apple mit dem aktuellen MacBook Pro etwas übers Ziel hinausgeschossen: Es kann nicht sein, dass Akkuleistung oder Ausstattung mit RAM sich dem Design unterordnen müssen. Auch praktische Dinge wie die LED zur Ladestands-Anzeige des Akku sind verschwunden. Rein hardwaremässig gesehen würde das neue Modell eher als neues MacBook Air durchgehen, aber dafür ist der Preis eindeutig zu hoch. Wegen der integralen Bauweise empfehlen wir zudem, beim Kauf eines neuen MacBook Pro auf jeden Fall einen Protection Plan hinzuzufügen.

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